Sammlung Flick "Schuld kann man nicht erben"

Der Kunstsammler Friedrich Christian Flick hat sein längerfristiges Engagement in Berlin begründet. Dies sei weder Selbstinszenierung, noch Reinwaschung für die Vergangenheit seines Onkels Friedrich Flick im Dritten Reich. Schuld könne man nicht erben, "Verantwortung sehr wohl".

Berlin - Der Wert der Sammlung moderner Kunst von Friedrich Christian "Mick" Flick wird auf 300 Millionen Dollar geschätzt. Nahe dem Museum "Hamburger Bahnhof" in Berlin soll nun ein Hallenkomplex umgebaut werden, um die Sammlung öffentlich zugänglich zu machen.

"Mick" Flick war im Zusammenhang mit der geplanten Schau vorgeworfen worden, sich mit der Sammlung von der Verstrickung seiner Familie mit dem Nationalsozialismus "rein waschen" zu wollen. Dem entgegnet Flick nun in der "Berliner Zeitung" mit Kritik am seinen Kritikern: "Diese Leute haben ...die Kunst instrumentalisiert. Sie nehmen die Kunst als Geisel, um Forderungen durchzusetzen", zum Beispiel für Entschädigungszahlungen.

Er bedauere die zahllosen Opfer des Dritten Reiches, aber könne, "nicht Schuld tragen für etwas, das Generationen vor mir geschehen ist. Schuld kann man nicht erben. Verantwortung kann man jedoch sehr wohl erben und ich habe sie geerbt, als Deutscher und als ein Flick", sagte Flick.

Als einer der größten deutschen Rüstungsproduzenten hatte Friedrich Flick während der NS-Zeit enge Beziehungen zu den damaligen Machthabern gepflegt. Ihn nimmt Friedrich Christian Flick in dem Interview in Schutz: "Mein Großvater war gegen den Krieg. Ich will seine Schuld nicht relativieren, aber er ist in den Krieg reicher reingegangen, als er herausgekommen ist".

Der 58-jährige Enkel "Mick" war immer wieder heftig kritisiert worden, weil er für sich eine Beteiligung am deutschen Entschädigungsfonds für NS-Zwangsarbeiter ausschloss. Das habe er "nicht für sinnvoll gehalten", sagte Flick, weil der Fonds für Unternehmen, aber nicht Einzelpersonen geschaffen worden sei und die Flick-Unternehmen bereits "überproportional" Geld in den Fonds gegeben hätten. Eigene Gelder hätten "nur Ausgleichszahlungen einiger anderer Unternehmen verringert".

Engagement über sieben Jahre hinaus?

Als er plante, in Zürich ein Privatmuseum für seine Kunstsammlung aufzubauen, hatte ein Teil der Öffentlichkeit protestiert, von Blutgeld sowie Ablasshandel gesprochen. Er sei seiner Verantwortung aber nachgekommen, als er beispielweise vor zwei Jahren in Potsdam mit seinerzeit 10 Millionen Mark eine Stiftung gründete, zur Förderung von Zivilcourage gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz.

Flick kann sich ein Berlin-Engagement mit seiner Sammlung zeitgenössischer Kunst über die jetzt mit dem Land vertraglich vereinbarten sieben Jahre hinaus vorstellen. "Berlin ist wie die Kunst, die ich liebe: zerrissen, vernarbt, direkt, ungefiltert", sagte er. Er wolle aber nicht wie der Kunstsammler Heinz Berggruen ganz nach Berlin übersiedeln.

Das Ausstellungsprojekt sei auf Initiative von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit in die Gänge gekommen. Der habe ihn im vergangenen April getroffen und gefragt: "Herr Flick, wie wäre es mit Ihrer Sammlung in Berlin?". Er gebe sie Berlin als Leihgabe "und bezahle noch die Umbaukosten für die Halle".

Wenn die staatlichen Museen nicht die finanziellen Möglichkeiten hätten, eigene Sammlungen aufzubauen, dann sei es doch gut und richtig, wenn private Sammler einsprängen, meinte Flick. Auf die Möglichkeit einer Schenkung ging er allerdings nicht näher ein.

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