S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Gebt uns die Hand!

Sich die Hand zu reichen ist eine Geste der Versöhnung. Des Respekts, vor allem zwischen den Geschlechtern. Überkommene religiöse Vorstellungen sollten da nicht dazwischenfunken.

Neues aus der Schweiz, meinem Nabel der Welt. Zentrum politischer Schönheit und Eleganz. Vor einigen Wochen kam es da zu einem Schüttelgate. Zwei Schüler verweigerten es, ihrer Lehrerin die Hand zu geben. Macht man normalerweise so, in Schweizer Schulen, aber eben nicht, wenn man bescheuert ist. Die Empörung im Land war groß, wurde irrational, mischte sich mit der Angst vor dem Islam, der Zuwanderung und na ja, sie wissen schon, was man im Moment so alles befürchtet .

Das Schüttelgate macht in Europa die Runde, vor einiger Zeit verweigerte sich ein Fußballer dem intimen Erstkontakt mit einer Journalistin. Da dachten ja viele noch: Na komm, Fußballer halt. Unterdessen mögen auch Politiker keine Berührungen mehr  und die Europäer schwanken wieder einmal zwischen Empörung und Verständnis. Was soll man sagen zu diesem Eingeständnis religiös verankerter männlicher Schwäche? Ja, wir respektieren dein Weltbild, du Handschlagverweigerer, welches dir sagt, dass Frauen ausschließlich als sexuelle Geschöpfe auf der Erde sind, die nur die Aufgabe haben, dich in Versuchung zu führen. Oder dein Kind zu gebären, oder deine Ehre spazieren zu tragen. Die Frauen, die du nicht berühren magst und die von dir auch oft als Autorität nicht akzeptiert werden. Weil du sie ja schützen musst, die kleinen Muschis. Weil du es nicht anders gelernt hast. Wegen der Religion. Die man respektieren soll, wie dieser Autor in klarer männlicher Art nachweist .

Wir sind wie ihr

Die Berührung des anderen Geschlechts ist nicht nur das Problem streng religiöser Muslime, sondern auch orthodoxer Juden und irgendwelcher urchristlichen Splittergruppen, wen interessiert es? Ach ja, Frauen könnte das interessieren, denn in der Verfassung ist neben der Religionsfreiheit auch folgender Paragraf zu finden:

"Mann und Frau sind gleichberechtigt. Das Gesetz sorgt für ihre rechtliche und tatsächliche Gleichstellung, vor allem in Familie, Ausbildung und Arbeit."

Das war die Schweizer Verfassung. Entsprechendes findet sich unter Artikel 3 der deutschen Verfassung.

So, und nun haben wir ein Problem. Ist Religion, also Religion, die sich nicht mit der Zeit wandelt, sondern stur auf einer Jahrtausende alten, von Männern geschriebenen Weltsicht pocht, mehr zu gewichten als die Gleichstellung? Aus der Sicht eines Mannes mag das so sein. Aus meiner Sicht ist gerade die Schule, neben der Familie, der Ort, um jungen Menschen die Grundlagen der Demokratie zu lehren. Die Gleichberechtigung beinhaltet. Für die Frauen seit hundert Jahren kämpfen. Und deren kleine Erfolge heißen: Wir sind wie ihr. Gebt uns die Hand, sonst geben wir euch die Verachtung, die wir aus einer nicht dargebotenen Hand lesen, einfach zurück.

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