S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Fortpflanzen, unbedingt!

Fast könnte man sich darüber aufregen, dass ein 60-jähriger Mann wie Jan Hofer Vater wird. Aber besser, wir sind gnädig und freuen uns, wenn Frauen und Männer, die sich im Alter den Spaß der Vermehrung gönnen wollen, gleichbehandelt werden.

Sprecher Jan Hofer: Mal wieder Vater
ARD

Sprecher Jan Hofer: Mal wieder Vater

Eine Kolumne von


Ich schaffe 2045 nicht mehr. Sie auch nicht. Wir nicht. Oder grade so, in einem Zustand, der mit Ersatzteilen zu tun hat. Junge Menschen werden an mir vorübergleiten (falls es noch etwas zum Gleiten gibt und die Welt nicht übergelaufen ist) und mich erstaunt betrachten. Kinder werden zu schreien beginnen (also noch vehementer als heute): Mutter, liebe stromlinienförmige westeuropäische Mutter, was ist dieses mumifizierte Wesen mit Ersatzteilen, und warum sitzt es in einem Rollwagen? Das sind diese Rollkoffer, das hatte man früher, wird die Mutter sagen, schau nicht hin, das tut man nicht.

Die These also ist: 2045 werden wir alle alt sein. Nein, falsch, es gibt keine Alten mehr. Oder wie?

Heute gibt es noch Alte, die jedoch so tun, als seien sie Mitte 30. Jan Hofer, zum Beispiel, bekommt mit 60 plus ein Kind. Die Medien sind ganz aus dem Häuschen vor Freude ob des vitalen Seebären (warum Seebär? Egal). Aber muss man, trotz der Freude, und obgleich es auch vollkommen egal ist, nicht auch einmal kurz innehalten und sich fragen, ob das gut überlegt ist? Bei den körperlichen Risiken für ihn und das Kind angefangen: Was in dem Alter alles schiefgehen kann. Das Herz, das Hirn, die Gefahr für das Kind, einen niedrigeren IQ zu haben als Kinder jüngerer Männer. Ist er, stellvertretend für alle späten Väter, nicht ein radikaler Egoist?

Dieser Mann wollte ein Kind, denkt er nicht daran, wie die Klassenkameraden es verspotten werden, wenn der Opa es aus der Schule abholt? Und wenn das Kind zehn ist, ist er - na? Ich kann diese hohe Zahl nicht einmal errechnen. Ein Kind will mit seinem Vater Fußball spielen und über die Probleme im Netz reden. Das eine kann der alte Vater körperlich, das andere geistig nicht leisten. Selbst wenn seine Frau ihm zur Hand geht, vermutlich ist sie berufstätig und er bekommt Rente, selbst dann: Die Arbeit, die ein Kind macht! Dreimal aufstehen in der Nacht, durchwachte Masern-Schübe am Kinderbett.

Ich wünsche allen alten Vätern Glück und Freude, so wie allen Menschen, es sei denn, sie schreiben Aggro-Kommentare; soll sich fortpflanzen, wer mag, genug der leise raunenden Vorwürfe, genug von allem negativ Konnotierten (Notiz an mich: endlich "konnotiert" verwendet!), denn bald werden wir alle unsterblich sein. Es wird ein wenig eng werden, wenn keiner mehr freiwillig abtritt und sich 80-Jährige fortpflanzen. Aber es wird eventuell eine gleiche Beurteilung von Frauen und Männern geben, die sich im Alter den Spaß der Vermehrung gönnen wollen.



insgesamt 316 Beiträge
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Seite 1
Spiegelleserin57 25.07.2015
1. verkannt...
liebe Frau Berg, ihr Artikel liest sich ganz nett..nur eine Bemerkung vorweg...kennen Sie ältere Menschen? Es gibt solche und solche...einen Menschen mit 60 als alt zu betrachten..da geraten Sie wohl mit dem allgemeinen Trend und Interesse der Regierung in Konflikt da diese Menschen bis 67 zur Arbeit bewegen will. Diese berurteilt diese Menschen wohl noch als fit oder sollen da wieder Menschen sich abschuften um die Kasse der Rentenversichung zu stopfen mit dem Ergebnis dass sie vorzeitig sterben? Nachts aufstehen ist kein Problem wenn man am Nächsten Tag etwas Ruhe findet. Es geht Vieles, auch der Sex, nur eben anders. Daran müssen sich vor allem die Jüngeren gewöhnen dass die Zeit und auch das Altern sich verändert hat. Wir leben länger und bleiben auch länger fit, vorausgesetzt wir achten auf unsere Gesundheit. Ich persönlich würde in diesem Alter kein Kind mehr wollen,denn so egoistisch es vielleicht klingen mag, ich möchte nach meinem Arbeitsleben meine Zeit die mir verbleibt geniessen, mit einem Partner , weit reisen etc. Kinder können gerne zu Besuch kommen aber jeder soll sein eigenes Leben leben, so auch ich. .
aviateur 25.07.2015
2. Lebensfeindlich
Was für eine armselige Argumentation, Altersdiskriminierung durch sich selbst zu legitimieren ("... denkt er nicht daran, wie die Klassenkameraden es verspotten werden, wenn der Opa es aus der Schule abholt?"). Es mag ja sein, dass sich das Kind lieber einen jüngeren Vater wünschen würde. Doch diese Option besteht schlichtweg nicht, das Kind würde als das, was es ist, sonst nicht existieren.
roflxd 25.07.2015
3.
" ... die sich im Alter den Spaß der Vermehrung gönnen wollen." Selten habe ich solch einen Unsinn gelesen. Bei der Vermehrung steht ja auch der Spaß im Vordergrund, nicht wahr? Wen interessiert schon das Wohlbefinden des Kindes? Wenn ein Mann mit 70 Vater wird, darf bezweifelt werden, dass er seinem Kind noch das geben kann, was ein junger Vater seinem Kind bieten kann. Wenn beispielsweise der 10-Jährige Sohn mit seinem mittlerweile 80-Jährigen Vater Fußball spielen will, kann der alte Mann nicht mehr mithalten. Wenn die 18-jährige Tochter das Abitur macht, befindet sich der 88-jährige Vater mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits unter der Erde. Die Hochzeit seiner Kinder erlebt er jedenfalls nicht mehr. Hauptsache ist jedoch, dass er Spaß bei der Vermehrung hatte, nicht wahr?
tealady 25.07.2015
4. Danke für Ihre Glückwünsche!
Wir fallen in Ihre geschmähte Kategorie... Wofür soll sich unser Sohn schämen, wenn ihn "Opa" abholt? Wenn heutzutage alles toleriert werden soll, z.B. wenn ein Kind von 2 Papas oder 2 Mamas abgeholt wird, warum nicht Väter, die älter als der Durchschnitt sind? Ich finde Ihren Artikel ziemlich überheblich.
meinmein 25.07.2015
5. Ganz einfach
Was soll die Aufregung? Aufgrund seines Status und weil er sehr gut verdient, ist er der ideale Versorger. Auch junge Frauen wissen das zu schätzen und da er gar nicht so unattraktiv ist, hat er vermutlich so eine. Diese hat nun, wie viele junge Frauen, einen Kinderwunsch, und er muss nun wohl oder übel mitmachen. So einfach st das.
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