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10. September 2019, 16:43 Uhr

Foto-Revolutionär

Robert Frank ist tot

Er prägte die Nachkriegsästhetik und brachte die Rolling Stones gegen sich auf. Der Fotograf und Filmemacher Robert Frank ist gestorben - kurz vor der Eröffnung einer Ausstellung in Berlin.

Er galt als einer der einflussreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts: Robert Frank ist tot. Frank sei am Montag im Alter von 94 Jahren in der kanadischen Stadt Inverness gestorben, berichtet die "New York Times" unter Berufung auf Vertreter seiner Galerie in New York. Der vielfach ausgezeichnete Frank war zweimal verheiratet und hatte zwei Kinder.

1924 in Zürich geboren, kam Frank als junger Mann in die USA und fotografierte bei seinen Reisen durch das Land die Menschen auf völlig neue Art und Weise: spontan, unverstellt, schwarz-weiß, dokumentarisch. Sein daraus entstandenes Fotobuch "The Americans" wurde zum Klassiker, Frank revolutionierte hier die Ästhetik der Nachkriegsfotografie: Schräge Einstellungen, angeschnittene Figuren und Bewegungsunschärfen waren ein bis dahin nicht dagewesener Stil.

Für diese Reihe hatte Robert Frank zwischen der amerikanischen Ost- und Westküste tausende Kilometer zurückgelegt und dabei fast 30.000 Aufnahmen gemacht. 83 davon schafften es in die Publikation, für die Jack Kerouac 1959 eine Einleitung schrieb, eine "Mischung aus Tagebuch, Gesellschaftsporträt und Roadmovie", so formuliert es das Berliner Ausstellungshaus C/O Berlin.

Denn Franks Tod fällt mit einer neuen Werkschau zusammen, die dort am 12. September eröffnet wird. Die Ausstellung "Unseen" zeigt seine Schweizer Zeit, Reisen durch Europa, unveröffentlichte Aufnahmen aus den USA und Klassiker aus "The Americans" - als Kontaktbögen, in Erstausgaben und Vintageprints aus dem Frühwerk.

Ab den Sechzigerjahren machte Robert Frank auch Filme, die er unabhängig und ohne Budget produzierte, sodass er manchen als Erfinder des Independent-Films gilt. Die Rolling Stones beauftragten ihn mit einem Dokumentarfilm über eine Tournee, doch auch hier behielt Robert Frank eine ganz eigene Sichtweise: Er zeigte die Stones nicht nur im Drogenrausch und Tourstress, sondern auch dekadent, angeödet und wenig glamourös. Der entstandene Film "Cocksucker Blues" gefiel den Bandmitgliedern nicht, er durfte nur wenige Male gezeigt werden.

cpa/dpa

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