Roger Schawinski Der Sat.1-Sonnyboy dankt ab

Roger Schawinski verlässt Sat.1. Er gilt als "Pop-Unternehmer" und steht für Quotenerfolge wie "Verliebt in Berlin". Aber auch Flops wie die Show "Kämpf um deine Frau" fallen in seine Amtszeit.


Berlin - Die Entscheidung kommt für die Öffentlichkeit mindestens so überraschend wie seinerzeit die Berufung zum Geschäftsführer. Angeblich habe der ProSiebenSat.1-Mehrheitseigner Haim Saban alles gegeben, Schawinski zu halten. Doch der habe über das Ende seines Vertrags im Frühsommer 2007 hinaus nicht mehr gewollt.

Noch-Sat.1-Chef Schawinski: Zwischen Pop und Pleiten
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Noch-Sat.1-Chef Schawinski: Zwischen Pop und Pleiten

Schawinski selbst sorgte vor und band seinen Nachfolger, den bisherigen stellvertretenden Geschäftsführer und Unterhaltungschef Matthias Alberti, in den vergangenen Wochen bereits in wichtige Entscheidungen ein.

Schawinski steht für Sat.1-Erfolge - die preisgekrönte Improvisations-Comedy "Schillerstraße" zum Beispiel, das für den Deutschen Fernsehpreis nominierte Doku-Drama "Die Luftbrücke" und die Telenovela "Verliebt in Berlin". Er sollte dem Sender ein "provokanteres Profil" und den Zuschauern einen "überraschenderen" Sender geben. Zumindest in punkto Überraschung ging es sofort los: Nur vier Tage nach Schawinskis Start schmiss Sender-Zugpferd Harald Schmidt ohne Vorwarnung hin. Nachfolgerin Anke Engelke erfüllte nicht die Erwartungen.

Auch andere Projekte, die in Schawinskis Amtzeit fielen, blieben erfolglos: Fast vergessen die mittägliche Sendung "Klatsch TV" mit der einstigen Partyqueen Jenny Elvers-Elbertzhagen, ebenso die krude Ehe-Show "Kämpf um deine Frau!" mit Andrea Kiewel. Stets aber stand Schawinski zu seinen Entscheidungen und verteidigte seine Stars bis zur letzten Minute.

Seine journalistische Laufbahn begann der aus kleinen Verhältnissen stammende Schawinski in den sechziger Jahren. Er war Moderator beim staatlichen Schweizer Fernsehen, bevor er sich erstmals an ein eigenes Projekt wagte: den Piratensender Radio 24. Mit dessen Gründung in den siebziger Jahren machte sich Schawinski laut Zürcher "Tages-Anzeiger" "zur ersten Popfigur der Schweizer Medienszene" - und zum Millionär. Dann hob er mehrere Magazine und Rundfunksender aus der Taufe.

Das Image des Pop-Unternehmers, der auf Euphorie durch Arbeit setzt, prägt den mittlerweile 60-Jährigen bis heute. Meist braun gebrannt lässt sich der dreifache Familienvater und Marathonläufer gern auf Galas, Empfängen und Medienevents blicken.

Schon vor einem Jahr habe er eigentlich aufhören wollen, erklärte er. Ob er noch einmal ein Medienprojekt stemmen wird, ließ Schawinski offen. Er kündigte lediglich "neue berufliche Pläne" an. Für die ProSiebenSat.1-Gruppe soll er künftig als Berater fungieren.

Christina Denz, ddp



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