Sony World Photography Awards Die Gewalt der Bilder

Sara Lewkowicz fotografierte, wie ein Mann seine Freundin schlägt. Für ihre Serie "Shane and Maggie" erhält sie den Hauptpreis des Sony World Photography Award - sehen Sie ihre Bilder und die der anderen Gewinner.

Sara Lewkowicz

Hamburg/London: Eigentlich wollte Sara Naomi Lewkowicz eine Geschichte über rückfällige Straftäter erzählen. Eine Geschichte über Menschen, die wieder und wieder im Knast landen. Über Menschen wie Shane.

Am Ende hatte Lewkowicz dann eine Story über häusliche Gewalt fotografiert. Sie wurde in diese Geschichte hineingezogen, ohne dass sie es wollte. Doch weil sie Shane und seine Freundin viele Tage begleitete, wurde Lewkowicz Teil ihres Lebens. Sie wurde unsichtbar für die beiden. "Wenn man lange genug mit Menschen spricht, wird man Teil ihres Lebens wie ein Möbelstück", sagt die Fotografin.

Lewkowicz zeigt, wie der junge Mann wütend wird, wie er schreit, seine Muskeln anspannt, wie er seine Freundin Maggie schlägt, wie sie weint. Und wie Maggies kleine Kinder Zeugen der Schläge im Haus werden. Für ihre Fotoserie "Shane and Maggie" ist Lewkowicz nun mit dem Iris d'Or genannten Hauptpreis und dem Titel Photographer of the Year ausgezeichnet worden. Der Hauptpreis des Sony World Photography Award ist mit 25.000 US-Dollar dotiert.

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18  Bilder
Fotoprojekt "Shane and Maggie": Die Geschichte einer Gewalttat
Die 31-jährige amerikanische Fotografin setzte sich mit ihren Arbeiten gegen rund 140.000 Beiträge aus 166 Ländern durch - die höchste Zahl von Einsendungen in der siebenjährigen Geschichte der Awards. Der Preis ist mit 25.000 Dollar dotiert. "Vibrierende Farben, spannungsgeladen, dramatisch und ungeheuer eindrucksvoll, intim und verstörend provokativ", lobt der Juryvorsitzende W. M. Hunt die Serie.

"Die Leute betrachten die Fotos und fühlen sich hilflos, weil sie eine schreckliche Sache sehen", sagt die Fotografin über ihre Serie. "Häusliche Gewalt ist kein Problem von Frauen, sondern ein Problem von Menschen - und es ist kein privates Problem, es ist jedermanns Problem."

Neben Lewkowicz wurden noch weitere 17 Fotografen für ihre Arbeiten ausgezeichnet. Zum People Photographer of the Year wurde Mario Wezel gekürt. Der 1988 in Nürtingen geborene Fotograf siegte in der Kategorie "Menschen". Seine Serie "One in eight hundred" widmet sich Kindern mit Down-Syndrom. Dabei dokumentiert Wezel vor allem das Leben des Mädchens Emmy und ihrer Familie.

Paulina Metzscher gewann den Jugendwettbewerb mit einem Foto, das sie in einem chinesischen Nachtzug aufgenommen hat. "Das Mädchen, das auf dem Bild zu sehen ist, weckte vom ersten Augenblick an meine Aufmerksamkeit", sagt die Fotografin.

Der chinesische Amateurfotograf Chen Li erhielt die Auszeichnung Open Photographer of the Year. Sein "Rain in an ancient town" wurde als bestes Einzelfoto eines Amateurs oder Fotoenthusiasten ausgezeichnet. Und den Preis für "Außergewöhnliche Leistungen für die Fotografie" erhielt Mary Ellen Mark. Sie gilt als eine der einflussreichsten Fotografinnen der Welt.

kha



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
saba1 01.05.2014
1. Grauenhaft
Zitat von sysopSara LewkowiczSara Lewkowicz fotografierte, wie ein Mann seine Freundin schlägt. Für ihre Serie "Shane and Maggie" erhält sie den Hauptpreis des Sony World Photography Award - sehen Sie ihre Bilder und die der anderen Gewinner. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sony-world-photography-awards-gewinner-2014-sara-naomi-lewkowicz-a-966954.html
Jeder, der schon mal fotografiert hat, weiß, welchen Einfluss er auf Menschen vor der Linse und ihr Verhalten hat. Diese Fotografin gehört nicht ausgezeichnet, sie gehört angeklagt ...
Altesocke 01.05.2014
2. Was erwartet ....
eine Fotografin von jemandem, der sich einen Namen so taetowieren laesst? Da koennte schon fast Berechnung unterstellt werden. RTL- artiger Bilderband, Unterschicht zur Unterhaltung der Masse blossgestellt. Nebenbei: Entweder Knebelvertraege (mit Geld) gemacht, oder gestellt. Ansonsten waere dieses Bild im Nachhinein geloescht, bzw. nie veroeffentlicht worden! Oder die Fotografin haette auch eine gefangen!
dirsch 01.05.2014
3.
Zitat von Altesockeeine Fotografin von jemandem, der sich einen Namen so taetowieren laesst? Da koennte schon fast Berechnung unterstellt werden. RTL- artiger Bilderband, Unterschicht zur Unterhaltung der Masse blossgestellt. Nebenbei: Entweder Knebelvertraege (mit Geld) gemacht, oder gestellt. Ansonsten waere dieses Bild im Nachhinein geloescht, bzw. nie veroeffentlicht worden! Oder die Fotografin haette auch eine gefangen!
So von Äußerlichkeiten auszugehen, geht meistens völlig daneben - auch wenn hier die Ausnahme die Regel bestätigen mag. Die Geschmäcker sind ansonsten zu verschieden - und wer weiß, welche Tattoos unter so manchem gestärkten Hemdkragen stecken.. Und wie heißt es so schön: nicht die Tätowierten ruinieren die Welt sondern die mit Schlips und Kragen - ob Banker, Politiker, Lobbyisten spielt da keine Rolle. ...aber jedem seine Vorurteile...
Deep Thought 01.05.2014
4. Die allermeisten Bilder nicht besonders überzeugend
Einige wenige sind wirklich von starker Aussagekraft, berechtigt prämiert. Die Überzahl ist aber wenig aussagekräftig und vor allem sind erschreckend viele per Aggressiver Bild"bearbeitung" eher eine Karrikatur eines Reporterbildes als ein gutes Foto. Insbesondere der eher laienhafte und völlg übertriebene Einsatz der HDR-Technik einiger Bilder lässt einem das Frühstück hochwürgen... Wer seine Fotos derart hemmungslos "nachbearbeiten" muss, ist kein guter Fotograf, sondern gibt Zeugnis seiner fotografiaxhen Unfähigkeit. Die kommentare zu der Fotografin, welche häusliche Gewalt dokumentierte, sind eher unterirdisch. Pressefotografen und engagierte "Amateure" wollen und MÜSSEN uns gelegentlich sie brutale Wahrheit in unsere bürgerlichen Elfenbeintürmchen bringen - damit wir wenigstens ansatzweise die unschöne Realität des Lebens vieler Menschen zur Kenntnis nehmen...
chris4you 01.05.2014
5. Was wir uns fragen
sollten, hätte es auch einen Preis gegeben, wenn Fotos gezeigt worden wären wie eine Frau Mann/Kinder/Alte misshandelt? Um die Antwort vorwegzunehmen, nein... Das gibt es zwar (verallgemeinern in der Altenpflege), wird aber totgeschwiegen... Ein Zeichen wie offen und emanzipiert wir inzwischen sind ;-)
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