S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Liebe Frauen, könnt ihr wirklich ohne?

Welche Frau braucht schon die Quote? Welche Frau will denn befördert werden, nur weil das Gesetz es so vorschreibt? Keine. Aber vielleicht gibt es ja doch gute Gründe, der größten Randgruppe der Welt ein wenig beim Aufstieg auf der Karriereleiter zu helfen.

Beruhigen Sie sich, von einer Frauenquote werden Sie nicht belästigt, dafür haben drei unserer Politikerinnen gesorgt, Frau Merkel, Frau Schröder und Frau von der Leyen, die der natürlichen Dominanz der Herren von den führenden Dax-orientierten Unternehmen des Landes folgten, die klar und entschieden den Kopf schüttelten.

Sie gehören zu den Frauen, die durch ihre Leistung überzeugen wollen? Sie sind vermutlich um die 30 und kinderlos? Bleiben Sie es. Sonst wird es ein wenig schwierig, denn sicher haben die Herren in Ihrer Firma nicht daran gedacht, einen Kindergarten einzurichten? Sicher wirft Sie ein Aussetzen aus der Karriereschleife, und mit großer Wahrscheinlichkeit haben Sie keinen Mann, der zu Hause bleibt.

Also kein Kind. Wozu auch, die Welt ist sowieso zu voll. Sie wollen selber zeigen, was Sie drauf haben? Viel Spaß, es wird ein einsamer Weg, denn da gibt es keine Kolleginnen, die Sie fördern würden, weil sie selbst durch eine Quote in die Führungsriege aufgestiegen sind. Da gibt es vielleicht nur eine Frau, die ist müde geworden und ein wenig hart, weil sie jeden Tag mit zwanzig Männern diskutieren musste, sich mit der Sekretärin verwechseln lassen musste, sich blöde Witze anhören musste, und schräge Blicke, denn sie war die Einzige aus einer Randgruppe unter eingebildeten Normalen.

Randgruppe murmeln Sie, ha, wir sind die Hälfte der Welt. Sicher, die Frauen sind die Hälfte der Welt, in der Schweiz durften sie bereits in den siebziger Jahren wählen, in der Werbung bekommen sie gezeigt, dass sie ständig auslaufen, aussuppen, riechen, schmutzig sind, Binden brauchen, unbedingt Binden, weil sie verdammt noch mal nicht perfekt sind. Sie sind Angehörige einer Randgruppe, Männer diskutieren über die Frauenfrage.

Sollen wir sie internieren oder nicht? Sind sie zurechnungsfähig? Sie haben Hormonschwankungen, Frau, wie könnten Sie ein 79-Milliarden-Dollar-Unternehmen leiten. Unsere Aktionäre, meist Männer, denn in deren Händen befinden sich die größten Teile des Weltvermögens, würden Ihnen nicht vertrauen.

Natürlich brauchen Sie keine Frauenquote, wir sind doch in Deutschland, dem Land der Mütter, des Waschpulvers, des Putzzwangs, Sie schaffen es alleine, sicher, Sie, Frau, deren Randgruppenkolleginnen verschleiert und zugenäht durch die Welt laufen, die halbnackt in Schaufenstern sitzen, es haben ja in den letzten Jahren viele Frauen geschafft, ohne gesetzliche Förderung. Schauen Sie sich all die Operndirektorinnen, Dirigentinnen, Kamerafrauen, Bankdirektorinnen, Chefredakteurinnen, Verlagschefinnen an. Sie merken meine kleine Ironie?

Selbstredend, die Abwesenheit von Frauen in der Führung ist selbstverschuldet. Haben Sie auch gelesen, dass es in einigen Jahren ein Heer von Frauen gibt, die in Altersarmut leben werden? Keine Renten mehr für unterbezahlte Krankenschwestern und Altenpflegerinnen, so etwas passiert halt. Es passiert, weil keine solidarischen Frauen in wichtigen Posten der Wirtschaft sitzen, die ja vielleicht in dunklen Stunden die Politik ein klitzekleines bisschen manipuliert. Natürlich werden Sie es selber schaffen, die Bedingungen sind grandios. Männer lieben es zu teilen, sie stehen drauf, Macht abzugeben.

Sie sind um die 30 und Sie haben nichts mit all den anderen Frauen zu tun, die es nicht schaffen.

Sie dummes, dummes Ding!

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