Regierungskritisches Magazin Springer begräbt russische "Newsweek"

Do swidanija: Wegen Verlusten in Millionenhöhe hat der Verlag Axel Springer seine russische Lizenzausgabe des Nachrichtenmagazins "Newsweek" eingestellt. Zuvor waren Gespräche mit einem Investor gescheitert.


Moskau - Nach sechs Jahren hat der Axel Springer Verlag das kritische Nachrichtenmagazin "Russki Newsweek" aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Das teilte das Unternehmen am Montag mit. Am Wochenende hatte der SPIEGEL von dem drohenden Aus der Zeitschrift berichtet.

Die russische Lizenzausgabe des US-Nachrichtenmagazins "Newsweek" galt seit ihrem Erscheinen Mitte 2004 als Flaggschiff eines unabhängigen Journalismus in dem sonst stark von Staatsmedien dominierten Markt in Russland. Noch vor einem Jahr hatte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner die 50-köpfige Redaktion für ihre Arbeit gelobt. Nach Informationen des SPIEGEL sprach er damals eine Bestandsgarantie für die nächsten Jahre aus.

Zuletzt hatte die liberale Zeitung "Kommersant" in Moskau berichtet, dass der russische Multimilliardär Michail Prochorow mit Springer über eine Übernahme verhandele. Andererseits wollte der als liberal geltende Prochorow es sich nicht mit dem Kreml verscherzen. Nun wird die am Montag erschienene Ausgabe die letzte sein. Chefredakteur Mikhail Fishman soll künftig als Korrespondent für die "Welt"-Gruppe aus Russland und der Region berichten.

Die Auflage von "Russki Newsweek" lag zuletzt bei knapp über 50.000 Heften, Medienanalysten hatten das als niedrig bezeichnet. Sie sahen darin ein Indiz, dass das Interesse in Russland an aufwendig und kostspielig recherchiertem Journalismus gering ist. "Leider ist es uns nicht gelungen, den Titel dauerhaft auf eine solide wirtschaftliche Basis zu stellen und ihm eine entsprechende Perspektive zu geben", teilte der Präsident von Axel Springer International, Ralph Büchi, mit.

Unter Berufung auf Experten hatte "Kommersant" den jährlichen Verlust mit umgerechnet rund 360.000 Euro pro Jahr angegeben. Axel Springer Russland verlegt in Moskau auch russische Ausgaben von "Computer Bild", "Forbes" und "OK!".

ore/dpa/AP



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Hansael, 18.10.2010
1. Fehlentscheidung?
Möglicherweise war das eine Fehlentscheidung des Hauses Springer. Auch wenn man dem Sringer-Verlag kritisch gegenüber steht, und Gossen-Journalismus à là Bild rundheraus ablehnt, wird doch hier die Chance vertan, eine nicht durch Putins Gnaden geduldete und systemgesteuerte Zeitung herauszubringen. Angesichts der Millionen, die bei Springer verdient werden, scheinen 360.000 Euro ein eher lächerlicher Betrag zu sein. Hätte Springer auch den Verkauf der Bild in der ehemaligen DDR eingestellt - nur mal so fiktiv gedacht!?
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