S.P.O.N. - Helden der Gegenwart Und jetzt 'ne Nase Printerkoks

Schön, dass jeder 3-D-Drucker-Besitzerdussel sich Waffen ausdrucken kann. Noch schöner, dass das nun bald auch mit Nudeln geht oder womöglich gar mit Drogen. Und am allerschönsten, dass diese neuen Printer-Wundermaschinen auch die deutschen Verlage retten werden.

Zwei Fragen haben mich viele Jahre lang beschäftigt. Wie sind die Aldi-Brüder so reich geworden? Und wieso bleiben die Hartz-IV-Empfänger so ruhig, warum begehren sie nicht auf gegen die Politik, der sie ausgesetzt sind? Der Fund von 140 Kilo Kokain in den Bananenkartons bei Aldi in Berlin könnte nun beide Fragen auf einmal beantworten.

Etwa zeitgleich wurde bekannt, dass der Pasta-Produzent Barilla an einem 3-D-Drucker für Nudeln arbeitet. Dachte ich zuerst, das bedeute, man müsse Hartweizengrieß, Eier, Salz und Öl in einen Trichter am Drucker füllen und knatterdiknatter käme unten die Nudel raus, ist es noch viel einfacher: Barilla will die Druckerpatronen liefern, also Nudelteigdruckerpatronen. Und der Besitzer des Apparats kann die Nudel in seinem Lieblingsmotiv herstellen. Dann gäbe es Hakenkreuz-Nudeln beim NPD-Parteitag, Titten und Wummen für die Hells Angels und Highheels und Stilettos für Frauen mit einem sogenannten Schuhtick.

Abgesehen davon, dass ich bislang annahm, Nudelmaschinen arbeiteten ganz ähnlich - Teig rein, Nudel raus - eröffnet diese Meldung eine Vorstellung von der Vielzahl der Einsatzmöglichkeiten der 3-D-Drucker. Hatte ich es so verstanden, dass heute bereits so mancher 3-D-Drucker-Besitzerdussel problemlos funktionierende Waffen ausdrucken kann und Plastikgabeln, ist es umso schöner zu wissen, dass es auch ein Leichtes sein wird, Schokolinsen oder Emmentaler herzustellen.

Ausgedruckte Panzer und Schützengräben

Auch wird der lästige Gang zu Aldi entfallen, wo man sich seinen Tagesbedarf an Stimmungsaufhellern mühsam zusammensuchen muss - eine Kiste Bananen für die Nase, eine Packung Gletscherkrone "Gourmet Flakes", der hoffentlich der tägliche Bedarf an Crystal-Flocken beiliegt, eine Packung Ostfriesentee, aus der man mühsam den Schwarzen Afghanen rausfummelt, Steinpilzrisotto, in dem man die Magic Mushrooms mit der Lupe suchen muss. Auch das wird alles viel einfacher! Einschlägige Händler werden - wahrscheinlich mit dem Spezial-Drohnenlieferservice "Drugdrone" - Drogendruckerpatronen verschicken, und der Printer wird à la minute servieren. Die vorgemischte Ladung rein - und heraus kommen Pillen oder Kristallimitationen mit Erlebnisfaktor.

Wir werden die aktuelle Kultserie "Breaking Bad" anschauen, wie wir heute "Drei Nüsse für Aschenbrödel" anschauen oder "Raumschiff Orion" - als Relikt einer anstrengenden, aber in ihrer Naivität unglaublich putzigen Zeit. Walter White wird der Sam Walton der kommenden Generation - ein rühriger Opa, der in Handarbeit das Crystal köchelt.

Abgesehen davon, dass die Entwicklung und Vervollkommnung der 3-D-Drucker eines Tages den herkömmlichen Lebensmittelhandel, die Firma Lego und Schuhgeschäfte überflüssig machen wird, spuckt der Barilla-Drucker seine Nüdelkes aktuell noch sehr, sehr langsam aus. Eine Zeit, die die jammernde Verlagsbranche nutzen sollte, sich auf die kommende Revolution vorzubereiten. Finden die Printhäuser bislang keine zuverlässige Antwort auf die Frage, wie sie mit Online-Inhalten langfristig richtig viel Schotter verdienen, so dürften sie jauchzen in Anbetracht der Marktlücken, die die Renaissance des guten alten Handwerks und der Heimarbeit dank des 3-D-Druckers offeriert.

Das Inhaltehaus Gruner + Jahr würde mit "Druckerchefkoch.de - das Nudelmagazin" Maßstäbe setzen, der Bauer-Verlag wäre mit einer 3-D-Druck-Ausrichtung seines Herrenmagazins "Selbst ist der Mann" ganz weit vorn, und SPIEGEL-Leser könnten begleitend zum Heft mit selbstausgedruckten Panzern und Schützengräben die wichtigen Schlachten der Weltkriege nachspielen. Ungeschlagen erfolgreich aber wäre natürlich das Magazin "Landlust", das endlich seinen Großstadtlesern die Möglichkeit geben könnte, an die schneebedeckten Beeren und Kürbisse zu kommen, die sie zum Lichterkettenhäkeln brauchen.

Für Aldi ist es wahrscheinlich zu spät. Aber Verleger haben noch eine Chance. Die sollten sie nicht verpassen.

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