"Reporter ohne Grenzen" Europa fällt bei Pressefreiheit weit zurück

Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" hat ihre jährliche Rangliste der Pressefreiheit veröffentlicht. Einige Staaten der Europäischen Union stürzen dabei regelrecht ab.
Demonstration für Pressefreiheit in Ungarn

Demonstration für Pressefreiheit in Ungarn

Foto: Attila Volgyi/ dpa

Staatliche Repressionen und medienfeindliche Hetze durch Regierungen und einzelne Politiker: In keiner anderen Weltregion hat sich die Pressefreiheit so stark verschlechtert wie in Europa. Das beklagt die Organisation "Reporter ohne Grenzen", die am Mittwoch die Rangliste der Pressefreiheit 2018 veröffentlicht.

Geradezu abgestürzt ist Malta, das um 18 Plätze auf Rang 65 zurückfiel. Der Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia habe deutlich gemacht, wie eng in dem EU-Land das Geflecht von Politik, Justiz und Wirtschaft sei, teilte "Reporter ohne Grenzen" mit.

Auch Polen, Ungarn, die Slowakei und Tschechien haben sich weiter verschlechtert. In Ungarn bestimmt die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán teils mit wörtlich vorgefertigten Stücken die Berichterstattung im staatlichen Rundfunk, in der Slowakei wurde der Reporter Jan Kuciak ermordet.

Kritik auch an Deutschland

Deutschland rückte um einen Platz auf Rang 15 vor. Für problematisch erachtet "Reporter ohne Grenzen" vor allem die Übergriffe gegen Journalisten beim G20-Gipfel in Hamburg. Sorgen bereitet den Medienwächtern auch das Anfang 2017 in Kraft getretene BND-Gesetz, das dem deutschen Geheimdienst die Überwachung von Journalisten im außereuropäischen Ausland ermöglicht, sowie das Netzwerkdurchsetzungsgesetz gegen Hassäußerungen in sozialen Medien.

Die USA haben sich unter Präsident Donald Trump erneut verschlechtert, sie stehen nun auf Platz 45 (zuvor 43). Trump werde nicht müde, unliebsame Medien als "lügnerisch" zu diffamieren, und habe Journalisten als "Volksfeinde" bezeichnet, heißt es in dem Bericht.

Die 180 Staaten umfassende Rangliste wird von Norwegen, Schweden und den Niederlanden angeführt. Die letzten drei Länder sind wie schon im Vorjahr Turkmenistan, Eritrea und Nordkorea.

Größter Aufsteiger der Liste 2018 ist Gambia, das afrikanische Land verbesserte sich um 21 Plätze und steht nun auf Rang 122. Seit dem Ende der Diktatur von Yahya Jammeh infolge der Präsidentenwahl Ende 2016 erleben die Medien dort einen rasanten Aufschwung.

kae/dpa