S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Darunter trugen sie Leder

Was genau fasziniert die Leserinnen und Leser eigentlich an "Shades of Grey", diesem Bestseller über eine Sadomaso-Beziehung? Vielleicht gibt ja ein Selbstversuch die Antwort. Daher folgt jetzt eine Weltpremiere: Frau S.B. hat ein exklusives Stück Erotikliteratur verfasst.

Alle reden über "Shades of Grey", ich auch. Mit großem Neid betrachte ich die Verkaufszahlen, erstaunt, dass Menschen immer noch Geschichten über Menschen lesen, die Geschlechtsverkehr haben wollen. Vermutlich geht Sexuelles immer, darum exklusiv heute mein Einstieg in die Welt der Literatur über Menschen mit Geschlechtsteilen.

Silvesters Ehefrau sah aus wie eine Barbiepuppe, die man in eine Mikrowelle gesteckt hatte. Mit seiner Frau konnte er hervorragend seine Neigungen ausleben. Wissen Sie, holte Silvester gerne ungefragt aus, wissen Sie, wir betrachten uns als Anhänger von Knechtschaft und Disziplin. Algolagnie, Schmerzwollust, verstehen Sie. Seit ungefähr 20 Jahren war diese sexuelle Vorliebe wegen ihrer Plakativität in den Medien fotografiert und gefilmt worden. Nun haftete ihr der Geschmack eines Unterschichtenhobbys an. Der Generation der Adoleszenten war die Freude an jeder sexuellen Aktivität fast verleidet worden. Von der Überinformation gelähmt, sahen die jungen Menschen, wann immer ihre Hände sich tastend einem anderen jungen Menschen näherten, in ihren Gedanken ihre Eltern mit Tiermasken vor sich.

Am Wochenende zog seine Frau, eine Gymnasiallehrerin, die ihre Haare zu schwarz färbte, zu enge Lederbekleidung an, und beide gingen zu Partys, bei der sie andere dabei beobachteten, wie sie sich auspeitschten und Knebel in die Münder pressten. Sie hatten viele neue Freunde kennengelernt, im Club, unter ihresgleichen. Gepflegte Paare, die sich jenseits der ermüdenden moralischen Norm der Mittelmäßigen bewegten.

Wenn er Besuch erwartete, zog er sich mit aller Ernsthaftigkeit an. Chaps trug er, darunter sein nacktes Gesäß, die Genitalien, eine Ledermaske, eine prächtige Leder-Herrschermaske. Im Bügelzimmer hatten sie ein Studio eingerichtet. Die Wände schwarz, eine Sexschaukel. Eine Streckbank, alles gute qualitätsgeprüfte Ware. Silvesters Frau machte Schnittchen. Mit Lachs und Kaviar, sie waren ja keine Proleten, die Würstchen anboten oder Aufschnitt.

So, nun könnten wir langsam

Dann saßen Silvester und seine Frau, sie trug die Schwestern-Latextracht, auf dem Sofa. Silvester hatte ein Handtuch unter sein Gesäß gelegt. Die Steinmanns kamen pünktlich, unter ihren lammgefütterten Mänteln trugen sie Leder. Die Paare nahmen auf der Couch Platz, ein zweites Handtuch hatte bereitgelegen, man aß und redete über die Veränderungen im Theater, dem nichts mehr abzugewinnen war.

Es war zu unpolitisch, darf ich noch ein wenig Kaviar? Hier auf dem Sofa, Sie sind mir ja eine ganz Verwegene, Silvester drohte mit dem Finger. Doch das Theater, kommen wir dahin zurück, da geht doch nichts über einen Kleist. Ja, der Kleist. Und dann wurde geschwiegen. 21, 22. Frau Steinmann war gepflegt, blond, gute Kronen, ein belangloses Gesicht, kräftige Knochen, eine Frau, geschaffen, um sie vor einen Pflug zu spannen. Das Bild behagte Silvester. Er sah Frau Steinmanns schwere Brüste in einer Ackerfurche hängen. So, nun könnten wir langsam. Die beiden Paare erhoben sich, gingen in das ehemalige Bügelzimmer. Der eine oder andere Knebel wurde gewechselt, die Männer kamen, die Frauen nicht, so ist das Leben.

Danach wurde sich herzlich, aber doch ein wenig unbeholfen verabschiedet, alle wussten, was mit der Hand, die da zum Gruße geboten wurde, kurz zuvor geschehen war... (Ziemlich wahrscheinlich ohne Fortsetzung)

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