Schwule Superhelden Bürgermeister von Rio scheitert mit Comic-Verbot

Er ist Evangelikaler, Bürgermeister von Rio de Janeiro und hält Homosexualität für teuflisch: Marcelo Crivella wollte einen Marvel-Comic verbieten lassen, weil sich darin zwei Männer küssen - und scheiterte.

Ein in schwarze Folie gehülltes Buch auf der Buchmesse in Rio de Janeiro
Fernando SOUZA/ AFP

Ein in schwarze Folie gehülltes Buch auf der Buchmesse in Rio de Janeiro


Seit rund sechs Jahren sind in Brasilien gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt. Doch seit der rechtsradikale Präsident Jair Bolsonaro im Amt ist, verschärft sich die Lage für Homosexuelle zunehmend. Diese Stimmung wollte sich nun wohl auch Rio de Janeiros Bürgermeister Marcelo Crivella zunutze machen.

Der ehemalige evangelikale Bischof ließ auf der Buchmesse seiner Stadt einen Marvel-Comic aus der Avengers-Serie beschlagnahmen. Der Grund: Darin sind zwei sich küssende Superhelden abgebildet. Er wolle damit Kinder vor "sexuellen Inhalten" schützen, hieß es von dem Politiker. Der Fall ging vor Gericht.

Zunächst genehmigte ein Gericht die Verbannung des Sammelbandes, der bereits seit 2012 auf dem brasilianischen Markt ist - in der Luxusversion, die jetzt auf der Buchmesse zu kaufen war, seit drei Jahren. Dem Protest, der daraufhin entbrannte, schloss sich die Bundesstaatsanwältin Raquel Dodge an. Sie argumentierte, es verstoße gegen die Meinungsfreiheit und den freien Gedankenaustausch, Bücher mit LGBTQ-Inhalten zu verbieten, wie es der Bürgermeister angestrebt hatte. Der konservative Politiker, Abtreibungsgegner und Kreationist Crivella kündigte an, dagegen vorzugehen.

Fans des Marvel-Comics ließen sich von all dem nicht beirren. Das betroffene Avengers-Buch war in kürzester Zeit vergriffen. Außerdem kaufte Felipe Neto, ein berühmter YouTuber in Brasilien, etwa 14.000 Bücher mit LBGTQ-Inhalten und verteilte sie auf der Messe - als Zeichen des Protestes. Er ließ die Titel in schwarze Folie packen und versah sie mit dem Warnhinweis: "Dieses Buch ist unangemessen".

Auch die brasilianische Tageszeitung "Folha de S. Paulo" bezog Position: Sie druckte die küssenden Superhelden auf der Titelseite der Samstagsausgabe.

brs/AP



insgesamt 24 Beiträge
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benmartin70 09.09.2019
1.
Immer wieder schön wenn sich religiöse Menschen lächerlich machen.
juuu1978.08 09.09.2019
2. warum
sind solche rückständigen Menschen so auf dem Vormarsch? Die wirken so aus der Zeit gefallen. Ich glaube wirklich besser wird es erst, wenn Religion ins Privatleben verbannt wird.
C. Lucius 09.09.2019
3. DC nicht Marvel
Es handelt sich um ein Comic der DC-Comics Reihe "Green Latern", nicht Marvel.
sven17 09.09.2019
4.
Doch Marvel ist schon richtig. Es geht um die erste Young Avengers Serie.
sven17 09.09.2019
5.
Zitat von juuu1978.08sind solche rückständigen Menschen so auf dem Vormarsch? Die wirken so aus der Zeit gefallen. Ich glaube wirklich besser wird es erst, wenn Religion ins Privatleben verbannt wird.
Das würde auch nicht viel ändern. Solche Leute finden immer einen Grund für ihre Engstirnigkeit.
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