Reporter ohne Grenzen Zahl der entführten Journalisten verdoppelt sich

2013 wurden mehr als doppelt so viele Journalisten entführt wie im Vorjahr. Die Zahl der getöteten Reporter lag laut der Organisation Reporter ohne Grenzen nur knapp unter dem Spitzenwert von 2012. Vor allem in Syrien leben Berichterstatter gefährlich.

Am 16. September in Syrien entführt: Spanische Reporter Ricardo Garcia Vilanova und Javier Espinosa (Foto von 2012)
AP

Am 16. September in Syrien entführt: Spanische Reporter Ricardo Garcia Vilanova und Javier Espinosa (Foto von 2012)


Berlin - Reporter, Kameraleute, Fotografen und andere Medienschaffende sind bei ihrer Arbeit in vielen Weltregionen weiterhin großen Gefahren ausgesetzt. 2013 hat vor allem die Zahl der Entführungen dramatisch zugenommen. Nach Angaben der internationalen Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen sind in diesem Jahr weltweit mehr als doppelt so viele Journalisten entführt worden wie 2012. Insgesamt 87 Journalisten wurden verschleppt, im Vorjahr waren es 38. Zum großen Teil liegt der starke Anstieg an der nach wie vor gefährlichen und unübersichtlichen Situation im Bürgerkriegsland Syrien. Dort würden ausländische Berichterstatter gezielt entführt, so wie die beiden spanischen Reporter Ricardo Garcia Vilanova und Javier Espinosa, die sich seit 16. September in der Gewalt von Rebellen befinden. Insgesamt würden derzeit rund 60 Medienschaffende in Syrien festgehalten.

Leicht gesunken ist hingegen die Zahl der Berichterstatter, die 2013 bei ihrer Arbeit getötet wurden: 71 Journalisten sowie 39 Blogger und Bürgerjournalisten verloren ihr Leben. Im Vorjahr waren es 88 Journalisten sowie 47 Blogger und Bürgerjournalisten - der höchste von Reporter ohne Grenzen seit dem Beginn der Zählung 1995 festgestellte Wert. Das gefährlichste Land für die Medien war 2013 Syrien, wo zehn professionelle Berichterstatter und 35 Bürgerjournalisten starben. Insgesamt hätten seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs im März 2011 mindestens 120 Medienleute ihr Leben verloren.

Beispiellose Welle der Gewalt

Die Zahl der getöteten Journalisten sei zwar weltweit leicht gesunken, aber immer noch deutlich höher als in den Jahren vor dem Höchststand von 2012, erklärte die Vorstandssprecherin von Reporter ohne Grenzen, Astrid Frohloff: "Insgesamt ist die Arbeit von Journalisten weltweit keineswegs sicherer geworden." Besonders besorgniserregend sei die "extrem hohe Zahl von Entführungen, mit denen vor allem in Syrien Journalisten systematisch zum Schweigen gebracht werden".

Im Gefängnis säßen wegen ihrer Arbeit momentan 178 Journalisten weltweit, die meisten von ihnen - wie schon 2012 - in China, Eritrea, der Türkei, Iran und Syrien.

Zu den ansonsten gefährlichsten Ländern zählt die Organisation wie bereits zuvor das ostafrikanische Bürgerkriegsland Somalia und Pakistan - und dieses Jahr auch Indien und die Philippinen. In Indien sei von "Mafiagruppen, Demonstranten und Anhängern politischer Parteien eine beispiellose Welle der Gewalt" ausgegangen, heißt es in der Jahresbilanz der Organisation.

seh/dpa/AFP



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