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25. Juli 2015, 11:19 Uhr

S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle

Fortpflanzen, unbedingt!

Eine Kolumne von

Fast könnte man sich darüber aufregen, dass ein 60-jähriger Mann wie Jan Hofer Vater wird. Aber besser, wir sind gnädig und freuen uns, wenn Frauen und Männer, die sich im Alter den Spaß der Vermehrung gönnen wollen, gleichbehandelt werden.

Ich schaffe 2045 nicht mehr. Sie auch nicht. Wir nicht. Oder grade so, in einem Zustand, der mit Ersatzteilen zu tun hat. Junge Menschen werden an mir vorübergleiten (falls es noch etwas zum Gleiten gibt und die Welt nicht übergelaufen ist) und mich erstaunt betrachten. Kinder werden zu schreien beginnen (also noch vehementer als heute): Mutter, liebe stromlinienförmige westeuropäische Mutter, was ist dieses mumifizierte Wesen mit Ersatzteilen, und warum sitzt es in einem Rollwagen? Das sind diese Rollkoffer, das hatte man früher, wird die Mutter sagen, schau nicht hin, das tut man nicht.

Die These also ist: 2045 werden wir alle alt sein. Nein, falsch, es gibt keine Alten mehr. Oder wie?

Heute gibt es noch Alte, die jedoch so tun, als seien sie Mitte 30. Jan Hofer, zum Beispiel, bekommt mit 60 plus ein Kind. Die Medien sind ganz aus dem Häuschen vor Freude ob des vitalen Seebären (warum Seebär? Egal). Aber muss man, trotz der Freude, und obgleich es auch vollkommen egal ist, nicht auch einmal kurz innehalten und sich fragen, ob das gut überlegt ist? Bei den körperlichen Risiken für ihn und das Kind angefangen: Was in dem Alter alles schiefgehen kann. Das Herz, das Hirn, die Gefahr für das Kind, einen niedrigeren IQ zu haben als Kinder jüngerer Männer. Ist er, stellvertretend für alle späten Väter, nicht ein radikaler Egoist?

Dieser Mann wollte ein Kind, denkt er nicht daran, wie die Klassenkameraden es verspotten werden, wenn der Opa es aus der Schule abholt? Und wenn das Kind zehn ist, ist er - na? Ich kann diese hohe Zahl nicht einmal errechnen. Ein Kind will mit seinem Vater Fußball spielen und über die Probleme im Netz reden. Das eine kann der alte Vater körperlich, das andere geistig nicht leisten. Selbst wenn seine Frau ihm zur Hand geht, vermutlich ist sie berufstätig und er bekommt Rente, selbst dann: Die Arbeit, die ein Kind macht! Dreimal aufstehen in der Nacht, durchwachte Masern-Schübe am Kinderbett.

Ich wünsche allen alten Vätern Glück und Freude, so wie allen Menschen, es sei denn, sie schreiben Aggro-Kommentare; soll sich fortpflanzen, wer mag, genug der leise raunenden Vorwürfe, genug von allem negativ Konnotierten (Notiz an mich: endlich "konnotiert" verwendet!), denn bald werden wir alle unsterblich sein. Es wird ein wenig eng werden, wenn keiner mehr freiwillig abtritt und sich 80-Jährige fortpflanzen. Aber es wird eventuell eine gleiche Beurteilung von Frauen und Männern geben, die sich im Alter den Spaß der Vermehrung gönnen wollen.

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