Rigider Sparkurs Waz-Gruppe plant Verzicht auf dpa-Nachrichten

Die Waz-Gruppe, zu der viele Tages- und Wochenzeitungen gehören, will einem Bericht zufolge künftig keine Nachrichten von der Deutschen Presse-Agentur mehr beziehen. Der Essener Medienkonzern muss sparen - für dpa könnte das weitreichende Konsequenzen haben.


Berlin - Noch bis Ende Dezember laufen die Verträge, dann soll Schluss sein: Wie "Welt Online" aus Unternehmenskreisen erfahren haben will, plant die Waz-Zeitungsgruppe, Deutschlands größter Regionalzeitungsverbund, in Zukunft auf den Basisdienst der größten deutschen Nachrichtenagentur dpa zu verzichten.

Waz-Gruppe in Essen: Harter Sparkurs
DPA

Waz-Gruppe in Essen: Harter Sparkurs

Intern werde über ein Volumen von rund vier Millionen Euro gesprochen, das durch eine Beendigung der Beziehungen zur Deutschen Presse-Agentur eingespart werden könnte, so der Bericht weiter. Derzeit werde geprüft, ob auch auf die dpa-Bilderdienste oder kleinere Nachrichtenmodule verzichtet werden soll.

Waz-Unternehmenssprecher Paul Binder wollte den "Welt"-Artikel gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht kommentieren. Die Essener Waz-Gruppe verlegt unter anderem die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung", die "Neue Ruhr Zeitung", die "Westfalenpost" sowie die "Westfälische Rundschau". Insgesamt erzielen alle Waz-Produkte, rund 33 Tages- und 18-Wochenzeitungen, eine Auflage von rund vier Millionen Exemplaren.

Für die dpa könnte der Waz-Ausstieg gravierende Einschnitte bedeuten: Das Unternehmen gehört den deutschen Verlagen. Die anderen Medienhäuser müssten die ausbleibenden Zahlungen entweder übernehmen oder die dpa ihren Dienst den geringeren Umsätzen anpassen. Laut "Welt Online" könnten dann auch Stellen wegfallen. Die Nachrichtenagentur war für eine Stellungnahme gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht zu erreichen. Der dpa-Basisdienst gilt in deutschen Redaktionen als Nachrichten-Grundversorgung.

Die Waz-Gruppe hat sich offenbar ein rigides Sparprogramm verordnet, durch das möglicherweise mehrere hundert Stellen wegfallen könnten. "Die Lage ist dramatischer als sie je war", hatte Geschäftsführer Bodo Hombach laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" in der vergangenen Woche gegenüber Vertretern des WAZ-Betriebsrats gesagt. Allein bei den vier Ruhrgebiets-Zeitungen der Gruppe müssten deshalb "30 Millionen Euro an Sach- und Personalkosten eingespart" werden.

ber



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