Sibylle Berg

S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Gut gebräunt

Die Schweiz hat es vorgemacht, nun erstarken auch in Deutschland nationalkonservative Fraktionen. Was der Rechtsnationalismus für den Umweltschutz, die Kunst und den Feminismus bedeutet.

Die Trendsetterin Schweiz, schmunzelnd auch das Hassloch Deutschlands genannt, hat schon einige Zeit, was Deutsche eventuell begehren: eine rechtsnationale - oder sagt man wertekonservative? - Mehrheit  in der Regierung.

Als Bewohnerin des Landes kann ich Ihnen versichern: Sooo schlimm wird das alles nicht. Der Einfluss der Nationalkonservativen kommt wie das Altern, mit kleinen Falten, die an irgendeinem Punkt zu einem hängenden Gesicht werden. Als Erstes werden leise die linken, grünen oder sagen wir: die Spinner-Umweltschutz-Ideen ausgehebelt. Warum auf unsichere Energien setzen, wenn wir mit Kohle und Atom  alles schon zuverlässig geregelt haben.

Steuern für Superreiche werden selbstverständlich nicht erhöht. Die Arbeitsplätze. Die Wirtschaft. Das Wachstum. Der Golfbuddy. Genderbeauftragte, Frauenförderung, Umweltschutz, Kinderkrippen, Gärten, Bildung - so ein Quatsch, das Geld kann man sinnvoller für Stadien verplanen. Sport liebt das Volk. Sport liebt der Konservative. Das belebt den Volkskörper. Der Sozialstaat - püh, wer braucht den schon. 

Großzügig im Austeilen gegen Minderheiten

Die Kunst, ja nun. Linksintellektueller Quark. Meistens. In der Schweiz tobt gerade, nein halt, hier tobt nichts, also in der Schweiz raschelte gerade ein kleiner Skandal durch die Theaterwelt. Ein Theater hatte ein Spektakel initiiert, das sich gegen einen Nationalkonservativen richtete, dessen Zeitung nicht kleinlich im Austeilen gegen Minderheiten ist, die darum immer wieder mit dem Stürmer verglichen wird. Wegen Titeln wie diesem . Oder diesem , aber auch wegen seiner Inhalte, die sich immer wieder gegen Homosexuelle, Feminismus, oder die - ähm - Kunst   richten.

Aber wie das so ist mit den Rechten, im Einstecken sind sie nie so gut wie im Austeilen. Oder kennen Sie viele Rechte mit der Fähigkeit, über sich selbst zu lachen? Da lacht man lieber über die Konsequenzen, und die können ja nur sein, generell mal über subventionierte Kunst zu reden. Das freche Theater muss weg, Subvention muss weg. Bestrafung muss sein. 

Theater subventionieren ist eh eine Beleidigung aller Werktätigen. Kunst ist etwas, das dem Rechten suspekt ist, na ja, unsinnige Kunst, und was unsinnig ist, entscheidet er, der sich immer über Zensur beschwert, und nach Meinungsfreiheit schreit. Kunst ist, was der Mensch versteht, Komödien, schöne Bilder, auf denen man etwas erkennt, Bücher mit Liebe. Gibt es etwas Schöneres als Schlager? Schlager, die von der Liebe zwischen Mann und Frau handeln, also einem gesunden, von Ungeziefer und Dekadenz reingehaltenem Volkskörper, rollendes R, ich spucke gerade...

Also - und wäre es nicht an der Zeit, für die Diktatur des einfachen Mannes, der schlichten Frau eine formschöne Uniform zu entwickeln. Sollte sie nicht braun sein?

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Foto: SPIEGEL ONLINE
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