S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Ab ins Umerziehungslager!

Das bisschen Überwachung kann so schlimm nicht sein, findet Familie Huber. Und die paar Drohnen - da fliegen nicht gleich die Löcher aus dem Käse. Aber was macht der schwarze Kastenwagen vor der Haustür? Und wieso klingeln die jetzt?

Familie Huber, zwei Männer, zwei Kinder, sitzen am Abendbrottisch. Die Steuer ist bezahlt, die Raten für das Stockwerkeigentum werden pünktlich überwiesen, die Kinder machen sich gut in der Schule, man hat normale Menschen-Probleme. Das Fett an der Bauchmitte, die Kosten, das Land wird zu voll, der Platz zu eng.

Die Nachrichten. Ts-ts, sagt Herr Huber. In Deutschland laufen die Menschen gegen Überwachung Sturm. Na ja, nicht alle Menschen. Die Menschen, die in sozialen Netzwerken verkehren, die Oppositionspolitiker, die Journalisten, also vielleicht zehn Prozent. In der Schweiz interessiert so etwas kaum einen. Man hat hier nichts zu verbergen. Schließlich ist man neutral und die wirtschaftliche Überlegenheit des Landes gibt seinen Bewohnern das Gefühl, alles richtig zu machen.

Feindliche Übernahme durch unerfreuliches Land

Die besseren Bürger, die bessere Demokratie, was ist das, sagt Herr Huber und blickt aus dem Fenster. Eine Drohne glaub ich, sagt der andere Herr Huber und zuckt mit den Schultern. Drohnen halt. Die hat man jetzt. Die Drohne hält vor dem Fenster, eine kleine Explosion, der Nachbar liegt niedergestreckt auf der Straße. Die Kinder werden ins Bett geschickt, die Hubers staunen nicht schlecht. Der Nachbar.

Ist es, weil er Ausländer war? Oder ein Terrorist? Bald stehen alle auf der Straße und rätseln über das Ableben des Nachbarn. Als die Sirenen der Stadt ertönen. Die Fernseh-, Radio- und Internetprogramme teilen der Bevölkerung mit, dass die Schweiz von einem anderen Land eingenommen wurde. Feindliche Übernahme, sagt der zahnlose Herrscher eines unerfreulichen Landes, in dem andere Sitten, Moralvorstellungen und Hobbys zu Hause sind. Keiner hilft der kleinen Schweiz, im Rest der Welt denkt man sich: Neutralität, feine Sache. Nun schaut mal zu, wie weit ihr damit kommt.

Einige Tage nach der Machtübernahme denken die Schweizer immer noch, was sie meist denken: Mit einem guten Gespräch lässt sich alles lösen. In dem Fall: geht so. In der Nacht fahren schwarze Kastenwagen vor und sammeln Menschen ein. Religiöse und sexuelle Vorlieben, die dem neuen Regime nicht passen, sind ebenso Abholgrund wie Pornokonsum, Online-Shopping, Verwendung von Viagra, Besuche beim Therapeuten oder zu reger Kontakt mit der Familie.

Das Konsumverhalten passt den Besatzern nicht

Fast zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung werden interniert, gefoltert und in Umerziehungslager unter die Erde verbracht. Der Rest wird als gemeingefährlich eingestuft und von Drohnen sauber aus dem Weg geräumt. Vielleicht ist das feindliche Land ein Großkonzern mit dem Bruttojahreseinkommen der halben Welt, vielleicht passt ihm das Konsumverhalten der Schweizer nicht. Vielleicht hat der Konzern auch einfach nur miese Laune, wer kann das wissen? Die Schweizer nicht mehr, denn es gibt nicht mehr viele von ihnen.

Manche werden sich daran erinnern, dass sie von all diesen Fachartikeln, die von Überwachung und Datenbeobachtung handelten, überfordert waren. Dass sie dachten, man kann da eh nichts machen, Datenverschlüsselung am Arsch. Und wie soll das gehen, ohne PayPal, E-Mails, ohne surfen, shoppen, wie kann das alles gehen, fragen sich die Hubers. Sie sind ratlos. Der Kastenwagen hält vor der Haustür. Es klingelt.