Social Gaming Die Spieleindustrie entdeckt die Online-Netzwerke

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MENSCHEN, DIE AUF DER GANZEN WELT verteilt am Computer sitzen und doch miteinander spielen, Schabernack treiben oder kleine Kämpfe austragen - ohne aufwendige Technik, ohne viel Geld auszugeben: Das ist "Social Gaming". Und es ist die Vision von Paulina Bozek, 32: "Ich finde es spannend zu sehen, wie Menschen sich gegenseitig überraschen können, sich spielerisch ausdrücken." Die Spieleentwicklerin aus London glaubt, dass Menschen spielen wollen, aber nicht unbedingt mit teuren, aufwendigen Hochglanzprodukten. Die meisten interessieren sich, so ihre These, für kleinere, schnellere Unterhaltungsprogramme. Wie die simple Fotobearbeitungssoftware "Photo Sauce", die Bozek in ihrem Studio entwickelte und die jetzt eine der beliebtesten Anwendungen im sozialen Netzwerk geworden ist. Damit kann man digitale Fotos mit Aufklebern verzieren und so Quatschbotschaften versenden. In den nächsten Jahren werden solche Spaßprogramme zu einem der wichtigsten Zweige der Spieleindustrie werden.

Große Spielehersteller kaufen derzeit kleine Studios, die sich ausschließlich mit der Entwicklung solcher Spielchen beschäftigen. Bei Atari glaubt man auch an die enorme zukünftige Bedeutung des "Social Gaming" und hat deshalb Paulina Bozek als Expertin engagiert. Sie hat mit den Karaokespielen "Singstar" eine der erfolgreichsten Spielereihen der vergangenen Jahre erfunden: "Bei Singstar geht es nicht um das, was auf dem Bildschirm passiert, sondern um das, was davor geschieht, um Gemeinsamkeit." Die Zukunft liege deshalb in sozialen Online-Netzwerken, glaubt sie, denn auch dort gehe es um Gemeinsamkeit, wenn auch um eine über die ganze Welt verteilte: "Man spielt zusammen, ist aber nicht am selben Ort." Vielleicht aber ist es auch nur geteilte Einsamkeit. Die nächsten Jahre werden es zeigen.