Spektakulärer Kunstfund Aus Müll mach Geld

Kunst auf Halde: Eine New Yorkerin fand ein Bild im Müll, das sich schließlich als gestohlenes Werk eines renommierten Malers herausstellte. Jetzt darf die Finderin Kasse machen.


So ähnlich kennen das viele Großstädter, oder? Man schlendert durch die Straßen, entdeckt ein nettes, irgendwie alt und hübsch aussehendes Stück zwischen allerhand Müll, beschließt es mitzunehmen und fragt sich dann: "Warum nimmst du das eigentlich in deine voll gestellte Wohnung mit?" Diese Frage habe sie sich auch gestellt, sagte Elizabeth Gibson der "New York Times". Aber ihr Fund - ein Bild - habe eben eine "seltsame Macht" auf sie ausgeübt.

Wie auch immer man zu höheren Mächten stehen mag, ihr Instinkt trog Gibson nicht: Bei dem Bild handelte es sich um "Three People"; ein Werk des Mexikaners Rufino Tamayo von 1970, das 20 Jahre zuvor gestohlen worden war.

Am 20. November wird "Three People" jetzt vom Auktionshaus Sotheby's versteigert, berichtet die "New York Times" in ihrer Ausgabe vom heutigen Dienstag. Der Schätzpreis des Müllfunds: eine Million Dollar (rund 700. 000 Euro).

Google kam zur Hilfe

Das Bild war einem Ehepaar gestohlen worden, dessen Identität das Auktionshaus nicht preisgeben will. Der Geschäftsmann aus Houston hatte "Three People" in einer Auktion bei Sotheby's 1977 erworben - für 55.000 Dollar, als Geburtstagsgeschenk für seine Ehefrau. Dann verschwand es unter ungeklärten Umständen, das FBI ermittelt bis heute.

Rund zwei Jahrzehnte nach diesem Diebstahl hängte Elizabeth Gibson, die Finderin, ihr Müll-Bild zunächst in ihr Wohnzimmer. Nach einigen Monaten machte sie einen Freund auf den Fund aufmerksam, der bei einem Auktionshaus arbeitet. Der fragte sie nach einer Signatur. Das Bild wies aus: "Tamayo 0-70". Doch der Freund sprang darauf nicht an.

Gibson recherchierte auf eigene Faust weiter. Als sich die Anzeichen verdichteten, dass es sich um ein wertvolles Werk handeln könne, wurde sie nervös und baute eigens eine Scheinwand in ihre Wohnung, um das Bild vor potenziellen Dieben zu verbergen. Im Mai dieses Jahres stieß sie schließlich per Google auf eine Folge der Fernsehreihe "Antiques Roadshow", in der verloren gegangene Kunstwerke vorgestellt wurden; darunter auch ihr Tamayo-Bild.

"Eine echte New-York-Story"

Gibson kontaktierte den Ermittler von Sotheby's, der das Bild in der Fernsehserie vorgestellte hatte. Das Auktionshaus wiederum informierte das FBI - und das Bild ging zurück zu den rechtmäßigen Eigentümern. Der Geschäftsmann aus Houston ist mittlerweile verstorben, seine Witwe hat das Bild nun zur Auktion freigegeben.

Elizabeth Gibson, die glückliche Finderin des Tamayo-Bildes, wird sich - gemessen an dem Wert des Werkes - mit einem eher bescheidenen Finderlohn zufrieden geben müssen: 15.000 Dollar (rund 10.600 Euro). Dazu erhält sie noch eine Belohnung von Sotheby's in nicht genannter Höhe.

Aber offenbar kann sich Gibson genug an der skurrilen Geschichte selbst erfreuen. Der "New York Times" sagte sie: "Es ist eine echte New-York-Story."

tdo mit Material von dpa



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