"Reporter ohne Grenzen" Weltweit mindestens 65 Journalisten getötet

Fast die Hälfte der getöteten Medienmitarbeiter starben außerhalb von Kriegs- oder Bürgerkriegsregionen. "Reporter ohne Grenzen" fordert einen UN-Sonderbeauftragten zum Schutz von Journalisten.

imago/ ZUMA Press

In diesem Jahr kamen weltweit mindestens 65 Medienmitarbeiter bei ihrer Arbeit ums Leben. Fast die Hälfte starb dabei außerhalb von Kriegs- oder Bürgerkriegsregionen wie Syrien oder dem Irak, teilte die Non-Profit-Organisation "Reporter ohne Grenzen" (ROG) am Dienstag in Berlin mit. Die Journalisten wurden in Ländern wie Mexiko oder den Philippinen ermordet, weil sie über politische Korruption oder das organisierte Verbrechen berichtet hatten. Über 300 Medienschaffende befinden sich laut der von ROG erstellten Jahresbilanz der Pressefreiheit zudem derzeit in Haft.

"Gerade, dass so viele Journalisten außerhalb von Kriegsregionen ermordet werden, ist ein erschreckendes Zeichen", sagte ROG-Vorstandssprecherin Katja Gloger. "In viel zu vielen Ländern können die Täter und ihre Auftraggeber damit rechnen, dass sie mit Gewalt gegen Medienschaffende ungeschoren davonkommen."

Von den Getöteten seien 39 gezielt wegen ihrer journalistischen Tätigkeit ermordet worden, hieß es weiter. Die übrigen 26 starben im Einsatz, weil sie etwa unter Beschuss oder in Bombenangriffe gerieten. Unter den Toten waren 50 professionelle Journalisten, sieben Bürgerjournalisten und acht sonstige Medienmitarbeiter. 35 Medienschaffende starben in Gebieten mit bewaffneten Konflikten, 30 außerhalb solcher Gebiete. Zehn der Getöteten und damit doppelt so viele wie im Vorjahr waren Frauen. Die fünf gefährlichsten Länder im Jahr 2017 waren Syrien, Mexiko, Afghanistan, der Irak und die Philippinen.

Verweigerung einer angemessenen Gesundheitsversorgung

Von den gut 300 Inhaftierten sitzt knapp die Hälfte allein in fünf Ländern im Gefängnis: In der Türkei, in China, in Syrien, dem Iran und in Vietnam. Vietnam habe in den vergangenen Monaten sein Vorgehen gegen Journalisten verschärft und mindestens 25 Blogger verhaftet oder des Landes verwiesen. In China verweigert das Regime der Kommunistischen Partei inhaftierten Kritikern vorsätzlich eine angemessene Gesundheitsversorgung und nimmt in Kauf, dass sie an den Folgen sterben.

Ende 2017 sind weltweit 54 Medienschaffende entführt. Mit Ausnahme von zwei Journalisten, die von den separatistischen "Volksrepubliken" im Osten der Ukraine festgehalten werden, konzentrieren sich diese Fälle vollständig auf Syrien, den Jemen und den Irak. In manchen Fällen machen Angehörige und Kollegen der Geiseln deren Schicksal erst Jahre später publik, weil sie befürchten, das Leben der Entführten sonst zusätzlich zu gefährden.

"Reporter ohne Grenzen" wirbt bei den Vereinten Nationen intensiv für die Einsetzung eines UN-Sonderbeauftragten für den Schutz von Journalisten. Mittlerweile gibt es zwar eine Reihe von UN-Resolutionen für einen besseren Schutz für Journalisten vor allem in Konfliktgebieten. Sie hatten aber bislang kaum konkrete Auswirkungen auf die Lage der Betroffenen.

bsc/Reuters



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
m.gu 19.12.2017
1. Man sollte jedoch noch erwähnen, dass von den ca. 300 inhaftierten
Journalisten allein in der Türkei 150 davon einsitzen. Denn es bewahrheitet sich siehe Quelle: "Türkei: Zensur im weltgrößten Gefängnis für Journalisten." Zusätzlich wurden auch Journalisten mit kurdischer Herkunft vor allem in der Türkei verfolgt, inhaftiert, gefoltert und getötet. Allein in den Kurdengebieten der Türkei stellten die Journalisten und die Menschenrechtsorganisationen fest, siehe Quelle: "Türkei: Amnesty International berichtet von Folter." Untermauert von Quelle: "Menschenrechtsverletzungen: UNO wirft Türkei Verbrechen an Kurden vor." Betroffen zahlreiche Journalisten und Rechtsanwälte mit kurdischen Wurzeln.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.