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Frauennabel: Süß, sinnlich - erotisch?

Foto: Peter Wagner

Skurrile Speisenamen Und zum Nachtisch einen Frauennabel, bitte

Pfaffenwürger, Nonnenfürzchen, Besoffener Kapuziner, Frauennabel - in der Top Ten der kuriosesten Speisenbezeichnungen haben Kirche und die Damenwelt die Nase vorn. Macht nichts, denn zwischen Erotik und Erbauung zählt nur eines: Schmecken muss es.

Nicht nur das Auge isst mit. Allein die Bezeichnung von Speisen auf Menükarten oder in Rezeptbüchern lassen das Gehirn bestimmte Geschmackserwartungen, aber auch wüste Assoziationsketten formen. Dabei kommt so manches Zerrbild zutage, denn nicht immer ist Nomen omen. Vor allem, wenn der Namen Amen ist, kommt diebische Freude auf bei den Sprachgauklern.

Selten ist der Fall so klar wie bei den Strangolapreti. Diese einfachen, aber extrem schmackhaften Klößchen aus altbackenem Weißbrot und Spinat bekamen ihren Namen von einem Priester in der süditalienischen Basilikata. Im späten Mittelalter trieb der Klerus Pacht und Steuern oft in der Form von Speisen ein. Ein besonders gefräßiger Priester konnte bei einer Bauersfrau nicht genug bekommen von diesen Bällchen, verschluckte sich daran und erstickte jämmerlich. Der Name "Pfaffenwürger" ward geboren.

Besoffener Kapuziner mit Nonnenfürzchen

Während schon die Drohung "Besoffene Kapuziner" beim österreichischen Kaffeekränzchen Kinder und Alkoholabstinente klar und deutlich dazu verdammt, den gläubigen Genießern dabei zuzusehen, wie sie ihre Haselnussschnitten in einen schweren Glühweinsud dippen, sind Gerichte wie Franziskusputer, Ohnmächtiger Imam oder Nonnenfürzchen nicht so schnell zu erraten. Mit dem Armuts- und Buße-Gedanken des Franz von Assisi lässt sich die mittels mächtig Sahne, Butter und Honig aufgejoulte Franziskusputer-Zubereitung jedenfalls ebenso schwierig in Einklang bringen, wie die Frage zu beantworten ist, ob der erste Imam, der jene vegetarisch gefüllten und im Ofen gebackenen Auberginen gegessen hat, wirklich aus Freude in Ohnmacht gefallen ist - wie es die Bezeichnung "mam bayld" suggeriert.

Noch problematischer erscheint dieses Kloster-Rezept aus dem Frühbarock: "Nimm ein halb pfund mehl, einen halben schoppen milch, ein viertel schoppen rosenwaser, laß es sieden, rühre mehl hinein biß es trocken ist; immer über dem feuer, schlage 4 eyer darein, bis es recht ist, wie ein dicker teich, dann wie ein nuß groß in das heiße fett gethan, lasse es backen nicht zu schnell und wohl getreifft." Dieses typische Brandteig-Schmalzgebäck hieß im Mittelniederdeutschen zunächst "nunnenenfurt" ("Von Nonnen gut zubereitet"), wurde aber rasch zum ähnlich klingenden Nonnenfürzchen.

Granatapfelkerne im Nabel der Welt

Ebenfalls aus Brandteig - und wie sein christliches Schwesterchen wegen des hüftvergoldenden Frittierfettanteils ein echter Kampfstern Kalorika - wird der "hanim göbegi" hergestellt, der "Frauennabel". Dieses Dessert aus Brandteig bekommt durch das Eindrücken einer tiefen Mulde in das Teigbällchen einen "Nabel", der auch nach dem Frittieren bestehen bleibt und dessen erotische Anmutung durch Zugabe von Rosenblütenwasser und Granatapfelkernen gesteigert werden kann.

Diese sagenumwobene Beerenfrucht des Granatbaumes, der in Afghanistan, Iran, Mittelasien, in den Mittelmeerländern und in Brasilien angebaut wird, endet wegen der großen Samenmenge meist als süß-säuerlicher Saft. Schade, denn im gesamten arabischen Raum ist der Granatapfel eine der beliebtesten Früchte in Desserts und süßen Snacks. Obwohl Granatäpfel vergleichsweise wenig Vitamine aufweisen, sollen sie eine medizinisch hilfreiche Wirkung bei Gelenkentzündungen, Angina Pectoris und sogar Prostatatumoren haben, sowie aphrodisische Wirkung entfalten.

Die Früchte sind mehrere Monate ohne Qualitätsverluste bei 0-5 Grad im Kühlschrank haltbar. Die Hauptsaison geht von September bis Dezember, der deutsche Markt wird überwiegend aus Spanien (die spanische Stadt und Provinz Granada ist nach dieser Frucht benannt), der Türkei, Israel und dem Iran beliefert. Der stark gesüßte Sirup aus Granatapfelsaft findet als "Grenadine" in vielen Cocktails (z.B. "Tequila Sunrise") Verwendung, zum Kochen ist der dunkelrote, saure Sirup aus dem orientalischen Feinkostladen besser geeignet.

Auf jeden Fall aber sorgt die Verbindung von weiblichen Nabelformen, schmackigem Brandteig, Rosenblütenwasser und Granatapfel bei vielen Süßkramfreunden für mehr oder weniger sinnliche Assoziationen, mit denen das echte Leben natürlich nicht immer Schritt hält: Die Frauennabel werden mit den Fingern gegessen, was je nach Situation zu erotischen Momenten führen kann.

Oder einfach nur zu klebrigen Händen.

Rezept für Frauennabel mit Granatapfel (Dessert für 4 Personen)

Vorbereitungszeit: 15 Minuten

Zubereitungszeit: 20 Minuten

Schwierigkeitsgrad: einfach

Zutaten

250 g Weizenmehl

200 ml Milch

200 ml Wasser

100 g Butter

3 Stück Eier

1 Tl Schalenabrieb von der Biozitrone

1 l Erdnussöl

1 Stück Granatapfel, vollreif

80 ml saurer Granatapfelsirup (aus dem arabischen Feinkostgeschäft)

100 ml Wasser

2 Tl Rosenblütenwasser

100 g Rohrzucker

Zubereitung

Butter in der Milch-Wasser-Mischung bei niedriger Temperatur in Topf zerlassen, langsam das Mehl mit Holzlöffel einrühren, bis sich der Teig vom Topfrand löst. 10 Min. neben dem Herd ruhen lassen. Nach und nach die Eier und die Zitronenschale mit Holzlöffel (wichtig!) in den Teig einarbeiten.

Handflächen einölen und aus dem Teig Kugeln von ca. 4 cm Durchmesser formen. Kugeln jeweils mittig tief mit dem Daumen eindrücken ("Nabel"). Kugeln bei 160 Grad in dem Öl frittieren (Tipp: erst eine Probekugel herstellen, aufbrechen und kontrollieren, ob der Teig gleichmäßig durch ist. Diese Frittierzeit dann auf alle anderen Kugeln anwenden). Auf Krepp entfetten.

Granatapfel mittig teilen und mit Löffel die Kerne auskratzen. Kerne in Topf zusammen mit dem Granatapfelsirup leicht erhitzen, warm stellen.

Zucker in flachem, großen Topf im Wasser mit dem Rosenblütenwasser langsam zu klarem, gut flüssigen Karamell einkochen.

Anrichten

Bällchen im Zuckerkaramell tränken, in großer Schale auf Walnusskernen betten und mit den warmen Granatapfelkernen belegen. Die Frauennabel werden normalerweise mit den Fingern gegessen, man kann aber auch ein Dessertbesteck aufdecken.

Küchen-Klang

Sinnlich, schweißperlig und in jeder Note hochassoziativ sind auch die Songs, die Gitarrist/Produzent Daniel Lanois (U2, Dylan, Young, Eno etc.) vor seinem schweren Motorradunfall für sein Soloprojekt "Black Dub" (Zomba/Sonymusic) aufgenommen hat: trockene Dub-Grooves treffen auf Americana-Sehnsucht, Wave-Zitate und große Pop-Momente.

Getränketipp

In den arabischen Originalzubereitungen mit bis zu sechsfachen Zuckermengen im Vergleich zu unserem Rezept hätte kein Dessertwein eine Chance, denn die Speise sollte nie süßer schmecken als der Wein. Hier jedoch dominieren Karamell, Rosenwasser und Granatapfel, weswegen ein gut gemachter Muskatwein das Dessert wesentlich bereichern kann - wie zum Beispiel der edle portugiesische J.M. da Fonseca Moscatel de Setúbal Alambre DOC 20 Years*, der mit tiefen Aromen zwischen Honig und Mandeln nicht nur zu orientalischem Süßkram eine tolle Figur macht.


* Bezugsquellen
J.M. da Fonseca Moscatel de Setúbal Alambre DOC 20 Years z.B. bei Belvini .