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17. April 2009, 10:25 Uhr

Renommierter Foto-Preis

Krass oder grün

Eine mondähnliche Landschaft, ein majestätischer Marabu im Landeanflug, ein aus großer Höhe fotografierter Regenwald: Bei den Sony World Photography Awards wurden etliche Bilder aus dem Bereich Umweltschutz prämiert - und ungewöhnliche Porträts, wie das eines ausgemergelten Mannes. SPIEGEL ONLINE zeigt die Siegerbilder.

Cannes - "Photographer of the Year 2009" ist der Amerikaner David Zimmerman. Er erhält am Donnerstagabend in Cannes 25.000 US-Dollar Preisgeld und die begehrte Trophäe "L'Iris D'or". Seine Landschaftsserie "Desert" zeigt die mondähnlich wirkenden Wüsten des amerikanischen Südwestens als fragiles Ökosystem in blassen Farben. Die Fotomotive der Gewinner des Sony World Photography Awards, der verliehen wurde, beschäftigen sich mit Natur und Umweltschutz.

Zimmerman, geboren im Jahr 1955 in Milwaukee (Wisconsin), ist Absolvent des renommierten Brooks Institutes in Kalifornien und zog Anfang der achtziger Jahre nach New York. Von 1982 bis 1985 arbeitete er als Werbefotograf und Fotojournalist. Seit 1985 spezialisierte er sich auf Landschaftsfotografie.

Wie die Tageszeitung "The Independent" meldet, bezeichnete Zimmerman seine Arbeit als "Versuch, den Schutz der Umwelt durch die Beeinflussung der öffentlichen Meinung voranzutreiben".

Bruce Davidson, der Sprecher der Jury sagte: "Wir leben in einer Zeit des Umweltbewusstseins ebenso wie in einer Zeit der Abbildung. In den Fotos von David Zimmerman kommen Bild und Bedeutung zusammen."

Vincent Foong aus Singapur wurde für sein Bild in der Kategorie Naturkunde zum "Amateur Photographer of the Year 2009" gewählt und erhält 5000 US-Dollar. Das Bild eines Malaienstorches schoss Foong im Moment des Landeanflugs.

Foongs Leidenschaft für Fotografie begann relativ spät mit Mitte 30. Er reiste viel und machte zunächst nur Bilder von Menschen und der Natur. Als Taucher entdeckte er in den Achtzigern die Unterwasserbilder für sich. Heute fotografiert er besonders gern Gesichter und Vögel. Sein tägliches Geld verdient er als Manager eines Büros für Innenarchitektur.

Den dieses Jahr erstmals - und außerhalb des normalen Wettbewerbs - vergebenen Preis "Prince's Rainforest Project" (PRP) gewinnt der Spanier Daniel Beltrá, der im US-amerikanischen Seattle lebt. Er darf sich über eine voll finanzierte Fotoreise zur Dokumentation der Regenwälder dieser Erde freuen. In einer Videobotschaft äußerste sich Prince Charles, der Stifter des Preises: "Wenn wir den Kampf gegen die Abholzung der Tropenwälder verlieren, verlieren wir auch den Kampf gegen den Klimawandel."

Beltrá ist eigentlich Nachrichtenfotograf und möchte dazu beitragen, dass die Menschen durch seine Landschaftsbilder die Natur respektvoller behandeln. Mit seiner Kamera dokumentierte er bereits Expeditionen in den Amazonas, in die Arktis und zu den Patagonischen Eisfeldern.

Die letzte Auszeichnung des Abends ging an den französischen Fotografen und ehemaligen Präsidenten von Magnum Photos Marc Riboud, der mit 85 Jahren für sein Lebenswerk den "Lifetime Achievement Award" erhielt. Ribouds Renommé ist so groß, dass seit einigen Jahren seine Kollegen Foto-Retrospektiven seines Lebens ausstellen. Er dokumentierte bereits die Fußball-WM 1954 in der Schweiz, bebilderte die Watergate-Affäre, die Anti-Vietnam-Demonstrationen in Washington, den Vietnam-Krieg und die religiöse Revolution in Iran. Der renommierte Fotograf Elliott Erwitt, gleichzeitig Jury-Mitglied in Cannes, überreichte Riboud den Preis.

Die Sony World Photography Awards wurden dieses Jahr zum zweiten Mal vergeben. Lange vor der Gala fand eine Vorauswahl für die Endrunde statt. Die 20 Teilnehmer dieser finalen Runde wurden bereits Mitte März in Berlin bekannt gegeben. Für die 20 Finalisten wird eine Global-Tour 2009/2010 organisiert, auf der die Arbeiten aller Fotografen in weltweit renommierten Galerien präsentiert werden. Die Teilnehmer der Endrunde setzen sich aus acht Amateur- und zwölf Profifotografen zusammen. Sie stachen aus 186 Künstlern mit ihren Werken hervor.

Während des Foto-Festivals in Cannes vom 14. bis 19. April haben Besucher die Gelegenheit, sich an Gesprächsrunden und Signierstunden mit etablierten Fotografen zu beteiligen. Diverse Ausstellungen bekannter Fotokünstler sind ebenfalls Teil des Programms.

hyc/sha

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