RTL-"Dschungelcamp" Der unwiderstehliche Charme des Herrn Schwanz

Ein junger Mann namens Nico Schwanz zieht ins "Dschungelcamp". Keiner kennt ihn. Doch das ist den abgefeimten RTL-Strategen egal - denn offensichtlich setzen sie auf die spielerische Kraft des Nachnamens. SPIEGEL ONLINE stellt Ihnen schon mal die Schlagzeilen von morgen vor.

Kennt man ja, diese Schulhofscherze. Ein Name wie Wilma Poppen sorgt gern mal für fiebriges Gekicher unter sexualnotständigen Pubertierenden, während ein Klassiker wie Axel Schweiß eher derbe Freunde der Fäkal-Fraktion amüsiert.

Sind also schon ausgemachte Schlingel, die Macher des mittlerweile vierten RTL-"Dschungelcamps" (offiziell: "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!"). Als PR-Schachzug in quasi allerletzter Minute gaben sie nämlich den Einzug eines Mannes in ihre D-Promi-Reha-Anstalt bekannt, der allein kraft seines Nachnamens noch bei jedem, der über die Show reden oder schreiben wird, den Hormonhaushalt durchgehen lassen und so für entsprechendes Bohei sorgen wird.

Nico Schwanz, 28, Dressman mit einer Ausbildung zum Glaser, Maler und Trockenbauer, jetzt Friseur, wurde im Jahre 2003 in Guatemala "Mr. Model of the World". Ein feiner Titel ist das, der dem blauäugigen Blondschopf aus dem thüringischen Städtchen Apolda aber augenscheinlich nicht jenes Geld und Glück gebracht hat, das er sich wohl erhofft hatte.

Denn Herr Schwanz betreibt eine ostdeutsche Adaption dessen, was bei Loriot die "Herrenbutike in Wuppertal" des Lottogewinners Erwin Lindemann war: einen Beauty-Salon in Jena.

Vermutlich kommt dem Schönheitsunternehmer der Abstieg in RTLs Fegefeuer des Fäkalfernsehens also recht gelegen, verspricht er doch ein wenig Ruhm und ein wenig Geld. Und auch sonst scheint das Ganze ja so seine Annehmlichkeiten zu haben. Als jedenfalls der Kandidaten-Jet in Australien landete, war Herr Schwanz etwas alkoholisiert und ließ sich in der "Bild", ganz lebensfroh, mit den Worten zitieren: "Da ich jetzt kein Model-Shooting hab, genieße ich das Leben."

Wie auch immer - sicher ist, dass Herr Schwanz in den kommenden Wochen für gefühlte 637.534.398 Namensspiele sorgen wird, die jeden Schulhof erbeben lassen würden.

Sind erst einmal die ersten Folgen des "Dschungelcamps" gelaufen, und die Kuppel-Auguren richtig heiß, kann die große Schwanz-Parade der Wortferkeleien beginnen mit: "Wer schnappt sich Schwanz?" Zur Auswahl stehen: Giulia Siegel, 34, Christina "Mausi" Lugner, 40, Lorielle London, 27, Gundis Zámbó, 42 und Ingrid van Bergen, 77. Alsbald dürfte sich auch ein "Zickenkrieg um Schwanz" entzünden.

Da der aber besagte Damen ja nicht alle haben kann, er also Avancen zurückweisen wird, dürfte es sehr bald lauten: "Beweist Stehvermögen!". Zur Wahl steht auch das unvermeidliche "Bleibt hart!". Beide Varianten funktionieren selbstredend auch für den Fall, dass sich Herr Schwanz als Camp-Casanova erweist. Sollte der junge Mann jedoch gänzlich liebesunwillig sein und den rechten Mut vermissen lassen, drängt sich auf: "Ohne Eier!"

Letztere Variante ist jederzeit einsetzbar, sollte Herr Schwanz bei einer der sogenannten Dschungelprüfungen versagen. Dazu zählen, das zeigen vorige Staffeln, exotische Ess-Experimente, etwa mit Maden oder Känguru-Hoden.

Und so bietet auch die Kulinarik ein reizvolles Wortspielfeld, wobei "Herr Schwanz schluckt Hoden" ja etwas billig wäre, von diversen Variationen mit einschlägig konnotierten Verben und Adjektiven mal ganz zu schweigen. Schöner wäre da doch ein mutiges "Hmmmm....lecker! Kakerlaken-Schwanz-Suppe!"

Derlei Schlagzeilen hängen natürlich nur von einer PR-sensitiven Menü-Planung für die Dschungelcamper ab, RTL wird's schon richten. Eher feuilletonistisch verspielt ginge ja auch, etwa mit: "Da beißt der Schwanz in die Katze!" Und auch am Alkoholexzess sollte kein Weg vorbeiführen. Wer möchte schon auf "Schwanz total breit!" verzichten?

Sollte sich Herr Schwanz wider Erwarten als Langweiler erweisen, könnte der Boulevard vehement einfordern: "Zieht den Schwanz ein!" Und ist er dann erst einmal raus aus dem Camp, liegt lakonisch Resümierendes wie "Schwanz macht schlapp" oder "Schlapp-Schwanz!" nahe.

Sollte sich Herr Schwanz allerdings in der Konkurrenz durchsetzen, böte sich die pubertäre Abwandlung des Titels eines populären Fünfziger-Jahre-Films an: "Kleiner Schwanz ganz groß!". Kulturgeschichtlich Versierte dürften sich dagegen für eine Abwandlung eines Märchenstitels der Brüder Grimm entscheiden: "Schwanz im Glück".

Weitere Vorschläge nicht erbeten, Schwänzen der Show empfohlen.

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