Schleichwerbung Bavaria-Chef fristlos entlassen

Der Schleichwerbeskandal bei den ARD-Reihen "Marienhof" und "In aller Freundschaft" hat Folgen: Thilo Kleine, bereits beurlaubter Geschäftsführer der für die Serien verantwortlichen Produktionsfirma Bavaria, muss seinen Posten räumen.


Bavaria-Chef Kleine: Fristlos gefeuert
DDP

Bavaria-Chef Kleine: Fristlos gefeuert

München - Am Freitag vergangener Woche wurde Thilo Kleine zunächst beurlaubt, doch die Chancen auf eine Rückkehr auf seinen Posten als Bavaria-Geschäftsführer standen schlecht. Heute beschlossen die Gesellschafter der Produktionsfirma auf einer außerordentlichen Versammlung die fristlose Entlassung des 52-jährigen Managers. Das Vertrauensverhältnis zu Kleine sei "so nachhaltig gestört, dass eine weitere gedeihliche Zusammenarbeit nicht mehr gewährleistet werden" könne.

Man habe Kleine zu dem Vorwurf angehört, Schleichwerbung in den von der Bavaria für die ARD produzierten Serien "Marienhof" und "In aller Freundschaft" organisiert zu haben, und danach beschlossen, das Arbeitsverhältnis zu beenden. Da eine detaillierte Begründung der fristlosen Kündigung für ein etwaiges arbeitsrechtliches Verfahren besondere rechtliche Bedeutung hätte, werde von einer Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt abgesehen, hieß es in einer Erklärung. Bis auf weiteres wurde dem Geschäftsführer Dieter Frank kommissarisch die Gesamtverantwortung für die Bavaria Film GmbH übertragen.

Für die Gesellschafter der Bavaria - das sind Rundfunkanstalten der ARD - erklärte SWR-Intendant Peter Voß: "Mit der sofortigen Trennung von Herrn Professor Kleine machen wir den Weg frei für einen Neuanfang bei der Bavaria." Er fügte hinzu, durch die Fälle von Schleichwerbung sei ein erheblicher Schaden entstanden. "Ebenso klar ist aber auch, dass wir uns dem Problem schnell gestellt und die Lehren daraus gezogen haben."

Laut Bavaria wurde insgesamt Schleichwerbung für 1.476.000 Euro vor allem in der Serie "Marienhof" (80 Prozent) und in der Krankenhausserie "In aller Freundschaft" (20 Prozent) untergebracht. Die Prüfer stießen auch auf drei Fälle von Schleichwerbung beim "Tatort". Am Mittwoch war ein neuer Fall im Kieler "Tatort" bekannt geworden. Die Produktionsfirma Studio Hamburg feuerte daraufhin ihren Geschäftsführer Frank Döhmann.



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