Prozess um Star-Regisseur Neues Gutachten entlastet Kirill Serebrennikow

Das umstrittene Untreue-Verfahren gegen den Kreml-kritischen Regisseur Kirill Serebrennikow nimmt eine überraschende Wendung: Sachverständige legten ein Gutachten mit entlastenden Ergebnissen vor.

Kirill Serebrennikow bei Gerichtsverhandlung in Moskau
YURI KOCHETKOV/ EPA-EFE/ REX

Kirill Serebrennikow bei Gerichtsverhandlung in Moskau


Neuer Lichtblick für den von der russischen Justiz in einem umstrittenen Prozess verfolgten Moskauer Starregisseur Kirill Serebrennikow: Eine vom Gericht in Auftrag gegebene zweite Expertise entlastet den Künstler und sein Team vom Vorwurf, staatliche Zuschüsse in Millionenhöhe veruntreut zu haben. Das sagte Serebrennikows Anwalt Dmitrij Charitonow am Freitag.

An dem Vorgehen gegen den international renommierten Filme-, Theater- und Opernmacher hatte es weltweit Kritik gegeben. Die Anklage gegen den zuletzt auch an den Opern in Stuttgart und Hamburg gefeierten Künstler gilt als politisch motiviert.

Das neue Sachverständigen-Gutachten ergab, dass Serebrennikows Theaterprojekt deutlich mehr gekostet habe als die bereitgestellten Fördergelder. Die Richterin stellte zudem fest, dass die Umsetzung des Projekts ein bedeutendes kulturelles Ereignis gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrer Anklage noch behauptet, die Theatermacher hätten das Geld eingestrichen, ohne dafür Aufführungen anzubieten.

Serebrennikows Team hatte diese Anschuldigungen immer wieder als absurd bezeichnet und auf viele ausverkaufte Vorstellungen verwiesen. Die Richterin hatte das zweite Gutachten angefordert und Serebrennikow am 8. April nach etwa anderthalbjährigem Hausarrest gegen Auflagen überraschend auf freien Fuß gesetzt.

Die Verteidigung fordert, das aus ihrer Sicht konstruierte Strafverfahren gegen Serebrennikow und seine Mitarbeiter einzustellen. Der Prozess geht aber weiter. Serebrennikow hat sich mit seinen gesellschaftskritischen Arbeiten immer wieder Gegner zum Beispiel in der einflussreichen russisch-orthodoxen Kirche gemacht. Von der Anklage gab es zunächst keine Reaktion auf das Gutachten.

sku/dpa



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