Rechtsextremismus Moderator Yogeshwar fühlt sich an Flughäfen diskriminiert

Star-Moderator Ranga Yogeshwar wird überdurchschnittlich oft an deutschen Flughäfen gefilzt. Immer bei der Einreise "gehen vor mir alle durch. Nur ich muss stehen bleiben".


Moderator Yogeshwar: "Gefährliche Toleranz gegenüber rassistischen Aussagen"
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Moderator Yogeshwar: "Gefährliche Toleranz gegenüber rassistischen Aussagen"

Hamburg - ARD-Moderator Ranga Yogeshwar ("Wissen vor 8") hat regelmäßig Probleme bei der Einreise nach Deutschland. Nach eigenen Angaben wird er überdurchschnittlich oft bei Flughafenkontrollen aufgehalten: "Vor mir gehen alle durch, und ich muss immer stehen bleiben", sagte der ARD-Mann in einer Aufzeichnung zur Talksendung "Beckmann", die am Montag ausgestrahlt wird.

"Deutschland ist kein Nazi-Land", sagte Yogeshwar. Es sei in "vielen Punkten sehr offen, tolerant und fair". Allerdings gebe es vor allem im Osten eine "gefährliche Toleranz gegenüber rassistischen Aussagen". In den neuen Bundesländern, sagt Yogeshwar, sei die "Wahrscheinlichkeit, dass ich mit meiner Hautfarbe in bestimmten Zonen eins auf die Mütze bekomme, etwa zehnmal höher" als im Westen. Er wünsche sich, dass Deutschland "schärfer" gegen rechtsextreme Gewalt vorgehe.

1993 wurde Yogeshwar selbst von Rechtsradikalen tätlich angegriffen. Seit den Übergriffen in Prag engagiert er sich verstärkt in Initiativen gegen Ausländerfeindlichkeit.

Die Politik diskutiert aktuell über einen zweiten Versuch, die rechtsextreme Partei NPD zu verbieten. Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios stehen die Chancen dafür derzeit schlecht. Mindestens acht von Union oder schwarz-gelben Koalitionen regierte Bundesländer hätten sich nach ARD-Angaben geweigert, Materialsammlungen über die Partei an das Bundesinnenministerium zu liefern. Ohne deren Zustimmung ist ein Verbot nicht möglich.

Es handle sich um die Länder Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Sachsen. Laut ARD halten diese ein neues Verbotsverfahren für verfassungsrechtlich aussichtslos.

Das erste NPD-Verbotsverfahren war 2003 vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert, weil V-Leute von Bund und Ländern teils Posten in Führungsgremien der rechtsextremen Partei bekleidet hatten.

ssu/AFP



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