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28. April 2000, 12:17 Uhr

Russlandreise

Deutschland beharrt auf Beutekunst-Rückgabe

Kulturstaatsminister Michael Naumann (SPD) will vermeiden, dass die von Deutschland und Russland vereinbarte gegenseitige Beutekunst-Rückgabe wie ein Kuhhandel aussieht. Stattdessen bekräftigte er in Moskau noch einmal die Ansprüche auf die Rückführung weiterer Kunstschätze.

Kulturstaatsminister Naumann: "Pragmatik muss möglich sein"
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Kulturstaatsminister Naumann: "Pragmatik muss möglich sein"

Moskau - Der Machtwechsel in Russland habe Hoffnung auf Bewegung in dem seit Jahren festgefahrenen Streit um die im Zweiten Weltkrieg aus Deutschland in die Sowjetunion verschleppten Kunstschätze gebracht, sagte Kulturstaatsminister Michael Naumann am Freitag in Moskau vor Journalisten. Die Bundesregierung setze in der "Beutekunst"-Diskussion auf die "Politik der kleinen Schritte". "Pragmatik muss möglich sein", sagte Naumann weiter.

Naumann und Bremens Bürgermeister Henning Scherf waren am Donnerstagabend nach Moskau gereist. Am Samstag werden sie im Katharinenpalast in St. Petersburg ein in Deutschland aufgetauchtes Mosaik und eine Kommode aus dem legendären Bernsteinzimmer im Beisein des neuen russischen Präsidenten Wladimir Putin zurückgeben. Im Gegenzug erhielten die beiden Politiker am Freitag vom russischen Kulturminister Michail Schwydkoi die Ausfuhrgenehmigung für 101 Zeichnungen und Druckgrafiken der Bremer Kunsthalle, die seit 1993 in der Deutschen Botschaft in Moskau lagern.

"Ansprüche auf Beutekunst": Schmuckstücke aus dem Priamos-Schatz im Moskauer Puschkin-Museum (1996)
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"Ansprüche auf Beutekunst": Schmuckstücke aus dem Priamos-Schatz im Moskauer Puschkin-Museum (1996)

"Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass die Bundesregierung von ihrer Rechtsposition abrückt und die Ansprüche auf die Beutekunst aufgibt", sagte Naumann zu der fast gleichzeitigen gegenseitigen Rückgabe. "Das ist kein Austausch, sondern es handelt sich um zwei unabhängige Rechtsakte." Die Bremer Grafiken fallen nicht unter das umstrittene Beutekunstgesetz der Duma, das die auf Befehl des sowjetischen Militärkommandos aus Deutschland verschleppte Kulturgüter zum Eigentum Russlands erklärt.

Das vom Verfassungsgericht in Bezug auf Deutschland bestätigte Duma-Gesetz sei ein "Stolperstein" für Verhandlungen, nachdem durch die bilateralen Verträge von 1990 und 1992 die Übergabe der Bestände "bereits eingeleitet war", sagte Naumann weiter.

Naumann wird Putin am Samstag zu einem vertraulichen Gespräch in Petersburg treffen. "Ich hoffe klarzumachen, dass die Rückgabe der Kulturgüter mehr als nur eine vertrauensbildende Maßnahme ist", sagte er. Die deutsch-russische Geschichte sei "nicht nur eine Geschichte der Kriege".

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