Russland Chefredakteur wegen Anti-Putin-Fotos gefeuert

Der Stimmzettel trug ein Kreuz bei der liberalen Jabloko-Partei, aber der Wähler hatte auch "Putin, fick dich" draufgekritzelt - die Veröffentlichung dieses Fotos brachte den Verlagsbesitzer dazu, den Chefredakteur der renommierten Zeitschrift "Kommersant-Wlast" zu entlassen. Der bereut nichts.

kommersant

"Public Enemy Number One" steht auf einem Graffiti unter einem Bild von Wladimir Putin. Das Foto ist der Aufmacher eines Artikels in dem Wochenmagazin "Kommersant-Wlast" über die russischen Parlamentswahlen vom 4. Dezember, hier im Speziellen über ein Wahllokal für Exil-Russen in London. Zu sehen ist auch ein Stimmzettel, auf den ein Wähler mit rotem Stift unflätige Schimpfworte gegen Putin geschrieben hatte. Die Veröffentlichung dieses Bildes hat nun den Chefredakteur der Zeitschrift seinen Job gekostet.

Nach kritischen Berichten über Fälschungsvorwürfe bei der russischen Parlamentswahl sind die Leiter des renommierten Magazins "Kommersant-Wlast" gefeuert worden. Vor allem wegen des "ethisch fragwürdigen" Bildes mit dem bekritzelten Stimmzettel seien Chefredakteur Maxim Kowalski und der Leiter der Media-Holding "Kommersant", Andrej Galijew, entlassen worden, teilte der Verlag am Dienstag nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau mit. Auch Verlagschef Demjan Kudrjawtsew bot seinen Rücktritt an.

Hauptaktionär Alischer Usmanow nannte die Berichterstattung "nicht hinnehmbar". Der Inhalt der Ausgabe grenze an "Rowdytum", sagte der oft als kremlnah bezeichnete Metallmagnat, der die Verlagsgruppe Kommersant 2006 gekauft hatte. Usmanow ist auch Anteilseigner des Londoner Fußballclubs FC Arsenal und einer der zehn reichsten Männer Russlands.

Vizechefredakteurin Veronika Kutsylo wies den Vorwurf des Rowdytums zurück. "Das Foto war ein Zitat. Wir gebrauchen keine Vulgärsprache", sagte sie dem Radiosender Echo Moskwy. Der Chef des Journalistenverbands, Wsewolod Bogdanow, warf Usmanow "Zensur" vor.

Der geschasste Chefredakteur Kowalski sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Der Grund ist die Sonderausgabe zu den Wahlen." Wiederholt hatte "Kommersant-Wlast" mit kritischen Berichten und Fotos für Aufmerksamkeit gesorgt. Die Ausgabe vom 12. Dezember trug die Titelzeile "Wie die Wahlen gefälscht wurden". "Ich habe absolut bewusst gehandelt", sagte Kowalski, "und ich glaube, das Richtige getan zu haben."

Die Erschütterungen in dem Verlagshaus folgen auf Proteste von Zehntausenden Russen gegen mutmaßliche Wahlfälschungen.

feb/dpa/Reuters



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
wika 13.12.2011
1. Wo bitte ist denn jetzt der Unterschied …
… wenn in Russland der Eigentümer eines Blattes seinen Einfluss geltend macht um bestimmte Meinungen (sei es auch Übertreibungen) nicht sehen zu wollen und dem was auch hier passiert wenn die Eigentümer der Medien Vorgaben bezüglich der Inhalte machen? Mag sein, dass man hier noch etwas feinfüliger und verdeckter vorgeht, aber im Endeffekt ist es doch ein ähnliches Spiel: Die Mär von der Vierten Gewalt, die fünfte Macht(s) (http://qpress.de/2011/05/21/die-mar-von-der-vierten-gewalt-die-funfte-machts/) … belegt nur einmal mehr wessen Spielball auch unsere angebliche Meinungsfreiheit ist. Will damit sagen, wir hätten genug zu tun den Balken vor den eigenen Augen zu zerkleinern, bevor wir uns mitfühlend um den Dorn im Auge des Nachbarn bemühen. Das Spiel ist hier wie dort das gleiche.
huberwin 13.12.2011
2. Das macht doch Mr. Murdoch dauernd
und die bilzeitung und, und, und reine medienmeinungsmache die nicht nur auf totalitäre Staaten begrenzt ist. Insofern bin ich froh übers Internet...darf nur nicht von Guttenberg undCo reglementiert werden.
DerNachfrager 13.12.2011
3.
Wieso ? Der Putin is' doch ein lupenreiner Demokrat. Hatter Schröder gesacht !
nesmo 14.12.2011
4. Der Unterschied
Zitat von wika… wenn in Russland der Eigentümer eines Blattes seinen Einfluss geltend macht um bestimmte Meinungen (sei es auch Übertreibungen) nicht sehen zu wollen und dem was auch hier passiert wenn die Eigentümer der Medien Vorgaben bezüglich der Inhalte machen? Mag sein, dass man hier noch etwas feinfüliger und verdeckter vorgeht, aber im Endeffekt ist es doch ein ähnliches Spiel: Die Mär von der Vierten Gewalt, die fünfte Macht(s) (http://qpress.de/2011/05/21/die-mar-von-der-vierten-gewalt-die-funfte-machts/) … belegt nur einmal mehr wessen Spielball auch unsere angebliche Meinungsfreiheit ist. Will damit sagen, wir hätten genug zu tun den Balken vor den eigenen Augen zu zerkleinern, bevor wir uns mitfühlend um den Dorn im Auge des Nachbarn bemühen. Das Spiel ist hier wie dort das gleiche.
ist gewaltig und besteht darin,dass dieser Redakteur sich gegen diktatorische Wahlfälschungen wendet und d a b e i eine Vulgärsprache z i t i e r t e. Sein Rauswurf ist der Balken und nicht der Dorn. Die große Bedeutung der 4. Gewalt wurde grade in Nordafrika erkennbar, diese Revolution funktionierte nur dank freier Medien. Nur staatlich-russische Propaganda möchte dies kleinreden
kushi 14.12.2011
5. vertreten
Zitat von sysopDer Stimmzettel trug ein Kreuz bei der liberalen Jabloko-Partei, aber der Wähler hatte auch "Putin, fick dich" draufgekritzelt*- die Veröffentlichung dieses Fotos brachte den Verlagsbesitzer dazu, den Chefredakteur der renommierten Zeitschrift "Kommersant-Wlada" zu entlassen.*Der bereut nichts. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,803407,00.html
Die 37 größten Feinde der Pressefreiheit Die Medien haben Feinde, und sie alle haben ein Gesicht. Reporter ohne Grenzen führt sie der Welt alljährlich zum 3. Mai, dem Internationalen Tag der Pressefreiheit, vor Augen. Unter ihnen sind Staatspräsidenten, Minister, Könige, Guerillaführer und Bosse von kriminellen Organisationen. Jeder von ihnen besitzt die Macht, Journalisten ins Gefängnis zu werfen, zu entführen, zu foltern, ja manchmal zu ermorden. Dank ihrer Position können sie für ihre Menschenrechtsverletzungen in der Regel nie bestraft und nicht einmal angeklagt werden. Gegen dieses Unrecht kämpft ROG tagtäglich. Reporter ohne Grenzen: Feinde der Pressefreiheit (http://www.reporter-ohne-grenzen.de/index.php?id=142) Wladimir Putin (http://dyingrussia.files.wordpress.com/2011/11/0_a33d0_b8199d58_orig.jpg) ist seit einigen Jahren auf dieser Liste Stammkunde.
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