Schriftsteller-Protest Günter Grass kritisiert polnischen Irak-Einsatz

Bei einem Besuch in seiner Geburtsstadt Gdansk hat Günter Grass den Einsatz polnischer Truppen im Irak scharf kritisiert. Zugleich warnte der Schriftsteller und Nobelpreisträger davor, Russland als "außereuropäisch" wahrzunehmen.


Schriftsteller Grass: "Es gibt keine Alternative zur EU"
DPA

Schriftsteller Grass: "Es gibt keine Alternative zur EU"

Warschau/Danzig - "Ich denke, dass ein Volk, das die deutsche und russische Besatzung überlebt hat, besonderen Unwillen zur Teilnahme an einem Krieg haben sollte", sagte Grass in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der polnischen Zeitung "Rzeczpospolita". Grass war am Sonntag zu einem zweitägigen Besuch in seiner Geburtsstadt Gdansk (ehemals Danzig) eingetroffen.

Knapp eine Woche vor dem Referendum der Polen über den EU-Beitritt unterstrich Grass die Bedeutung der europäischen Integration. "Es gibt keine Alternative zur EU, aber das bedeutet nicht, dass sie ausschließlich mit Nutzen verbunden ist", sagte Grass. Das Beispiel Portugals zeige, dass das Land in vielen Bereichen, etwa beim Ausbau seiner Infrastruktur, von der EU-Mitgliedschaft profitiert habe. Zugleich aber seien die portugiesischen Landwirte zu den Verlierern des EU-Beitritts ihres Landes geworden. Ähnliches könne auch den polnischen Bauern drohen.

Grass forderte zugleich auf, alte Antagonismen im Verhältnis zu Russland zu überwinden. Die historischen Belastungen zwischen Polen und Russland sollten nicht dazu führen, Russland als "außereuropäisch" wahrzunehmen. "Russland ist ein Nachbar Polens und ein wichtiger Partner der europäischen Länder", betonte er. "Ich kann mir die Zukunft unseres Kontinents nicht ohne Russland vorstellen."



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