Satirezeitschrift "Punch" Aus nach 161 Jahren

161 Jahre lang verstand sich die britische Satire-Zeitschrift "Punch" als "Verteidiger der Unterdrückten" und "Heimsuchung der Autoritäten". Jetzt wurde sie endgültig eingestellt. Der schnöde Grund: zu wenig Abonnenten.


"Punch": Der alte Ruf stellte sich nicht mehr ein

"Punch": Der alte Ruf stellte sich nicht mehr ein

London - 1992 wurde die Zeitschrift schon einmal eingestellt, vier Jahre später aber wiederbelebt. Neuer Eigentümer des Presse-Dinosauriers war Mohammed al-Fayed, Besitzer des Kaufhauses "Harrods", Vater von Dodi und somit Fast-Schwiegervater von Lady Diana. Nachdem al-Fayed die Zeitschrift 1996 übernommen hatte, wollte er sie wiederholt für persönliche Kampagnen gegen das britische Königshaus und die Geheimdienste einsetzen.

"Ich war ungeheuer stolz darauf, das Magazin nach vierjähriger Abwesenheit wiederbeleben zu können", sagte al-Fayed gegenüber der Nachrichtenagentur ap. "Jedoch hat sich die Freude, mit der viele Leute die Rückkehr von "Punch" begrüßten, nicht auf die Auflage ausgewirkt." Auch ihren alten Ruf als bissige und respektlose Publikation erlangte "Punch" nicht wieder, sie wurde von der neueren Satire-Zeitschrift "Private Eye" verdrängt.

"Bei einem Geschäftsmann muss manchmal der Kopf stärker sein als das Herz und deshalb habe ich beschlossen, "Punch" zu schließen", begründete Mohammed al-Fayed seine Entscheidung. Zuletzt hatte die Zeitschrift nur noch 6000 Abonnenten. Der Absatz konnte die Kosten für eine Ausgabe, ganze 40.000 Pfund (65.000 Euro), nicht mehr decken. Acht der zwölf Redaktionsmitglieder wurden entlassen, die restlichen vier kümmern sich weiter um das umfangreiche Archiv mit einer halben Million Karikaturen und die Internetpräsenz von "Punch".

Original von 1841: Auftakt zu einer 161-jährigen Pressegeschichte

Original von 1841: Auftakt zu einer 161-jährigen Pressegeschichte

Dort ist eine echte Presse-Rarität zu finden: Das Editorial der ersten Ausgabe von 1841: In bissigem, aber klangvollem Ton erklärt der erste Chefredakteur Mark Lemon das Anliegen der neuen Zeitschrift. Das sei nicht, wie der Titel vermuten lasse, "die Unterhaltung einer gedankenlosen Menge", sondern ein regelrecht aufklärerisches Verlangen: Läuterung der Straffälligen, Einsatz für die Armen, Aufdecken der Ungerechtigkeiten - auch wenn der Ton mitunter nichts für die Ladys sei.



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