Spezial-Teddy "Schwulen-Filmpreis" für Moritz de Hadeln

Doch noch Anerkennung für Moritz de Hadeln: Der scheidende Berlinale-Chef wurde mit einem Spezial-Teddy geehrt, dem schwul-lesbischen Preis der Filmfestspiele.

Von Harriet Dreier


Geehrt: Festspiel-Leiter Moritz de Hadeln
REUTERS

Geehrt: Festspiel-Leiter Moritz de Hadeln

Er ist ein Mann wie ein Berg: groß, kräftig, mit dem Stimmvolumen eines Opernsängers und dem Charisma eines Braunbären. Moritz de Hadeln ist seit 1979 Leiter der Berlinale und wurde während seiner Dienstzeit zum Ziel etlicher Vorwürfe. Der Schweizer sei amerikahörig und ungeschickt im Umgang mit Festivalgästen, lauteten die Vorwürfe seiner Kritiker.

Jetzt erhielt der scheidende "Mr. Berlinale" zum Abschluss der 51. Internationalen Filmfestspiele doch noch Anerkennung: Am Samstag wurde ihm der "Spezial-Teddy" des "Schwul-Lesbischen Filmpreises" überreicht. Aus den Lautsprechern dröhnte Madonnas "The Power of Goodbye" als der Noch-Festivaldirektor sichtlich gerührt nach Worten rang: "Schwul-lesbische Filme sollten mehr Gewicht bekommen. Der Teddy ist ein wichtiger Preis der Berlinale." Auf der von Christoph Eichhorn und Fräulein Schneider von den "Geschwistern Pfister" moderierten Gala im "Haus der Kulturen" wurde dem Berlinale-Chef die goldene Trophäe für "seine kontinuierliche Unterstützung von schwulen und lesbischen Filmen" und ihren Machern in den vergangenen 22 Jahren überreicht. De Hadeln akzeptierte den Teddy 1992 als offiziellen Preis der Berliner Festspiele.

"Offenheit ist wichtig"

Der Schweizer nach der Verleihung: "Es ist eine Geste von Freunden. Ich habe den Preis von Anfang an unterstützt, denn jeder soll sein Leben führen, wie er es möchte." Homosexualität sei ein wesentlicher Teil der Gesellschaft und deshalb auch selbstverständlicher Teil der Berlinale. Dass sei besonders wichtig in Berlin, in der Andersdenkende unter den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Insofern habe die Verleihung auch eine historisch-politische Bedeutung. "Offenheit ist wichtig. Ich hoffe, dass auch mein Nachfolger diese Toleranz mitbringt.". Nun muss de Hadeln sein Berlinale-Büro am Potsdamer Platz für den neuen Mann aus Nordrhein-Westfalen, Dieter Kosslick, räumen.

"Ich bin ja nicht weg"

"Ich habe immer davon geträumt, lebendig gegraben zu werden", scherzte De Hadeln. Doch der Schweizer bleibt der Filmbranche erhalten. Er wird mit der Firma "De Hadeln & Partners - Film Consulting " ins Beratungsgeschäft einsteigen. "Es ist total offen, was weiter passiert. Aber das Leben geht weiter und mein Engagement auch. Ich bleibe ja in Berlin, ich bin ja nicht weg." Am 30. April ist sein letzter Festival-Arbeitstag, dann bekommt er den goldenen Handschlag von angeblich 100.000 Mark Abfindung.

Gut gelaunt stimmte der 60-Jährige in den Reigen der Berlinale-Gewinner des Abends ein und Nina Hagen sang dazu "All you need is love". Die Rockröhre hätte selbst auch nichts gegen einen Teddy einzuwenden. Hagen verriet: "Ich bin auch eine Schwester von den Schwestern. Wir sind alle eine Familie. Auch ich habe einen Dokumentarfilm gedreht. Aber ich bin nicht beim Teddy dabei, weil ich nicht wirklich als schwul einzustufen bin."

Goldener Teddy für "Hedwig And The Angry Grinch"

Beim diesjährigen "Teddy"-Preis dabei war dagegen der Film "Hedwig And The Angry Inch" von John Cameron Mitchell (USA) im Panorama, den die Jury als eine "außergewöhnlich originelle und unterhaltsame Rock-Oper" würdigte. Als bester Dokumentarfilm wurde "Trembling Before G-D2 von Sandi Simcha DuBowski (USA/Israel) über das "geheime Leben von lesbischen und schwulen Juden weltweit" ausgezeichnet.

Die neun Mitglieder der internationalen Jury, die überwiegend dem Kreis schwul-lesbischer Filmfestivalmacher entstammen, suchen aus den Programmen aller Berlinale-Sparten die Filme mit schwul-lesbischen Kontext heraus. Aus dieser Auswahl wird der Teddy dann an einen Spielfilm, einen Kurzfilm und einen Dokumentar- oder Essayfilm – jeweils dotiert mit 5.000 Mark – vergeben.

Kinderfilmpreis für "Nagisa"

Das Deutsche Kinderhilfswerk verlieh unterdessen seinen mit 15.000 Mark dotierten Großen Kinderfilmpreis an den Streifen "Nagisa" von Masaru Konuma (Japan) über die Sommer-Erlebnisse eines zwölfjährigen Mädchens. Anlässlich der Preisverleihung forderte der Präsident des Hilfswerks, Thomas Krüger, eine gleichrangige Beachtung von Kinderfilmen. "Der Kinderfilm muss auch wieder näher zum Publikum gebracht werden."



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