S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Die dünne Frau, das Übel der Welt

Die Mitarbeiter der Lifestyle-Hefte und TV-Formate haben es so beschlossen: Die dünne Frau ist out, Fülle liegt im Trend. Endlich mal was Positives! Oder?

Eine Kolumne von


Das Gewicht der Stunde ist leichtes Übergewicht. Entspanntes Aufatmen. Viele Leute mögen es ja, wenn ihr Lebensentwurf von der Lügenpresse abgesegnet wird. Darauf ein Babyschwein. Nach den "Brigitte"-Diäten jetzt der Non-Diät-Tag!

Sarah Connor singt davon, dass jeder schön ist. Glauben tue ich das nicht, glauben tut das kaum einer. Und wer sagt eigentlich, was Über- und was Untergewicht ist? Wir reden hier von einem Wohlfühlgewicht, nicht wahr? Und die Lügenärzte haben da gar nichts zu melden. Wir haben einen neuen Trend, hurra. Wir reden endlich über Frauenkörper, doppelhurra. Der großartige neue Trend geht zum fülligen Modell.

Also zum wohlfühlgewichtigen Frauenmodell. Von Männermodellen ist nicht die Rede. Interessiert auch keine Sau. Die wird gerade durchs Dorf getrieben und ist als dünne Frau verkleidet, eine abstoßend dünne Frau. Die Frau, die ein schlechtes Vorbild ist, weil sie nach der Geburt zu schnell zu schlank wurde. Oder die einen Sixpack hat.

Und der Frauenkrieg kocht wieder

Die schlanke Frau, also vermutlich ein paar Millionen Asiatinnen, Tänzerinnen, Leistungssportlerinnen und jene, die eben einfach nicht dick sind oder nicht dick sein wollen, üben einen unvorstellbaren Druck auf Frauen aus, die eben gerne dünn sein wollen, es aber aufgrund ihrer anatomischen Gegebenheiten oder ihres Essverhaltens eben nicht sind.

Da ist der Frauenkrieg mal wieder am Kochen. Dick gegen dünn, groß gegen klein. Und worum geht es? Darum, schön zu sein. Für wen? Für Geschlechtspartner. Oder für sich selber.

Das Wohlfühlgewicht. Lassen Sie uns endlich Frauenkörper bewerten. Lassen Sie uns, liebe Medienmitarbeiter in bescheuerten Lifestyle-Heften, in TV-Formaten, die "Blitz", "Peng" und "Bumm" heißen, Menschen bewerten, lassen Sie uns Druck aufbauen, Menschen verachten und sie gegeneinander aufbringen.

Woher der Trend?

Jetzt hassen wir die Dünnen. Also: Frauen. Das ist gut, das hilft. Wem eigentlich? Ist der neue Trend zum dicken Menschen eine Abstrafung an die Werbeindustrie, die keine Anzeigen schaltet? An Menschen mit Wohlfühlgewicht verdient doch kein Schwein.

Keine Diäten, keine Cremes, keine Fitnesstudioabos. Warum sollten fülligere Menschen ihre neue, hippe Komfortzone verlassen wollen? Wie also kommt es zu der Trendwende? Ist euch einfach nur langweilig in euren seltsamen Redaktionen, in denen ihr vermutlich kleine Mäuse an den Computern kleben habt? Fällt euch nichts mehr ein, um Leute die Hirne mit Müll vollzustopfen? Obwohl, das sind ja nur Informationsangebote, der mündige Konsument kann sich ja gegen jede Art der medialen Beeinflussung wehren, indem er sie verweigert.

In dieser Saison, ich fasse es noch einmal zusammen, ist es Mode, dünne Frauen für das Übel der Welt, die Tornados, den IS, zur Verantwortung zu ziehen. Nächstes Jahr werden es Frauen mit roten Haaren sein, mit Runen auf der Stirn. Dann wieder Homosexuelle oder einbeinige Frauen. Hurra, du dumpfer manipulativer Stumpfsinn, der viele Menschen natürlich beeinflusst. Aber wie soll man Menschen auch positiv manipulieren, wenn das eigene Hirn voller Mist ist?

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insgesamt 240 Beiträge
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Seite 1
udolf 16.05.2015
1.
Ich hätte schon die erste Idee für Frauenzeitschriften. 23 Wege Fett zuwerden. 15 Stellungen damit er nicht sieht wie schlank sie sind. 100 Rezepte die bei ihnen den Bauumfang wachsen lassen. 10 Fett-Macher im Test: Wie Fett machen sie wirklich? 15 Hilfsmittel damit sie sich weniger bewegen, und schneller Dick zu werden. 25 Tips für Sex mit wenig Kalorien verbrauch.
nilss1990 16.05.2015
2.
Diesen Trend kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Ich bin seit etwa einem halben Jahr wieder schlank (77kg bei 190cm) und werde gelegentlich von fremden Personen angesprochen ob ich magersüchtig bin bzw. genug esse. In den Jahren davor wurde ich, trotz massiven Übergewichts, nie auf meine Körperfülle oder Essverhalten angesprochen. Grundsätzlich finde ich es unverschämt wenn fremde Personen sich dazu berufen fühlen jemanden über sein Gewicht zu belehren, sei es nun Unter-, Normal-, oder Übergewicht
Sueme 16.05.2015
3.
Irgendwie befremdlich wenn Frau nicht zwischen dünn und ungesund abgemagert zu unterscheiden weiß. Keiner hat ein Problem mit dünnen Frauen, aber wenn über dem Knochengerüst nur noch Haut zu finden ist und dieses als Schönheitsideal vermarktet werden soll, dann sollte dem doch entgegen gewirkt werden.
coyote38 16.05.2015
4. Mir egal ...
Meinetwegen können die Lifestyle-Heftchen gerne weiter die Ästhetik von sogenannten "Plus-Size-Models" predigen. Ich habe mein ganzes Leben noch keine übergewichtigen Frauen gedated und werde das auch zukünftig nicht tun. Warum ...? Weil ich große schlanke, knackige "Victorias Secret"-Supermodel-Figuren einfach zum Anbeißen sexy finde. Los ... erschlagt mich, Emanzen und Feministinnen. :)
undog 16.05.2015
5. Prima Artikel Frau Berg!
Ich bin erstaunt, wie locker Sie diesen anti-feministischen / anti-Mainstream Text verfasst haben. Guter Hinweis auf die Asiatinnen - dazu könnte man sich auch Filmaufnahmen aus unseren 60-70zigern ansehen, wo höchsten Twiggy als zu dünn galt und die heutige Durschnittsfrau als fettig. Aber am wichtigsten ist doch folgendes: Männer & Frauen wollen in erster Linie dem anderen Geschlecht gefallen, weshalb sich das gehypte Übergewicht weder auf dem Heirats- noch Arbeitsmarkt noch sonstwo durchsetzen wird.
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