Krisenrhetorik "Rettungsroutine" ist Wort des Jahres

Die verschiedenen Maßnahmen und Gipfel zur Lösung der europäischen Wirtschaftskrise sind längst zur Gewohnheit geworden. Deshalb hat die Gesellschaft für deutsche Sprache den Begriff "Rettungsroutine" zum Wort des Jahres gekürt. Auch die "Schlecker-Frauen" und "wulffen" kamen in die Top Ten.
Diskussionen auf EU-Gipfel: "Alle paar Wochen werden neue Pakete geschnürt"

Diskussionen auf EU-Gipfel: "Alle paar Wochen werden neue Pakete geschnürt"

Foto: Geert Vanden Wijngaert/ AP

Hamburg/Wiesbaden - Auf den "Stresstest" folgt die "Rettungsroutine": Diesen Begriff hat die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Freitag in Wiesbaden zum Wort des Jahres 2012 gekürt.

"Alle paar Wochen werden neue Pakete geschnürt", begründete der Vorsitzende der Gesellschaft, Professor Armin Burkhardt, die Wahl des Wortes. Der Begriff spiegele nicht nur das seit Jahren aktuelle Thema der instabilen europäischen Wirtschaftslage wider, sondern stehe auch für die immer wiederkehrenden Maßnahmen zur Rettung des Finanzsystems.

Besonders häufig wurde der Begriff in diesem Jahr jedoch nicht verwendet: Im Archiv von SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE findet sich der Begriff genau einmal: In einem Artikel aus dem Jahre 1975 über Seenot-Rettungen vor deutschen Küsten .

Unwort des Jahres wird im Januar gekürt

Auf den zweiten Platz setzten die Sprachforscher "Kanzlerpräsidentin" - als Bezeichnung für den Regierungsstil von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Platz drei belegt "Bildungsabwendungsprämie", laut GfdS ein "gelungener Kampfbegriff" der Gegner des Betreuungsgeldes.

Dahinter folgen unter anderem die "Schlecker-Frauen" und die "Netzhetze" als deutsche Bezeichnung für den Shitstorm. Auch "wulffen" kam auf die Liste 2012, um an den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff zu erinnern. Auf den Plätzen sieben bis zehn landeten "Gottesteilchen", "Punk-Gebet", "Fluch-Hafen" sowie die Wortkombination "ziemlich beste...".

Die Jury hatte ihre zehn Wörter des Jahres aus mehr als 2200 Vorschlägen ausgewählt. Dabei gehe es nicht um Häufigkeit, sondern um eine sprachliche Chronik des ablaufenden Jahres, sagte Burkhardt.

Das Wort des Jahres wird mit einigen Unterbrechungen seit 1971 gekürt. Gewählt werden Begriffe, die den Angaben zufolge die öffentliche Diskussion in einem Jahr besonders prägten, für wichtige Themen stehen oder aus anderen Gründen als charakteristisch für das jeweilige Jahr erscheinen. Im vergangenen Jahr war "Stresstest" Wort des Jahres, 2010 wurde der "Wutbürger" gekürt.

Im Januar werden von der Frankfurter Goethe-Universität zudem die Unwörter des Jahres vorgestellt.

Die Top Ten der Wörter des Jahres 2012

  • Rettungsroutine
  • Kanzlerpräsidentin
  • Bildungsabwendungsprämie
  • Schlecker-Frauen
  • wulffen
  • Netzhetze
  • Gottesteilchen
  • Punk-Gebet
  • Fluch-Hafen
  • ziemlich beste...

syd/dapd/dpa/AFP
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