Richtfest am Holocaust-Mahnmal "Es soll kein nettes Denkmal sein"

Auf der Baustelle des Holocaust-Mahnmals in Berlin ist heute Richtfest gefeiert worden. Die Hälfte der Betonstelen ist bereits errichtet worden. An der Feier nahmen unter anderem US-Architekt Peter Eisenman und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse teil, der das umstrittene Bauwerk noch einmal ausdrücklich verteidigte.


Architekt Eisenman (am Montag in Berlin): Begeistert vom Fortgang der Arbeiten
AP

Architekt Eisenman (am Montag in Berlin): Begeistert vom Fortgang der Arbeiten

Berlin - Das Holocaust-Mahnmal erinnere an die schlimmste Tat in der deutschen Geschichte, und diese sei "nichts Freundliches, sondern etwas sehr Sperriges, und so ist auch das Mahnmal", sagte Thierse, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, am Montag im Bayerischen Rundfunk. Seine Unterstützung für das umstrittene Bauwerk erneuerte der Bundestagspräsident vor Ort beim Richtfest auf der Baustelle südlich des Brandenburger Tors. "Es soll kein nettes Denkmal sein", sondern ein Stein des Anstoßes, so Thierse.

Fotostrecke

6  Bilder
Holocaust-Mahnmal: Steine des Anstoßes

Die Erinnerung zu pflegen sei nötig, "nicht um der Vergangenheit willen, sondern damit wir in Gegenwart und Zukunft sensibel sind gegenüber Ausländerfeindlichkeit, Intoleranz und Antisemitismus", sagte der SPD-Politiker. Nötig sei die "Erinnerung um der Gegenwart und Zukunft willen".

Architekt Peter Eisenman zeigte sich beim Ortstermin an der Baustelle von dem bisherigen Fortgang der Arbeiten begeistert. Das Mahnmal mit 2751 Betonstelen unterschiedlicher Größe, die den Eindruck eines "wogenden" Feldes erwecken sollen, ist nun etwa zur Hälfte fertig gestellt, etwa 1400 Stelen wurden errichtet. Für den am südöstlichen Ende des 19.000 Quadratmeter großen Areals geplanten "Ort der Information" - ein unterirdisches Museum zur Erinnerung an die systematische Vernichtung der Juden während der NS-Diktatur - ist der Rohbau fertig. Die Eröffnung ist am 9. Mai 2005 geplant, einen Tag nach dem 60. Jahrestag des Kriegsendes.

Auch die Vorsitzende des Förderkreises zur Errichtung des Denkmals, Leah Rosh, äußerte sich zufrieden über die Entwicklung der Bauarbeiten. Das Erscheinungsbild gefalle ihr, sagte sie dem Berliner RBB-Sender Radio Multikulti. "Ich finde es sehr, sehr gut." Es sei sehr beeindruckend, wenn man zwischen den Stelen durchlaufe oder wenn man von oben draufschaue. "Wichtig ist aber, dass die Menschen in diesem Land das Denkmal annehmen", sagte Rosh.

Rosh hatte bereits seit 1988 für ein Denkmal für die ermordeten Juden geworben. 1999 hatte der Bundestag beschlossen, das Mahnmal nach Plänen des amerikanischen Architekten Peter Eisenman zu bauen. Der Kostenrahmen liegt bei rund 28 Millionen Euro. Sowohl Budget als auch Eröffnungstermin werde man einhalten, sagte Wolfgang Thierse.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.