Sony World Photo Awards Im Angesicht des Sturms

Wirbelstürme, Kriegsbilder, Portäts: Bei den renommierten Sony World Photo Awards wurden Aufnahmen der besten Fotografen der Welt ausgezeichnet. Auch Deutsche waren unter den Siegern. Eine Auswahl der prämierten Bilder.


London/Hamburg - Aufgewachsen ist Mitch Dobrowner auf Long Island, gleich neben New York City - und damit weitab der "Tornado Alley", jener berüchtigten staubigen Zone im Mittleren Westen der USA, die besonders häufig von ebenso imposanten wie zerstörerischen Wirbelstürmen heimgesucht wird. Vielleicht erklärt sich gerade aus dieser Distanz die Faszination, die diese Naturgewalten bereits in der Kindheit auf Dobrowner ausübten, wie sich der angesehene Naturfotograf in der Online-Ausgabe des "Time"-Magazins erinnert.

Mittlerweile ist Dobrowner selbst dreifacher Vater, doch in den vergangenen Jahren hat er sich einen Kindheitstraum erfüllt. Gemeinsam mit dem versierten Sturmjäger Roger Hill und mit seiner Kamera bewaffnet verfolgte er Tornados durch die Great Plains - und entwickelte im Lauf der Zeit fast so etwas wie ein persönliches Verhältnis zu den Tornados. "Heute betrachte ich diese Stürme als atmende, lebende Objekte", schrieb Dobrowner im "Time"-Magazin. "Sie nehmen so viele verschiedene Erscheinungsformen, Gesichter und Charakterzüge an."

Oft kehrte er mit neuen Trophäen in Form einzigartiger Aufnahmen zurück. Für die im Lauf dieser Jahre entstandene Bilderserie ist Dobrowner jetzt bei den Sony World Photography Awards zum "Fotografen des Jahres" gekürt worden. Am Donnerstagabend wurde der begehrte Preis "L'Iris d'Or" in London an den US-Fotografen übergeben - Dobrowner kann sich außer über die Ehre auch über das Preisgeld von 25.000 Dollar und eine DSLR-Kameraausrüstung des Sponsors Sony freuen.

Insgesamt umfasst die Fotoserie "Storms" mehrere Dutzend Aufnahmen - SPIEGEL ONLINE präsentiert exklusiv alle zehn der Arbeiten, die Dobrowner für den Wettbewerb einreichte.

Die neunköpfige Jury prämierte außer dem Hauptgewinner Dobrowner noch die Sieger in 13 weiteren Profi-Kategorien sowie jeweils einen in den Studenten-, Jugend- und Amateurwettbewerben (eine Übersicht der Siegerfotos sehen Sie in dieser Fotostrecke). Unter den prämierten Arbeiten finden sich auch jene des Briten Simon Norfolk in der Kategorie "Menschen", der im zehnten Jahr des Afghanistan-Kriegs Nato-Soldaten, Stammesälteste und Bauern mit Gruppenfotos in Szene setzte - die Schwarzweißaufnahmen vermitteln in ihrer Ästhetik nicht zuletzt durch das sorgsame Arrangement einen seltsamen Anachronismus. Unmittelbar erinnern sie an Bilddokumente aus dem Ersten Weltkrieg.

Unter den Ausgezeichneten finden sich auch deutsche Fotografen: Peter Franck etwa gewann die Auszeichnung gleich in zwei Kategorien. In beklemmenden Aufnahmen setzt er die Behandlungsstühle von Zahn-, Frauen- oder Tierärzten wie Foltergeräte in Szene - dafür erhielt er den Preis für "Kampagnen". Francks Sieger-Serie für die Kategorie "Mode" setzt eine originelle Idee überzeugend um: Die Models räkeln sich hier unter Küchen- oder Wohnzimmertischen im Retro-Stil; durch die Vogelperspektive der Fotografien ist jeweils nur jener Körperteil der Frauen zu sehen, der durch das zu inszenierende Kleidungsstück bedeckt ist.

Sieger im offenen Wettbewerb wurde ebenfalls ein Deutscher: Der 29-jährige Software-Entwickler Tobias Bräuning gewann in der neu eingeführten Kategorie "Split Second" - übersetzt etwa "Im Bruchteil einer Sekunde" - mit der Aufnahme einer Tröpfchenkollision. Für die technisch aufwendige Arbeit erhält Bräuning ebenso wie Hauptsieger Dobrowner eine Kameraausrüstung - sowie ein Preisgeld von 5000 Dollar. Zudem darf er sich nun "Amateurfotograf des Jahres" nennen.

Der "L'Iris d'Or" zählt zu den prestigeträchtigsten Auszeichnungen für Fotografen, obwohl der Preis erst im Jahr 2007 ins Leben gerufen wurde. Seit dem vergangenen Jahr findet die Preisverleihung im Rahmen des World Photography Festivals in London statt. Im Wettbewerb der professionellen Fotografen gibt es insgesamt 14 Preiskategorien.

Einen Preis für sein Lebenswerk erhielt der ebenso bedeutende wie vielseitige William Klein. Der 84-jährige gebürtige New Yorker studierte Soziologie, bevor er 1948 nach Paris zog und dort als Maler, Filmregisseur und Fotograf reüssierte. Unter anderem arbeitete er mit Regisseuren wie Luis Malle und Federico Fellini zusammen, als Modefotograf für die "Vogue" trug er bis Mitte der sechziger Jahre viel zu einem neuen Look des Genres bei. Das Centre Pompidou widmete ihm gleich zweimal eine Ausstellung - 1983 und 2005.

Die prämierten Werke werden noch bis zum 20. Mai im Somerset House in London gezeigt.

fdi

insgesamt 10 Beiträge
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MrStoneStupid 27.04.2012
1. Sorry aber ...
... das sind größtenteils schlechte Bilder (jetzt mal von den Sturmfotos und dem bunten Tropfenbild abgesehen), jedenfalls nix besonderes gutes. Ähnliches ist mir auch schon bei Unicef-"Foto des Jahres" (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,804733,00.html) aufgefallen. Bin mal neugierig auf eine zukünftige Supercomputerbewertung dieser Bilder - ich vermute, dass dann andere Bilder weitaus besser bewertet werden. (imho)
uchawi 27.04.2012
2. Was ist bloß dran an diesem Nachtclub-Bild?
Könnte mir mal irgendeiner erklären, was an Bild 11 dran ist (das ist die blonde Sängerin in diesem ärmlichen Nachtclub in Sotschi)? Dieses Bild hat jetzt schon den zweiten großen Preis abgefasst. Ich finde es weder technisch, noch vom Motiv oder der Bildaufteilung her gut. Offenbar setzen die Juroren solcher Wettbewerbe andere Kriterien an ...
posten 27.04.2012
3.
wieso kommt eigentlich niemand auf die Idee auch bei der Kunst die Quotenregelung einzuführen??? Es kann ja wohl nicht angehen, dass von 20 Preisen 16 an einzelne Männer gehen. Und dann noch für blöde Wirbelsturmbilder anstatt süßer Beeebies. Jaja, es bleibt noch viel zu tun.
oli h 27.04.2012
4.
Bin selber hobbymäßig am Fotografieren und was an diesen Bildern Weltklasse ist erschließt sich mir ebenfalls nicht. Auch die Sturmfotos, die sehen gut aus weil eben das Motiv sehr interessant ist. Aber man müsste glaube ich nicht einer der weltbesten Fotografen zu sein, um so ein Foto zu machen. Wahrscheinlich braucht es einen großen Namen und dann reicht auch ein formatfüllendes Foto einer A4-Seite.
oli h 27.04.2012
5.
Bin selber hobbymäßig am Fotografieren und was an diesen Bildern Weltklasse ist erschließt sich mir ebenfalls nicht. Auch die Sturmfotos, die sehen gut aus weil eben das Motiv sehr interessant ist. Aber man müsste glaube ich nicht einer der weltbesten Fotografen zu sein, um so ein Foto zu machen. Wahrscheinlich braucht es einen großen Namen und dann reicht auch ein formatfüllendes Foto einer A4-Seite.
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