S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Nicht heulen, nackig machen!

Wer als Autorin, Künstlerin oder Wissenschaftlerin Erfolg haben will, möge folgenden Rat beherzigen: Sei stolz auf deinen Körper, dein Kapital! Zieh dich einfach bei jeder Gelegenheit aus.

Eine Kolumne von


Böse lächelnd, lese ich, ein wenig verspätet, den Essay einer amerikanischen Autorin.

Und: Wann immer ein Mensch mehr Beachtung einfordert, scheint rosafarben die Überschrift: "Geh doch heulen" darüber zu schweben. Der Wind da draußen ist rauer geworden, wir alle müssen mehr tun, lauter schreien, mit den Armen fuchteln. So what.

Die Abrechnung der Autorin mit dem Männersystem Literatur aber ist im deutschsprachigen Raum genauso gültig, nur - wer will das wissen? Wer interessiert sich in einer Zeit, in der Leuten gerade live der Kopf abgeschnitten wird, für das Randgruppenhobby Gleichberechtigung Slash Bücher? Die Drei Prozent, die noch welche lesen - vielleicht. Oder die Null Komma null, null, null drei Prozent, die Bücher besprechen - vielleicht.

Eher aber nicht, denn das Essay ist von einer Frau geschrieben, die nicht so erfolgreich ist wie ihre männlichen Kollegen, was einfach auch daran liegen kann, dass sie den breiten Geschmack nicht trifft. Möglicherweise ist es für den einen oder anderen Kritiker auch vollkommen undenkbar, einer Frau Wissen, das über Sexuelles und Erziehungsfragen hinausgeht, zuzugestehen.

Zurück zum Aufsatz.

Wer aus der Position der zugeschriebenen Schwäche argumentiert, wird immer nur quengeln. Wenn sich ein Schriftsteller für seine weiblichen Kolleginnen einsetzen würde, hätte es den Hauch von Gönnerhaftigkeit, ein unlösbarer Konflikt also, bei dem man nur darauf hoffen kann, dass die Zeit die Sache in Ordnung bringen wird. Irgendwann in zweihundert Jahren werden Menschen eventuell wirklich wegen ihrer Leistungen und ohne Hinsicht auf ihr Geschlecht betrachtet, bewertet, bewundert oder verrissen werden.

Und bis das soweit ist, liebe Autorinnen, Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, seid stolz auf eure Körper, euer Kapital. Das man den Enkeln nackig zeigen kann. Oma so: Komm mal her Torben, hier ist deine Oma nackig. Welches Enkelkind wird dazu schon Nein sagen. Um also die männliche Konkurrenz mit den Waffen der Frau (das habe ich immer einmal schreiben wollen) zu schlagen, denn Frauen haben nur zwei Waffen, die allesamt an ihrem Oberkörper befestigt sind, sollten sie sich vom textilen Zwang befreien.

Wenn alle paar Seiten in einem Buch, es kann sich durchaus auch um ein Werk über Kybernetik handeln, ein Nacktfoto der Autorin, egal in welchem Zustand sich ihr Körper aufhält, Fleisch ist Fleisch, befindet, ferner ein schönes Dessous-Foto auf dem Titel winkt, kann man sich der Aufmerksamkeit der Kritik und der männlichen Leserschaft sicher sein.

Wie ungemein erfolgreich und argumentativ Nackig-Sein ist, haben in der Spitzenpolitik ja bereits Femen vorgemacht. Schauspielerinnen zögern nicht lange, wenn es darum geht, sich in ihrem schönsten Naturkleid zu zeigen, und auch Wissenschaftlerinnen könnten sich der Aufmerksamkeit der Fachkollegen sicher sein, wenn sie ihre Vorträge künftig unbekleidet hielten.

Also, liebe Autorinnen, liebe generell Zu-kurz-Gekommenen: Anklage ist absolut unattraktiv, Klageschriften lächerlich. Nicht heulen, ausziehen!



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coyote38 01.11.2014
1. Kolumne mal wieder nicht verstanden ...
Was möchten Sie uns eigentlich sagen, Frau Berg ...? Dass weibliche Autoren einfach nicht so qualitativ hochwertig schreiben können, dass man sie auch OHNE Striptease lesen würde ...? Das ist nicht MEIN Problem ... sollen die Damen doch einfach besser schreiben ...^^ Oder ist das tatsächlich ein Aufruf dazu, dass Frauen mit dem Feminismus-Gender-Blödsinn aufhören und sich wieder ihrer WEIBLICHEN Rolle bewusst werden sollen, indem sie Männern erfolgreich den Kopf verdrehen und SO ihre Ziele erreichen ...? In DEM Fall wäre ich ausnahmsweise sogar mal "bei Ihnen" ...
khertel 01.11.2014
2. Klar, nackig machen ist eine Möglichkeit
Die andere ist Talent oder Wissen. Männern ist die erste Alternative leider verschlossen. Wer nix kann, wird nix. Von daher verstehe ich das Problem der Frau Berg nur bedingt.
vhe 01.11.2014
3.
Oh ja. Nackte Frauen rennen schreiend bösen Diktatoren hinterher - und dann soll ich als Diktator abdanken oder was? Als Dikta - äh - tesse könnte ich das ja noch verstehen, aber derzeit sind sämtliche Dik ... tierenden ja Diktatoren. Berlusconi, der für seine Groupies selber zahlen musste, ist bestimmt neidisch auf Putin. Was Femen also tut, ist das Geschlechterungleichgewicht in der Diktaturbranche zu zementieren, indem sie den Job für Frauen unangenehm und für Männer angenehm machen. Was wollte Femen nochmal erreichen?
movfaltin 01.11.2014
4. Hochklassig
Es gibt doch durchaus hochklassige Autorinnen: Margaret Atwood zum Beispiel, oder meinetwegen Emily Dickinson. Es gibt auch exzellente Wissenschaftlerinnen. (Und dabei denke ich nicht vergangenheitsverhaftet an Frau Curie...) Aber da fallen mir jeweils nur zwei bis drei Namen ein, bei denen ich selbst eine Spitzenqualität attestieren würde; bei den Männern komme ich hingegen bald auf dreistellige Beispielzahlen. Titelbilder von attraktiven Autorinnen mit wenig an helfen bei Minderfertigkeit aber eher auch nicht. Dafür gibt's das Internet und die um der Äußerlichkeit willen angeheuerten Miminnen und Society-Sternchen. In jedem Fall ist da etwas nicht in der Waage. Womit das zusammenhängt (ob die Medianfrau dieselben Sachen gleich gut kann wie der Medianmann), ist eine spannende Frage, die allerdings weder mit wishful thinking noch mit politischer Korrektheit - aber eben auch nicht mit Überlegenheitsdünkel und Genprädeterminismus - schlüssig beantwortet werden kann. Insofern ist die Frage bei Ihnen, werte Frau Berg, und das schließe ich aus Ihren bisherigen Verlautbarungen mit Verlaub, eher stiefmütterlich aufgehoben - und wird eben weder schriftstellerisch noch wissenschaftlich eine genügende Würdigung erfahren können.
remide.v. 01.11.2014
5. Ich seh etwas, was Du nicht siehst
Auch wenn das jetzt sicherlich spooky klingen mag, aber es gibt gesellschaftliche Randgruppen, welche von einem sonderlichen Phänomen wissen, das man "Ironie" zu nennen pflegt...
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