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01. Mai 2014, 00:31 Uhr

Sony World Photography Awards

Die Gewalt der Bilder

Sara Lewkowicz fotografierte, wie ein Mann seine Freundin schlägt. Für ihre Serie "Shane and Maggie" erhält sie den Hauptpreis des Sony World Photography Award - sehen Sie ihre Bilder und die der anderen Gewinner.

Hamburg/London: Eigentlich wollte Sara Naomi Lewkowicz eine Geschichte über rückfällige Straftäter erzählen. Eine Geschichte über Menschen, die wieder und wieder im Knast landen. Über Menschen wie Shane.

Am Ende hatte Lewkowicz dann eine Story über häusliche Gewalt fotografiert. Sie wurde in diese Geschichte hineingezogen, ohne dass sie es wollte. Doch weil sie Shane und seine Freundin viele Tage begleitete, wurde Lewkowicz Teil ihres Lebens. Sie wurde unsichtbar für die beiden. "Wenn man lange genug mit Menschen spricht, wird man Teil ihres Lebens wie ein Möbelstück", sagt die Fotografin.

Lewkowicz zeigt, wie der junge Mann wütend wird, wie er schreit, seine Muskeln anspannt, wie er seine Freundin Maggie schlägt, wie sie weint. Und wie Maggies kleine Kinder Zeugen der Schläge im Haus werden. Für ihre Fotoserie "Shane and Maggie" ist Lewkowicz nun mit dem Iris d'Or genannten Hauptpreis und dem Titel Photographer of the Year ausgezeichnet worden. Der Hauptpreis des Sony World Photography Award ist mit 25.000 US-Dollar dotiert.

Die 31-jährige amerikanische Fotografin setzte sich mit ihren Arbeiten gegen rund 140.000 Beiträge aus 166 Ländern durch - die höchste Zahl von Einsendungen in der siebenjährigen Geschichte der Awards. Der Preis ist mit 25.000 Dollar dotiert. "Vibrierende Farben, spannungsgeladen, dramatisch und ungeheuer eindrucksvoll, intim und verstörend provokativ", lobt der Juryvorsitzende W. M. Hunt die Serie.

"Die Leute betrachten die Fotos und fühlen sich hilflos, weil sie eine schreckliche Sache sehen", sagt die Fotografin über ihre Serie. "Häusliche Gewalt ist kein Problem von Frauen, sondern ein Problem von Menschen - und es ist kein privates Problem, es ist jedermanns Problem."

Neben Lewkowicz wurden noch weitere 17 Fotografen für ihre Arbeiten ausgezeichnet. Zum People Photographer of the Year wurde Mario Wezel gekürt. Der 1988 in Nürtingen geborene Fotograf siegte in der Kategorie "Menschen". Seine Serie "One in eight hundred" widmet sich Kindern mit Down-Syndrom. Dabei dokumentiert Wezel vor allem das Leben des Mädchens Emmy und ihrer Familie.

Paulina Metzscher gewann den Jugendwettbewerb mit einem Foto, das sie in einem chinesischen Nachtzug aufgenommen hat. "Das Mädchen, das auf dem Bild zu sehen ist, weckte vom ersten Augenblick an meine Aufmerksamkeit", sagt die Fotografin.

Der chinesische Amateurfotograf Chen Li erhielt die Auszeichnung Open Photographer of the Year. Sein "Rain in an ancient town" wurde als bestes Einzelfoto eines Amateurs oder Fotoenthusiasten ausgezeichnet. Und den Preis für "Außergewöhnliche Leistungen für die Fotografie" erhielt Mary Ellen Mark. Sie gilt als eine der einflussreichsten Fotografinnen der Welt.

kha

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