Serbien Staatliche Medien stehen zum Verkauf

Radiosender für rund 3000 Euro: 38 Medien, die im Besitz des serbischen Staates sind, sollen verkauft werden - für wenig Geld. Im Angebot ist auch die einstige jugoslawische Nachrichtenagentur Tanjug.

38 serbische Medien sollen verkauft werden - darunter auch die Agentur Tanjug (hier ein Screenshot der Internetseite)

38 serbische Medien sollen verkauft werden - darunter auch die Agentur Tanjug (hier ein Screenshot der Internetseite)


Die altehrwürdige frühere jugoslawische Nachrichtenagentur Tanjug, einst das mächtigste Medium in Südosteuropa, wird privatisiert. Die im Zweiten Weltkrieg gegründete Agentur ist für den Preis von nur 761.000 Euro zu haben, berichteten Belgrader Zeitungen unter Berufung auf eine entsprechende Ausschreibung des Staates.

Sollte sich kein Käufer finden, wird den Mitarbeitern das Kapital angeboten. Wenn auch die kein Interesse zeigen, wird das Unternehmen geschlossen.

Wie Tanjug ergeht es 37 weiteren Medien im Besitz von Staat und Stadtverwaltungen. Darunter sind wahre Schnäppchen: Nur 2800 Euro muss ausgeben, wer das Radio der Stadt Medvedja im Süden kaufen will. Ähnlich günstig wird mit 3400 Euro der Radiosender in der Kreisstadt Valjevo angeboten. Knapp 600.000 Euro kostet der Regionalsender in der Großstadt Sabac. Der TV-Sender in der zweitgrößten Stadt Nisch ist für läppische 75.000 Euro zu haben.

Deutsche Investoren machten schlechte Erfahrungen

Brüssel dürfte mit seinem Beitrittskandidaten Serbien zufrieden sein. Die Privatisierung soll bis Anfang Oktober abgeschlossen sein. Ursprünglich war die Privatisierung aller staatlichen Medien - insgesamt 72 - bis 1. Juli geplant.

Der Staat wird dennoch weiter der dominante Player in der Medienszene bleiben. Denn die großen nationalen Medien sind weiter im Staatsbesitz: Das Fernsehen RTS ebenso wie die meinungsbildende Zeitung "Politika" und das größte Blatt "Novosti". Einige Boulevardzeitungen wie "Informer" erscheinen tagtäglich als eine Art Kampfblatt für die Sache der Regierung - mit bösen Angriffen unter der Gürtellinie auf alle ihre Kritiker.

Und selbst bei den jetzt zum Verkauf freigegebenen Medien ist nicht sicher, ob sie damit wirklich dem Staatseinfluss entzogen werden. "Aus eigener Erfahrung würde ich niemals Geld in serbische Medien investieren", sagt der frühere "Politika"-Direktor Hadzi Dragan Antic: "Das sind alles kontrollierte Medien und das werden sie auch nach der Privatisierung bleiben."

Staat und Behörden können die Medien im Land vor allem durch ihre Anzeigen beeinflussen, die in der tiefen Medienkrise für viele Printmedien überlebenswichtig sind.

Dass das nicht ganz von der Hand zu weisen ist, belegen Versuche deutscher Medien, in Serbien zu investieren. Sowohl Europas größter Fernsehkonzern RTL Group sowie die Essener Funke-Gruppe ("WAZ") zogen sich wegen Schikanen der Behörden aus dem serbischen Markt zurück.

Zuletzt wurde es deutschem Medienkapital aus politischen Gründen verwehrt, den modernsten Kabelsender TV Nova mit einer nationalen Sendefrequenz zu vergrößern, obwohl diese ungenutzt zur Verfügung stand.

feb/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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diefreiheitdermeinung 01.07.2015
1. Ich rate dem SPIEGEL Verlag
sich den einen oder anderen fuer VIEL (statt fuer wenig) Geld unter den Nagel zu reissen um zu zeigen dass es auch Anders geht. Viel Glueck mit der Investition in eine ohnehin sterbende Branche.
westerwäller 01.07.2015
2. Das war jetzt aber gemein ...
Zitat von diefreiheitdermeinungsich den einen oder anderen fuer VIEL (statt fuer wenig) Geld unter den Nagel zu reissen um zu zeigen dass es auch Anders geht. Viel Glueck mit der Investition in eine ohnehin sterbende Branche.
... Sie hätten nur noch einen draufsetzen können, wenn Sie gesagt hätten, es sei anachronistisch, dass ein freies Land wie Deutschland noch Staatssender betreibt ... ... oder, wenn Sie gesagt hätten, dass der Markt so tot ist, dass selbst Jakob Augstein seine Anteile an einem ehemaligen Renommier-Medium nicht verkauft bekommt ...
kinngrimm 01.07.2015
3. eigenen Radiosender 0_0 *freu*
Das stell sich doch mal einer vor hrhr für nen Schnäpchenpreis ne Lizenz und dann erst mal auf Deutsch oder englisch labern was man will. Bis die des übersetzt haben ^^ (zynische arroganz) hat man des Land bereits mit allen möglichen Humburg, Nonsence, absichtlichen Fehlinformationen und anderem Stuß überzogen. Das wie ne Freikarte für Scherzetreiber.
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