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03. April 2012, 20:01 Uhr

Fehlerhafter Ninja-Frauen-Bericht

Iran straft Reuters ab

Sie stoßen Kampfschreie aus, sind aber offenbar in friedlicher Mission unterwegs: In einem Videobericht über weibliche Ninjas in Iran unterstellte Reuters, die Frauen würden zu Killerinnen ausgebildet. Jetzt haben die Behörden den Mitarbeitern der Agentur die Zulassung entzogen.

Teheran/Hamburg - Die Frauen tragen schwarze Capes, sie springen über ein langes Schwert und machen Kampfbewegungen unter wilden Schreien. Sie trainieren in der Stadt Karaj nahe Teheran, sie üben eine alte japanische Kampfkunst namens Ninjutsu aus - und sie sind nicht das neueste Schreckgespenst des Westens.

Dafür hätte man sie aber halten können, als die Nachrichtenagentur Reuters ein Video vom Training der Ninja-Kämpferinnen unter dem Titel "Tausende weiblicher Ninjas lassen sich in Iran zu Killern ausbilden" anbot - die Geschichte wurde von mehreren westlichen Medien aufgenommen, zum Beispiel vom "Daily Telegraph". Ohne Video hatte auch die "Bild"-Zeitung auf ihrer Titelseite über die "Killer-Ninjas von Ahmadinedschad" geschrieben.

Doch die iranischen Ninjas fühlten sich falsch dargestellt. "Für uns ist Ninjutsu vor allem ein Sport", sagte die Kämpferin Chatereh Dschalisadeh dem staatlichen Fernsehsender Press TV und begründete damit, dass sie Reuters wegen Verleumdung verklagen wolle. Ihre Kampfgenossin Raheleh Dawudsadeh ergänzte: "Der Bericht beeinträchtigt unsere Chancen, an internationalen Wettkämpfen teilzunehmen, denn Reuters gilt vielen als verlässliche Quelle."

Reuters räumte rasch ein, dass der Bericht fehlerhaft sei; die Überschrift wurde geändert in "3000 weibliche Ninjas trainieren in Iran". Doch das reichte den Behörden nicht.

Am Montag berichtete die iranische Nachrichtenagentur Irna, dem Reuters-Büro in Teheran seien vorübergehend alle Aktivitäten untersagt worden. Die elf Mitarbeiter der Agentur hätten ihre Presseausweise abgeben müssen, berichten CNN und die BBC übereinstimmend.

"Diese Entscheidung wurde getroffen, weil ein Video dieser Agentur einige iranische Ninjutsu-Athletinnen als Terroristen bezeichnete", zitiert Irna zur Begründung Mohammed Jawad Aghajari, den Abteilungsleiter für ausländische Medien im iranischen Kulturministerium. Es seien Studentinnen und Hausfrauen darunter, die aus Liebe zum Sport trainieren würden.

Der Chefredakteur von Reuters, Stephen J. Adler, sagte zum Nachrichtensender CNN, man räume Fehler ein und sehe es als ernste Angelegenheit. Das Unternehmen habe eine interne Untersuchung durchgeführt und "geeignete Maßnahmen ergriffen, damit sich solche Fehler nicht wiederholen." Reuters sei in Gesprächen mit den iranischen Behörden, um die Akkreditierungen für ihre Mitarbeiter zurückzuerlangen.

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