Reise-Ausstellung In fünfzig Jahren um die Welt

Seit fünfzig Jahren reist das Grafikdesigner-Ehepaar Haase mit Kamera und Aquarellfarben. Und auch ihre Töchtern halten ihre Welterkundungen in Fotografien fest. Das Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen zeigt die Reise-Impressionen der Bremer Familie.

Eine ganz eigenes Zitat-Genre widmet sich der Behauptung, dass Reisen bilde. Dazu beigetragen hat zum Beispiel Jean Paul: "Nur Reisen ist Leben, wie umgekehrt das Leben Reisen ist". Dieses Zitat findet sich in dem kleinen Katalog zur Ausstellung "Wohin die Reise geht..." in der Kunstsammlung Böttcherstraße in Bremen mit fotografierten und gezeichneten Reisebildern von Sibylle und Fritz Haase und ihren Töchter Esther und Judith.

Zur Familie Haase hätte auch der Satz von François Marie Voltaire gepasst: "Jeden Tag lernen wir Dinge, von denen wir keine Ahnung hatten. Reisen bildet wirklich sehr." Denn Fritz Haase, Jahrgang 1937, konnte nach einer Griechenland-Reise Anfang der sechziger Jahren sogar endlich beantworten, von welcher Art die Beziehung zu seiner Reisegefährtin, Kommilitonin und Freundin Sibylle nun genau war: "Wir schliefen auf den Dächern der Häuser von Santorin und lernten uns kennen. Nichts verbindet mehr als das Erlebnis gemeinsamen Reisens. Nichts legt mehr frei vom Wesen des Reisepartners, und die Frage, ob die Beziehung auch für ein ganzes Leben taugen könnte, war nach einer Reise unter den damaligen Umständen schnell zu beantworten." Nach der Reise heiratete er Sibylle Knels. Sie gründeten eine Familie und reisen seit nunmehr 50 Jahren gemeinsam.

Schon bei ihrer ersten Reise nach Griechenland gingen die Haases ihren künstlerischen Interessen nach: Er fotografierte, sie zeichnete und aquarellierte. Und als sie zurückkehrten, entstand aus den festgehaltenen Impressionen ein Buch zum privaten Gebrauch. Und in den nächsten 50 Jahren entstanden immer mehr Bücher mit Bildern aus Bali, aus Capri, Delhi und Delphi, aus Italien, Griechenland, Kuba, aus Miami oder dem Sinai.

Reisen als Kunst

Fritz und Sibylle Haase sind Grafikdesigner. Beide haben in Bremen an der Staatlichen Kunstschule studiert, 1963 zusammen das Designbüro "Haase & Knels, Atelier für Gestaltung" gegründet, Verpackungen, Briefmarken oder Plakate entworfen und dafür Preise gewonnen. Fritz Haase gestaltete zum Beispiel viele Plakate für das benachbarte Paula Modersohn-Becker Museum, damals zeitgemäß in Sieb- und Kartoffeldruck. Diese Plakate fand vor kurzem der neue Museums-Direktor Frank Laukötter in den Beständen der Kunstsammlungen und besuchte Haase daraufhin. Und nachdem er dessen Fotos, die Aquarelle von Sibylle Haase in den Reisebüchern und die Fotografien der beiden Töchter gesehen hatte, lud er die ganze Familie zu einer Ausstellung ein.

Alle vier Familienmitglieder haben die Nähe zur Kunst gemeinsam: Esther Haase, ausgebildete Tänzerin und heute professionelle Fotografin, studierte bei ihrem Vater, der lange Jahre als Professor für Kommunikation und Fotografie an der Bremer Hochschule für Künste gelehrt hatte, und Judith arbeitet als Architektin mit eigenem Büro in Berlin.

Völlig unterschiedlich aber ist die Bildsprache der vier: Esther, die Mode-Fotografin, inszeniert ihre Bilder theatralisch und immer glamourös. Leicht oder lustig ist nichts, selbst das Lachen des Models ist Pose. Für die Schau hat sie eigens üppige Akte im zum Museum gehörenden Roselius-Haus wie auf einer Theaterbühne in Szene gesetzt, und für ihre "Girls"-Serie aus Miami arbeitete sie mit technisch veränderten blassen Polaroids. Außerdem bearbeitet sie ihre Bilder oft digital, was ihrem Vater Fritz nie einfallen würde.

Seine Fotografie ist kompositorisch streng, oft in Serien. Immer wieder hat er beispielsweise den Vesuv fotografiert: 1998 schwarzweiß mit auratischem Himmel und einer Wolke über dem Krater, 2008 in zarte Farben getaucht vom Sonnenauf- und -untergang und atmosphärischem Dunst. Mit solcher Bildauffassung ist er seiner Tochter Judith näher. Sie fotografiert sachlich und komponiert ihre Bilder klar mit Licht und Schatten, meist ist Architektur zu sehen, seltener Menschen.

Als einzige in der Familie scheint sich Sibylle Haase auf den Reisen zu amüsieren, denn ihre sparsamen Zeichnungen und kräftig farbigen Aquarellen zeigen Menschen, Straßen- und Strandszenen, die immer ein bisschen wie absurdes Welttheater aussehen, das sie humorvoll, manchmal ironisch kommentiert.

Der Zugang zu den Bildern der Ausstellung ist für die Besucher leicht, auf Reisen zu sein, kennt jeder und vieles in der Haltung und Wahrnehmung der vier erscheint vertraut. Folgt man der Presseerklärung des Museums, dann führen die Werke der Haases "sinnfällig vor Augen, dass auch das Reisen zu den Künsten gehört".


Wohin die Reise geht... unterwegs mit Esther, Judith, Sibylle und Fritz Haase. Bremen. Paula Modersohn-Becker Museum.  Bis 2.10.

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