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Rothaarige Männer: Harry, Simply Red und Robert Redford

Foto: POOL/ REUTERS

Flirtfaktor Haarfarbe Bekenntnisse eines Rothaarigen

Finden Frauen rothaarige Männer seltsam? Oder besonders sexy? Gelten sie als brave Deppen, gar als sommersprossige Freaks? Maximilian Rau ist selbst ein Rotschopf. Früher hat er es gehasst.

Vor ein paar Wochen sprach mich eine schöne junge Frau in einem Café an. Sie kam aus Südafrika, hatte Dreadlocks und machte in Hamburg Urlaub. Ich fühlte mich geschmeichelt, war aber auch irritiert, denn sie sagte: "Ihr seid wie Einhörner, in 60 Jahren gibt es euch nicht mehr." Da war es wieder, dieses Besonderssein. Das hatte meine Mutter schon immer zu mir gesagt, als ich noch ein Kind war und einfach nur so sein wollte wie alle anderen - und kein rothaariges Einhorn.

Ich erinnere mich an eine Klassenfahrt, ich war 13. Mithilfe einiger Freunde versuchte ich, meine Haare blond zu färben. Weil ich schlechte Erfahrungen von einer Faschingsfeier hatte - dank Instant-Schwarz hatte ich in Kombination mit meiner blassen Haut ausgesehen wie ein Gothic-Jünger - testeten wir die Farbe vorsichtshalber nur an einer Stelle. Statt blond wurde mein Haar noch roter. Vielleicht begann ich damals, stolz auf mein Rot zu sein.

Als Kind und Jugendlicher mit roten Haaren hat man es nicht immer leicht - nicht ohne Grund gibt es Websites mit Titeln wie "How to be a Redhead". Wie alle Menschen, die nicht der Mehrheitsnorm entsprechen, wird man gehänselt: Karottenkopf, Tomate, Feuermelder und immer wieder Pumuckl. Zum frechen Kobold von Meister Eder habe ich bis heute ein ambivalentes Verhältnis. Auf der einen Seite war er einer der sehr wenigen einigermaßen coolen rothaarigen Charaktere im Fernsehen; andererseits nannten mich Wildfremde so.

Meine Freunde finden mich immer!

Als ich vor einigen Jahren zum Karneval nach Köln wollte, konnte ich mich nicht für ein Kostüm entscheiden. Eine Freundin schlug enthusiastisch vor: "Geh' doch als Pumuckl." Ich wollte das partout nicht. Das verstand sie erst, als wir später einmal gemeinsam ein Konzert besuchten und mir ein paar Halbstarke "Pumuckl" hinterherriefen.

Viel schlimmer leiden müssen meine Haarfarbgenossen jedoch in England. Dort werden gingers, vor allem Kinder, wegen ihrer Haarfarbe gemobbt, manchmal auch verprügelt. Bekannt ist der Fall einer komplett rothaarigen Familie, die so terrorisiert wurde, dass sie mehrfach umziehen musste. Dass dieser ginger-Hass tatsächlich ein gesellschaftliches Thema ist, zeigt sich auch daran, dass es eine "South Park"-Folge mit dem Namen "Ginger Kids" gibt (sehr empfehlenswert übrigens!).

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Fotograf Thomas Knights: Rote Haare, heiße Typen

Foto: Thomas Knights

Ich selbst hatte, das muss ich sagen, bis auf wenige Ausnahmen Glück. Auf dem Gymnasium wurde ich wegen meiner Haare eigentlich nie gehänselt. Dennoch: Mein Rotschopf konnte durchaus ein Nachteil sein, der Wiedererkennungswert ist doch sehr hoch. Unauffällig abtauchen, wenn man mal die Hausaufgaben nicht erledigt hatte? Schwierig. Natürlich kann das auch ein Vorteil sein: Als wir den kleinen Bruder einer Freundin 2006 auf der Fanmeile in Berlin verloren hatten, fand er uns problemlos wieder - "weil ich deine Haare gesehen habe." Und wenn wir uns mit Freunden im Park zum Grillen oder Chillen treffen, wissen die Nachzügler dank meines Leuchtfeuers meist schnell, wo wir sind.

Rothaarige halten zusammen

Ist ja auch einfach, uns zu finden, schließlich sind Schätzungen zufolge nur zwei bis drei Prozent der Bevölkerung rothaarig. Womöglich gibt es genau deshalb einen stillen Zusammenhalt unter uns, ein unausgesprochenes Bündnis. Begegnen wir uns auf der Straße, schauen wir uns länger in die Augen, als wir das bei Nicht-Rothaarigen tun. Ein nonverbaler Gruß, der sagt: "Ich mag Dich, Du bist cool!" So etwas kennen blonde oder braunhaarige Menschen sicherlich nicht.

Etwas nervig kann die Sache im Sommer sein, wenn die Sonne stark scheint. Wegen unserer empfindlichen Haut müssen wir uns ständig eincremen und selbst mit Lichtschutzfaktor 50 sollten wir besser im Schatten sitzen, während sich alle anderen bräunen. Mein Zahnarzt tröstete mich bei meiner letzten Kontrolluntersuchung damit, dass wir im Gegenzug nur wenig Sonne brauchen, um viel Vitamin D aufzunehmen und dadurch unser Osteoporose-Risiko sinkt, wir sind also auch medizinisch betrachtet ganz schön harte Knochen.

Wie also fühlt man sich so als rothaariger Mann? Ziemlich gut, schließlich sind wir ja etwas Besonders! Im Gegensatz zu dem Fotografen Thomas Knights (siehe auch Fotostrecke) finde ich auch nicht, dass wir ein Imageproblem haben. Und dass Frauen uns nicht sexy finden, kann zumindest ich nicht bestätigen.

Ein rothaariger Bond wäre trotzdem ziemlich cool.

Und hier noch ein paar interessante Fakten zu Rothaarigen:

  • Wir haben rote Haare aufgrund einer Mutation des Gens MC1R
  • Wir reagieren empfindlicher auf Hitze und Kälte. Dafür macht uns Druckschmerz weniger aus
  • Wir bekommen leichter blaue Flecken
  • Unsere Haare werden später grau
  • Es ist schwieriger, rote Haare zu färben
  • Wir haben weniger Haare als andere, dafür sind sie viel dicker

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Foto: Saima Altunkaya

Maximilian Rau hat rote Haare und ist Sportredakteur bei SPIEGEL ONLINE.

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