Sex-Anrufe BBC-Moderatoren droht Rausschmiss

Weil sie einen britischen Schauspieler mit schlüpfrigen Anrufen belästigten, könnten zwei Radiomoderatoren der BBC ihre Jobs verlieren. 10.000 Beschwerden gingen ein - der Sender entschuldigte sich inzwischen öffentlich für die Ausstrahlung.


London - Auch der Premierminister war not amused: Als "unangemessen und nicht hinnehmbar" bezeichnete Gordon Brown die Telefonaktion von Russell Brand und Jonathan Ross.

BBC-Radiomoderator Russell Brand: Zoten, Schoten, Quoten
Getty Images

BBC-Radiomoderator Russell Brand: Zoten, Schoten, Quoten

Die Radiomoderatoren hatten in der "Russell Brand Show" bei dem 78-jährigen Schauspieler Andrew Sachs angerufen und mehrere deftige Nachrichten auf dem Anrufbeantworter hinterlassen.

Sachs wurde in Großbritannien in den siebziger Jahren bekannt durch seine Rolle in der Erfolgsserie "Fawlty Towers".

In den aufgezeichneten Nachrichten erzählte Ross unter anderem, dass Co-Moderator Brand Sex mit Sachs Enkelin, Georgina Baillie, gehabt habe. Die aufgezeichneten Anrufe wurden Mitte Oktober im BBC-Programm Radio 2 ausgestrahlt.

Konservative Abgeordnete forderten daraufhin die Suspendierung der Moderatoren. Inzwischen gingen 10.000 Beschwerden bei der BBC ein, die britische Sendeanstalt entschuldigte sich öffentlich. BBC und die Medienaufsicht Ofcom prüfen nun, wie es zu der Ausstrahlung kommen konnte und wer dafür verantwortlich war.

Auf der Internet-Seite des Senders äußerte sich Baillie selbst zu den Enthüllungen aus ihrem Sexualleben. Sie fühle sich "betrogen und beschämt", sagte die 23-Jährige und erhob Vorwürfe gegen die Sendeleitung: "Jemand da oben bei der BBC muss entschieden haben, dass die Aufzeichnungen lustig und für die nationale Ausstrahlung geeignet sind." Baillie bescheinigte den Verantwortlichen einen "erschreckenden Mangel an Urteilsfähigkeit".

Insbesondere Brand ist für seine verbalen Ausrutscher bekannt. Der ehemalige MTV-Moderator fiel 2008 bei der Präsentation der "MTV Video Music Awards" durch abfällige Bemerkungen über die Keuschheitsringe der US-Boyband "Jonas Brothers" und US-Präsident George W. Bush ("zurückgebliebener Cowboy") auf. Seinen letzten Job beim britischen Sender XFM verlor Brand, nachdem er live pornografisches Material vorgelesen hatte.

Die Sex-Anrufe sind der bisher letzte Eklat in einer Reihe von Pannen, die der BBC zu schaffen machen.

Als "Queengate" wurde beispielsweise ein Vorfall im vergangenen Jahr bekannt. Damals hatten die Produzenten einen Videoclip für eine Sendung über die Queen falsch zusammengeschnitten und ausgestrahlt. Die BBC musste sich darauf bei der Monarchin entschuldigen.

ber/dpa



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