Theater-Star Rolf Boysen ist tot

Als King Lear feierte er große Erfolge. Er verkörperte auch Othello, stand als Nathan der Weise auf der Bühne oder als Shylock in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig". Nun ist der Schauspieler Rolf Boysen im Alter von 94 Jahren gestorben.

DPA

München - Die Schauspielerei war für Rolf Boysen am Anfang nur ein Spaß, "Jux und Tollerei". Dann nahm das Metier eine größere Rolle in dem Leben des gebürtigen Flensburgers ein. Er drang in das Eigenleben der Figuren vor, wollte sie so glaubwürdig wie möglich darstellen. "Man trägt Verantwortung, jawohl, Verantwortung auch für das, was der Autor geschrieben hat; man muss versuchen herauszufinden, was der Kern eines Textes, einer Rolle ist", sagte Boysen.

Er spielte antike Dramen, Shakespeare, deutsche Klassiker und zeitgenössische Stücke. Er war als King Lear zu sehen, als Nathan der Weise, als Shylock in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig". Im Fernsehen wurde Boysen in der Hauptrolle einer Wallenstein-Inszenierung bekannt. Viele kennen Boysens Stimme als Erzähler in der Achtzigerjahre-TV-Serie "Per Anhalter durch die Galaxis". In seinen letzten Jahren unter Dieter Dorn am Residenztheater las er mehrere große Epen, darunter Homers "Ilias".

"Ich finde, ein Mensch, der noch kein Theater gesehen hat, müsste verzweifeln", sagte Boysen einmal in einem Interview des Bayerischen Rundfunks (BR). "Schade, da gibt es ein großes Manko in ihrem Leben."

Das Bundesverdienstkreuz im Jahr 2009

Noch mit über 90 Jahren war er - "ohne jede Einschränkung", wie er damals betonte - Mitglied des Bayerischen Staatsschauspiels. Für seine Schauspielkunst hat er unter anderem den kulturellen Ehrenpreis der Stadt München erhalten und den Bayerischen Theaterpreis für sein Lebenswerk. Im Jahr 2009 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Auf die Frage, worauf es ankomme, wenn er einen Text erarbeite, sagte Boysen: "Auf inneres Feuer."

Dabei hatte seine Karriere zunächst einen anderen Weg eingeschlagen. Boysen, 1920 in Flensburg geboren und in Hamburg aufgewachsen, begann eine kaufmännische Ausbildung, bevor er sich für die Schauspielerei entschied. "Ich habe zu dieser Materie einfach kein Verhältnis", erinnert er sich an seine kurze Zeit als Kaufmann. "Ich habe das wirklich nicht begriffen. Es hat mich auch überhaupt nicht interessiert."

Sein erstes Engagement erhielt Boysen 1946 in Dortmund, danach führte ihn seine Arbeit durch die Republik und auch nach Österreich. Stationen waren neben München und Hamburg Kiel, Hannover, Berlin, Düsseldorf, Bochum und Wien. Seit 2001 war er Ensemblemitglied am Bayerischen Staatsschauspiel.

Berührend war seine letzte Lesung in der Intendanz Dorn im Juni 2011, kurz vor dem Abschied des Intendanten, der ihn mit Tränen in den Augen umarmte. Heinrich von Kleists "Über das Marionettentheater" hatte er sich damals ausgesucht für das Ende einer Theaterära - und Briefe des Dichters vorgelesen, die dieser kurz vor seinem Freitod geschrieben hatte.

"Theater spielen hält lebendig", sagte Boysen, der seine Kunst selbst in seinem 1997 erschienenen Buch "Nachdenken über Theater" eher nüchtern und bescheiden sah: "Wir bauen an jedem Abend wieder neu. Und wenn der Vorhang zugeht, ist es wieder aus."

Am Freitag starb der Schauspieler im Alter von 94 Jahren in München.

kha/dpa



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