S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Warum gibt es eigentlich keine Frauenpartei?

Eine neue Partei in einem deutschen Parlament - und wieder ist sie männerdominiert! Auch die Piraten werden sich nicht um kostenlose Kinderbetreuung oder vernünftige Renten für Frauen in Pflegeberufen kümmern. Das muss die weibliche Hälfte der Bevölkerung schon selbst übernehmen.

Kaum haben die Piraten, die unter der hier vertretenen intelligenten Leserschaft vermutlich keiner Erklärung bedürfen, den Einzug ins Berliner Abgeordnetenhaus geschafft, fällt den deutschen Medien auf, dass die Frauen in dieser Partei sehr unterrepräsentiert sind. Bloggerinnen empören sich, Journalisten erregen sich, die Piraten verteidigen sich, dabei ist es doch alles völlig normal und spiegelt die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft hervorragend und bürgernah wider.

Die Männer machen, was sie immer machen, sie verengen das Blickfeld, vernachlässigen Körper- und Familienpflege und arbeiten an etwas, das ihnen sinnvoll erscheint, aus welchen Gründen auch immer. Die Frauen tun derweil ebenfalls das, was sie oft tun: Sie würden auch gerne, aber da muss erst noch der Besuch bei den Eltern sein, der Ausflug mit Gernot, die Epilation, das gute Buch, das Studium, der brillante Film, der Schlaf, das Telefonat, und Politik ist nicht besonders aufregend.

Die Piraten sind in einem Alter, da Frauen noch nicht durch Kinder behindert werden, das kommt erst später, wenn sie Mitte dreißig sind, und es immer noch keine kostenlose Kinderbetreuung gibt, weil dieses Thema Männer sozialisationsgegeben wenig interessiert. Nun ist also schon wieder eine Chance vertan, wieder eine männerdominierte Partei, und daran wird sich in dieser Gruppierung vermutlich auch nicht mehr viel ändern, denn die Erfahrung zeigt, dass keiner Macht, die er hat, freiwillig teilt oder abgibt.

Krieg einer Frauenpartei gegen eine Männerpartei?

Den Frauen bleibt, passiv aggressiv zu sticheln, zu meckern, zu jammern: Man müsste die Bedingungen ändern, um Frauen die Mitarbeit in der Politik zu ermöglichen. Man müsste Dialoge fördern. Man müsste eine Quote einführen.

Mann müsste, die Männer müssten. Sie müssen nichts, sie haben ja schon.

Die Gründung einer Partei ist einfach. Ein wenig unglamourös, zeitraubend, Geld gibt es auch nicht. Aber die Hälfte der deutschen Bevölkerung ist weiblich. Muss man genauer werden? Was spricht gegen eine Frauenpartei, die von allen Frauen des Landes gewählt wird?

Gut, könnten sie einwenden, dann gäbe es eben in absehbarer Zeit eine Frauen- und eine Männerpartei, die dann bald einen Krieg anzetteln und sich gegenseitig ausrotten würden. Könnte sein. Steht aber nicht zu befürchten, denn den meisten Frauen fehlt es an der Aggression für einen handfesten Krieg oder für eine handfeste Partei.

Vermutlich würden sie den Angehörigen des eigenen Geschlechtes auch so wenig zutrauen wie sich selbst und irgendeine eingeführte, von Männern geführte Partei bevorzugen, die sie dann wieder nicht mitspielen lässt, die sich wieder nicht für ihre Rechte einsetzt, weil sie uninteressant sind, die Rechte der Frauen, sie haben es doch gut. Sehen wir einmal von alleinerziehenden Frauen ab. Oder Rentnerinnen, die ihr Leben lang in Pflegeberufen gearbeitet haben und nun mit einer Minimalrente auskommen müssen. Oder behinderten Frauen. Oder der Frauenquote, die es dann vielleicht nicht bräuchte mit dieser wunderbaren, 40 Millionen starken Frauenpartei.

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