Tür des Geheimdienstes angezündet Russischer Performancekünstler zu Geldstrafe verurteilt

Er hatte die Tür des russischen Geheimdienstes angezündet. Jetzt ist Pjotr Pawlenski in Moskau nur zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Ein Zeichen der Nachsicht durch die russische Justiz?

AFP

Der für seine provokanten Aktionen bekannte Performance-Künstler Pjotr Pawlenski ist am Mittwoch überraschend einer Gefängnisstrafe entgangen.

Weil er an den Toren des russischen Inlandsgeheimdienstes Feuer legte, verurteilte ihn das Gericht in Moskau zu einer Zahlung von 500.000 Rubel (rund 6800 Euro) und setzte den 32-Jährigen auf freien Fuß.

Pawlenski musste sich seit April wegen "mutwilliger Beschädigung eines Kulturguts" vor Gericht verantworten. Er hatte im vergangenen November die Holztore der FSB-Zentrale "Lubjanka" angezündet, um auf die Machenschaften des Dienstes aufmerksam zu machen. Der FSB ist der Inlandsgeheimdienst in Russland und der direkte Nachfolger des sowjetischen Geheimdienstes KGB.

Viele rechneten damit, dass Pawlenski zu einer Haftstrafe verurteilt werden würde. Am Montag forderte die Staatsanwaltschaft jedoch lediglich eine Geldstrafe in Höhe von umgerechnet 27.000 Euro und die Übernahme der Reparaturkosten für die Tür. Das Gericht ist somit deutlich unter dem geforderten Strafmaß geblieben. Manch einer mag das als Zeichen der Nachsicht durch die russische Justiz sehen. Doch vielleicht wollte das Gericht Pawlenskis Spiel einfach nicht mitspielen.

Denn der Künstler hatte sich keine Nachsicht gewünscht. Sein Anwalt Dmitrij Dinse hatte zu Prozessbeginn zwar die Freilassung des Künstlers verlangt. Pawlenski selbst hatte aber wiederholt seine Verurteilung wegen "Terrorismus" gefordert - in Anspielung auf ein entsprechendes Urteil gegen den ukrainischen Filmemacher Oleh Senzow, der das Büro einer prorussischen Partei auf der Russland eingegliederten Krim-Halbinsel in Brand gesetzt hatte. Insofern wäre eine Verurteilung vielleicht auch Teil der Performance gewesen.

Pawlenski ist bekannt für seine spektakulären und oft blutigen Auftritte: Im Juli 2012 nähte er sich den Mund zu - um damit den verurteilten Mitgliedern von Pussy Riot seine Solidarität zu bezeugen. Im November 2013 ließ er seinen Hodensack auf dem Roten Platz festnageln als Protest gegen "Apathie, politische Gleichgültigkeit und Fatalismus in der russischen Gesellschaft". Und im Oktober 2014 schnitt er sich auf dem Dach einer Psychiatrie in Moskau ein Ohrläppchen ab, um gegen den repressiven russischen Staat aufzubegehren. Der lässt Kritiker gerne in Psychiatrien und geschlossenen Anstalten verschwinden. Nach der Aktion wurde der Künstler selbst in eine Psychiatrie eingeliefert. Dort verbrachte er angeblich 21 Tage.

gia/dpa/afp

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