S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Muss man doch mal alles sagen dürfen

Eine Dame kann dem Land der Juden den Kampf ansagen. Und ein gepflegter Rechtsradikaler kann, einfach so, den Arm in die Luft heben: Wundern Sie sich nicht, wenn Sie in der Schweiz mit Propaganda begrüßt werden.

Die Schweiz. Insel der Meinungsfreiheit. Des Volksentscheides. Und der Gerechtigkeit. Naja, der vielleicht nicht. Sagen wir einer im Zusammenleben relativen Annäherung an die Gerechtigkeit, die dem gesunden Volksverstand innewohnt. Bla. Das kleine Land, das meine Heimat ist, zeichnete sich noch nie durch schnelle Entscheidungen aus. Die Langsamkeit im Umgang miteinander, der eine scheinbare Zögerlichkeit innewohnt, ist der Diskussionsfreudigkeit der Bewohner geschuldet.

Man respektiert Instanzen, die Regierung und Vorgesetzte nicht per se, sondern per Argument. Man sucht das Gespräch und nicht den Streit. Jedem Volksentscheid (natürlich nicht über finanzrelevante Themen, denn das Eigentum ist in der Schweiz unantastbar) gehen jahrelange Argumentationsrunden voraus.

Die Argumente (wir fühlen uns unwohl) gaben den Ausschlag bei dem Volkentscheid gegen den Bau von Minaretten. Die Argumente (irgendwie ist uns unwohl) ließen die Initiative, die Zahl der einreisenden Ausländer zu kontingieren, gewinnen. Per Argument wurde vor einigen Jahren die "Weltwoche", die sich im Verständnis vieler Deutscher so wohltuend von den gleichgeschalteten linksversifften Medien unterscheidet, von der Schuld freigesprochen, eventuell ein klitzekleines bisschen Hetze zu betreiben .

Per Argument und Recht musste die Schweizer Bahn tendenziöse oder sagen wir, polemische Statements auf ihrem Bahnhof dulden .

Eine Dame, die in einem sehr wohlhabenden Quartier der Stadt Zürich lebt - aber sind nicht alle Quartiere in Zürich irgendwie wohlhabend? -, kann dem fernen, kleinen Land der Juden den Kampf ansagen. Das musste doch mal gesagt werden.

Und ein gepflegter Rechtsradikaler kann hier auch, wann immer er seine Meinung bekunden will, den Arm in die Luft heben. Kann er das auch vor einem jüdischen Friedhof tun? Nun, das bleibt dann im Fall auszudiskutieren und abzuwägen, denn eigentlich ist die Möglichkeit von Propaganda in der Nähe von Toten eingeschränkt.

So ist das hier, im Land mit den glücklichsten Menschen weltweit. Fühlt sich jemand durch antisemitische Plakate gestört, steht es ihm frei, mit etwas Geld für die Werbefläche und guten Argumenten dagegen zu plakatieren.

Stört er sich am Ausgang einer Volksinitiative, obliegt es ihm, eine Gegeninitiative zu lancieren. Das ist so, im friedlichen Raum der Neutralität. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie zu Besuch kommen und Sie von einem Menschen mit dem Hitlergruß vor einem Propagandaplakat empfangen werden. Oder nationalistische Titel Sie vom Kiosk grüßen. Sie sind nicht im Vorhimmel der Neonazis angekommen, sondern nur in einem neutralen Land.

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