Heikle Besprechung Scotland Yard fordert Herausgabe von Murdoch-Mitschnitt

In internen Besprechungen hat Rupert Murdoch den Abhörskandal in seinem Medienimperium heruntergespielt - und wurde dabei selbst mitgeschnitten. Die britische Kriminalpolizei interessiert sich brennend für die Aufnahme und will die Herausgabe notfalls erzwingen.
Rupert Murdoch: "Das läuft seit hundert Jahren so"

Rupert Murdoch: "Das läuft seit hundert Jahren so"

Foto: OLIVIA HARRIS/ REUTERS

London - Nun interessiert sich auch die britische Kriminalpolizei für die Ansichten Rupert Murdochs über den Abhörskandal in seinem Medienkonzern. Scotland Yard hat die investigative Internetplattform Exaro offiziell um die Herausgabe des Mitschnitts einer internen Besprechung mit Journalisten der Murdoch-Boulevardzeitung "Sun" in London gebeten, berichtet der "Guardian".

Am Mittwochabend hatte Exaro über Aufnahmen berichtet, die ein Mitarbeiter heimlich mitgeschnitten hatte. Zudem hatte der britische Sender Channel 4 parallel Ausschnitte der Aufnahme gesendet. Darin spielt Murdoch den Abhörskandal um seine Boulevardtitel "The Sun" und "News of the World" herunter und sagt unter anderem, die Bestechung von Polizisten im Tausch gegen Informationen sei nichts Besonderes - sondern seit hundert Jahren gängige Praxis im britischen Zeitungssystem.

Der Abhörskandal um Murdochs Medienkonzern News International dauert bereits seit Ende 2011 an. Damals war enthüllt worden, dass bei Murdochs Boulevardblättern jahrelang Prominente und Angehörige von Verbrechensopfern abgehört worden waren. Später wurde zudem bekannt, dass Murdoch-Journalisten Sicherheitsbeamte im Tausch gegen Informationen schmierten. Mehrere hochrangige Mitarbeiter von News International sind verhaftet worden, die traditionsreiche Postille "News of the World" stellte Murdoch auf dem Höhepunkt des Skandals sogar ein. Offiziell gab sich der 82-Jährige bisland stets reumütig und weitgehend ahnungslos.

"Wir verraten keine vertraulichen Informanten"

Scotland Yard hat nun Exaro dem "Guardian"-Bericht zufolge auch damit gedroht, die Herausgabe des Mitschnitts per Verfügung zu erzwingen, falls die Internetplattform sie nicht freiwillig herausrücke. Auch Channel 4 sei bereits von der Kriminalpolizei kontaktiert worden.

Exaro-Chef Mark Watts erteilte Scotland Yard eine deutliche Abfuhr. "Eins ist sicher: Anders als News International werden wir unter keinen Umständen vertrauliche Informanten verraten." Man habe alles öffentlich gemacht, was man besitze. Scotland Yard zudem habe nicht erklärt, weshalb genau sie die Mitschnitte haben wollten.

Dabei finden sich auf der Aufnahme einige Äußerungen, die für Murdoch unangenehm werden könnten. So sicherte etwa den bei der Besprechung versammelten Mitarbeitern - darunter offenbar einige, die wegen Beamtenbestechung verhaftet worden waren - zu, sie bei rechtlichen Auseinandersetzungen voll zu unterstützen, ausdrücklich auch, falls sie zu Gefängnisstrafen verurteilt würden.

fdi