Rockfotografie-Schau in Essen Posen müssen passen

Was machte Jimi Hendrix zu einer Rock-Ikone? Seine Musik, seine Show, sein Leben - oder der Moment, als seine Gitarre brannte und Ed Caraeff auf den Auslöser drückte? Solche Fragen stellen sich bei "A Star is Born", einer Ausstellung über "Fotografie und Rock seit Elvis" im Museum Folkwang.

Zu den gefürchtetsten Sätzen, die hoffnungsvolle junge Musiker in Plattenfirmenbüros zu hören bekommen können, zählt - neben "Ich höre keine Single" und "Habt ihr schon man über einen anderen Produzenten nachgedacht?" - auch: "Wir brauchen eine Optik". So ziehen dann nette Studententypen Grimassen, als müssten sie in South Central L.A. eine Gang-Aufnahmeprüfung bestehen. Langhaarige Typen, die nicht zuletzt Musiker geworden sind, weil sie als Sportmuffel Außenseiter in ihrer Klasse waren, springen übereuphorisch von Mauern. Und das Budget für den namhaften Fotografen haut gewaltig in den vom Label gezahlten Vorschuss rein. Früher, als noch Papierabzüge verschickt wurden, gab es in jeder Musikredaktion eine Schublade mit den schlimmsten Bandfotos, die in stillen Stunden zur Erheiterung hervorgeholt wurden.

Wie es aussieht, wenn Posen und Personen zusammenpassen, ist derzeit im Essener Museum Folkwang zu sehen. Bis zum 10. Oktober 2010 präsentiert das neue Ausstellungshaus eine Schau mit 300 Exponaten der Rock- und Popfotografie seit 60 Jahren, "seit Elvis" also, wie der Untertitel lautet. Dort ist zu bestaunen, wie die Rolling Stones schon bei ihren ersten Fotosession mit Philip Townsend an einem kalten Tag im Jahre 1963 bloß in dunklen Mänteln auf einer Themse-Mauer sitzen und mit ernsten Gesichtern in die Kamera schauen brauchen - und doch sofort herausstechen: Pop galt in den frühen Sechzigern noch als Teil der leichten Muse, die Musiker hatten verbindlich zu lächeln. Diese fünf Typen aber machten klar, das sie ihr Ding machen würden - und nur dann lächeln, wenn es ihnen passt.

Der Haupttitel der Essener Schau lautet "A Star Is Born" und zielt damit weniger auf die Inszenierung als vielmehr auf den glücklichen Moment: Jimi Hendrix lässt beim Monterey Pop Festival seine Gitarre brennen - und der Fotograf Ed Caraeff ist da und hält es fest. Manche der Künstler, die im Museum Folkwang mit ihren Werken vertreten sind, waren Modefotografen wie Richard Avedon, oder Sportfotografen wie George Kalinsky. Mit einem Schnappschuss von Mick Jagger und seiner damaligen Frau Jerry Hall im New Yorker Club "Limelight" 1984 ist Ron Galella dabei. Alles Leute, die wissen, wie wichtig die schnelle Reaktion in der richtigen Situation ist, um ein Foto zu schaffen, das für die Ewigkeit wirkt.

Sogar Essener Lokalhelden sind dabei

Doch darf man nicht glauben, dass die Erschaffung solcher Momente komplett vom Zufall abhängt: Heute haben Bands wie R.E.M. einen Haus- und Hof-Fotografen, um so auch die intimen Momente auf einer monatelangen Welttournee angemessen in Szene setzen zu können. Und Anton Corbijn ist mit seiner engen Beziehung zu U2, Depeche Mode und Herbert Grönemeyer nicht nur prägend für deren Image, sondern wurde durch diese langjährigen Verbindungen selbst über Kennerkreise hinaus bekannt. Doch das Phänomen des Stammfotografen gab es schon in den Sechzigern: Bruce Fleming begleitete Jimi Hendrix regelmäßig in den Jahren 1967/68. Und auch das scheinbar beiläufige Herumsitzen der Rolling Stones am Themseufer hatte sich deren Manager Andrew Loog Oldham vorher genau überlegt.

Die Stones zählen wie die Beatles und Elvis Presley zu den Künstlern, die bei der Ausstellung über die vielen Jahre ihres Schaffens begleitet werden, mit allen Imagewandlungen, die sie durchgemacht haben. Doch nicht nur die alten Meister, sondern auch gegenwärtige Stars wie Franz Ferdinand, die Arctic Monkeys oder Coldplay sind zu sehen. Erfreulich: Auch der Underground kommt nicht zu kurz, der Hardcore-Spezialist Edward Colver ist vertreten, an die wilden Jahre der Einstürzenden Neubauten im West-Berlin der achtziger Jahre wird erinnert. Und mit der Metal-Band Kreator sind sogar Essener Lokalhelden dabei.

Die Kuratorin der Ausstellung, Ute Eskildsen, Leiterin der Fotografischen Sammlung des Museums Folkwang, glaubt, dass in der Rockfotografie "eine Ära zu Ende geht". Im Zuge der Selbstvermarktung junger Musiker im Internet verliere sie an Bedeutung. Doch nimmt man einen der spektakulärsten Popstars unserer Zeit, Lady Gaga, so sind es zwar vor allem die millionenfach bei YouTube abgefragten Videos, die ihr Image prägen - doch auch ihr "Rolling Stone"-Coverfoto in einem kuriosen Blubberblasen-Kleid, fotografiert von David LaChapelle, sorgte für Aufsehen.

Mit Material von ddp

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