Rechtspopulismus Demokratie ist nichts für dressierte Hamster

Wozu wählen? Der Mensch will eine Liege auf Malle und eine harte Hand, die ihn führt. Keine gute Voraussetzung für eine demokratische Gesellschaft.

Deutsche Urlauber auf Mallorca
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Deutsche Urlauber auf Mallorca

Eine Kolumne von


Die AfD ist die Partei der motzenden, deutschen Ballermann-Rentnerinnen - fiel mir heute Morgen ein, und ich wollte diesen wunderbaren Gedanken mit Ihnen teilen, ohne ihn weiter auszuführen.

Der Mensch, das unzufriedene Wesen. Lange Zeit lebt er ohne ein Gefühl für die im Körper angelegte geplante Obsoleszenz schlechtgelaunt vor sich hin - die Pickel, der Liebeskummer, die Verachtung für die Alten -, bis er plötzlich selbst einer von ihnen ist und begreift, dass er die beste Zeit seines Lebens schlechtgelaunt verbracht hat, was ihm noch schlechtere Laune beschert. Meistens ist die Ursache der schlechten Laune in denen "da oben" begründet. Die Regierung, graue Eminenzen, alles Verbrecher.

Und dann gibt es auch noch Frauen unter den Verdächtigen. Die Menschen, die in einer Demokratie leben - es sind laut einer neuen Studie nur vier Prozent - reden verächtlich von einer "sogenannten Demokratie" und meinen damit: Die da oben machen eh was sie wollen.

Och, gar nicht schlecht, die Demokratie

Würden sich die Leute, die noch in einer funktionierenden Demokratie, also mit dem Recht, sich an politischen Prozessen zu beteiligen, in der Low-Version durch Wahlen, in der aktiven Form, in der sie selbst politisch aktiv werden, außer ihre blöden Liegen zu reservieren, in anderen Ländern umsehen, wüssten sie eventuell wie das Leben in einer Diktatur schmeckt. "Och, gar nicht so schlecht", würden viele vielleicht raunen. "Geht klar, so eine Diktatur. Denn was hat uns diese alberne Freiheit eigentlich gebracht?" Junge Menschen, die keine andere Form als die demokratische kennen, schätzen sie übrigens besonders wenig.

Der Verdacht liegt also nahe, dass die meisten Leute auf Verbote stehen. Auf klare Kante, auf strenge FührerInnen mit FührerInnenstimme und Alpha-Affenposing. Sie träumen von einer Welt der Regeln, die sie befolgen würden, eilfertig wie dressierte Hamster. Ein Abtreibungsverbot, um den Muschis zu zeigen, wo ihr Platz ist - am Herd, du Amsel -, das Verbot politischer Aktivitäten und Zusammenrottungen, die man endlich nicht mehr bräuchte, mit einem starken Führer, zwingend männlich, weil wer will schon einer Frau folgen, der alles regeln würde, wie ein strenger Vater, der seine Kinder nur schlägt, wenn sie es verdient haben.

Hauptsache Liege

Freiheit, scheinen viele zu denken, ist das Recht zwischen Produkten zu wählen, zwischen Netflix-Filmen und zwischen Malle und Lanzarote. Egal. Hauptsache Liege. Hauptsache Handtuch. Eventuell könnte man sagen, dass der Versuch der Eigenverantwortung gescheitert ist. Kann wegen Blödheit eingestellt werden. Ersetzt durch den Segen der Marktwirtschaft. Das Recht den Scheiß zu kaufen, den sie hervorbringt. Der Mensch braucht all die Errungenschaften der letzten hundert Jahre nicht. Wählen - what for?

Das Recht, sich in Gewerkschaften zusammenzuschließen, das Recht, über den eigenen Körper zu bestimmen, was mit dem Verbot der Sterbehilfe und mit dem Paragrafen 218 ohnehin Bullshit ist. Der Mensch, so scheint es, wünscht sich mehrheitlich eine starke Stimme, die ihn aus dem Tal seines Leidens führt. Die ihm sagt, was gut und schlecht, was falsch und richtig ist. Die ihm Ernährung und Sporttipps gibt, ihm sagt, wie er seine Gardinen aufzuhängen und die Tram zu betreten hat.

Der Mensch respektiert Ampeln und träumt davon, in seinem Kopf ein ähnliches System installiert zu haben, das jede Entscheidung und Handlung regelt. Außer der Freiheit, mit 300 auf Autobahnen rumzugurken, in vollkommener Unkenntnis der eigenen motorischen Leistungen, wünscht er sich Zucht und Ordnung, der kleine Racker.

Und damit einen erbaulichen Sonntag. Verzehren Sie keine Tiere, besaufen Sie sich nicht, lesen Sie ein gutes Buch und machen Sie einen Verdauungsspaziergang. Danach brettern sie ein bisschen auf der Autobahn entlang.

Ihre Instanz. Frau Berg.

insgesamt 196 Beiträge
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Seite 1
tariktell 16.02.2019
1. Der Blödsinn,
den Sibylle Berg zusammenschreibt, geht auf keine Kuhhaut, von einem Hamster ganz zu schweigen. Der willige, aber irritierte Leser weiß nicht, wo er beginnen soll und muss frustriert erkennen, dass das Leserbriefformat hier definitiv nicht ausreicht ...
glise 16.02.2019
2. Was will die Frau?
als ob wir jemals so etwas wie Demorkatie gehabt hätte oder haben. Bevor so korrupte Mainstreampolitiker von Banken und Konzernen kontrolliert werden und das Volk versklaven, habe ich doch lieber Menschen die zwar auch keine Demokraten sind aber wenigstens zum Wohle der Menschen und des Volkes arbeiten. Also Luft anhalten und nach Hause gehen.
Leser161 16.02.2019
3. Gibs doch schon
Die aktuelle Situation zeichnet sich doch genau dadurch aus das sie Konsum fördert und uns bis ins Detail sag wo s langgeht - Beispiel: Auto: Förderung kleiner sparsamer Autos mit langer Nutzungsdauer? Nein, gönn Dir regelmäßig neu mit gemogeltem Schadstoffausstoss, zur Not gefördert durch Steuergelder. Was kostet die Welt? Vorschriften: Bei allem gönn Dir, Du musst jede Vorschrift und Anweisung von oben haarklein einhalten. Im kleinen Rauchmelder, im Grossen - Wir schaffen das. Wer widerspricht ist ein verantwortungsloser Rechter. Ich fürchte ihr Erklärungsmodell funktioniert nicht.
ruhepuls 16.02.2019
4. Brot und Spiele...
Was will "der Mensch"? Im Grund Brot und Spiele. Politik ist für die meisten nur solange interessant, solange sie sich um diese beiden Dinge kümmert. Man schreibt seinen Wunschzettel bzw. wählt sich einen der am Wahltag ausliegenden Wunschzettel aus, macht sein Kreuz - und hofft, dass möglichst viele der Wünsche erfüllt werden. Und wenn nicht, ist man böse aufs "Christkind" ("die Merkel muss weg.."). Politik war ansonsten immer ein Steckenpferd derer von "oben". Zuerst des Adels und später des Geldadels. Mit dem materiellen Wohlstand kam auch das Bedürfnis nach Mitgestaltung. Die Manchester-Liberalen redeten den Lords rein. Heute tun es die Unternehmer in China. Den "normalen Leuten" ist im Grunde egal, wie man das System nennt, in dem sie leben - solange "hinten" genug für sie raus kommt. Ein "guter Diktator" wird genauso bejubelt, wie ein guter Demokrat. Allerdings ist den meisten ein "guter Diktator" lieber als ein "schlechter Demokrat". Meist sind allerdings die Diktatoren nicht gut - und das macht die Sache so kompliziert.
rollerueckwaerts 16.02.2019
5. Demokratieverständnis
"Würden sich die Leute, die noch in einer funktionierenden Demokratie, also mit dem Recht, sich an politischen Prozessen zu beteiligen, in der Low-Version durch Wahlen, in der aktiven Form, in der sie selbst politisch aktiv werden, außer ihre blöden Liegen zu reservieren, in anderen Ländern umsehen, wüssten sie eventuell wie das Leben in einer Diktatur schmeckt. " Alles was nicht ist wie in D ist böse und Diktaktur. OK. Man kann auch einfach in die Schweiz gucken und erfahren was echte Demokratie ist. Davon ist das deutsche Demokratieverständnis weit entfernt.
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