Skandal um Judenwitze Strafanzeige gegen "Big Brother"-Kandidaten

In Deutschlands Fernseh-WG wurden antisemitische Witze gemacht. Ein Skandal mit Folgen: Bayerische Medienwächter wollen jetzt Strafanzeige erstatten und fordern sogar eine Einstellung des Formats.

München - Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) hat nach den antisemitischen Ausfällen in der Containershow "Big Brother" strafrechtliche Konsequenzen gefordert. BLM-Chef Wolf-Dieter Ring kündigte heute in München an, gegen die Urheber der Verunglimpfung Strafanzeige zu erstatteten. Außerdem lehnt der Medienrat der BLM einer gestern verabschiedeten Resolution zufolge Formate ab, "die Menschen in eine Käfigsituation bringen" und fordert die verantwortlichen Sender auf, diese Formate einzustellen.

Somit folgt der Medienrat weitgehend einem Vorschlag von Bayerns Medienminister Erwin Huber (CSU). Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) zufolge, sagte der Politiker im Aufsichtsgremium der BLM, Sendeformate dieser Art sollten in einem Kulturland gar nicht ausgestrahlt werden. "Wir appellieren an die Verantwortung der Sender, die ihnen zugestandenen Freiräume nicht zu missbrauchen", sagte Ring. Rechtlich gebe es aber keine Möglichkeit, solche Formate zu verbieten, so der Minister. "Das wäre Zensur."

In der von der Firma Endemol produzierten Show hatte Kellner Michele aus Hamburg in einer Nacht Anfang Oktober bei einem Umtrunk auf der Terrasse Judenwitze erzählt. Beim Abosender Premiere wurden die Ausfälle live ausgestrahlt. In den Zusammenfassungen auf RTL 2 und Tele 5 waren die Passagen herausgeschnitten worden. Bei Premiere hat Senderchef Georg Kofler den verantwortlichen Redakteuren mittlerweile gekündigt.

Micheles Diffamierungen waren jedoch kein Einzelfall. Bereits im März dieses Jahres, kurz nach Beginn der fünften Staffel, kam es zu antisemitischen Ausfällen, die ebenfalls von Premiere live gesendet wurden. Wie Premiere-Sprecher Dietrich Wöstehoff gestern bestätigte, seien bereits im März diffamierende Witze gemacht worden, daraufhin seien bereits damals zwei Redakteure entlassen worden. Wie die "SZ" heute meldete, hatte der Zentralrat der Juden davon erfahren und nach eigenen Angaben im Juni sowohl bei RTL-2-Geschäftsführer Josef Andorfer als auch bei Premiere protestiert.

Die Reality-Formate der privaten Sender werden für die Fernsehkontrolleure damit zum gravierenden Problem, zumal neben "Big Brother" möglicherweise auch die Schönheits-OP-Sendungen auf MTV und anderen Kanälen gegen geltendes Mediengesetz verstoßen.

Dennoch sieht Ring, der auch Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) bei den Landesmedienanstalten ist, das Kontrollsystem für private TV-Anstalten durch die antisemitischen Witze bei "Big Brother" nicht in Gefahr. Die Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) werde von den Landesmedienanstalten überwacht. Sie biete die Chance, dass die Sender problematische Programme vor der Ausstrahlung den eigenen Gremien vorlegten und viele Verstöße erst gar nicht stattfänden, sagte Ring der "SZ". Die Landesmedienanstalten wollten und dürften keine Zensur ausüben.

Ring räumte allerdings ein, dass die Sender mit Selbstanzeigen "doch sehr zurückhaltend" seien. Im Falle der judenfeindlichen Witze, hätte der verantwortliche Sender RTL 2 den kooperierenden Bezahlsender Premiere auf die Sequenzen aufmerksam machen können, fügte Ring hinzu.

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